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Sag mir, was Du bestellst, und ich sag Dir, was Du bist

| 21. März 2012 | 1 Kommentar
Kategorie: Editorial, Fazit 81

SOS-Mitmensch hat dieser Tage wieder auf das Thema diskriminierender Speisenamen aufmerksam gemacht. In einer Aussendung der Wirtschaftskammer soll darauf hingewiesen worden sein, den »Mohr im Hemd« oder auch das »Zigeunerschnitzel« von den Speisekarten zu entfernen und durch neutrale Begriffe zu ersetzen. Im Detail stellte sich bald heraus, dass es keine Aussendung der WKO war, sondern bloß eine interne Diskussion der Gastgewerbeinnung. Diskriminierung gerade auch durch die Sprache darf und soll immer wieder aufgezeigt werden. Ich hege nur die Befürchtung, dass diesem grundsätzlich wichtigen Anliegen von Institutionen wie SOS-Mitmensch, wenn sie mit einer »Verbotsforderung« für den »Mohr im Hemd« einhergehen, ein Bärendienst erwiesen wird. Wenn die vereinigte österreichische Linke, in ihrer einfach gestrickten Welt, einen Besuch des WKR-Balls mit dem Bekenntnis zum Nazitum gleichsetzt, dann lässt sich das noch irgendwie aushalten. Einen »Mohr im Hemd« zu bestellen (bzw. ihn als Gastwirt anzubieten) aber als »rassistisch« zu diffamieren, ist nicht mehr zu ertragen.
Und da geht es nicht darum, was irgendwelche Sprachwissenschaftlerinnen dazu beigesteuert haben. (Für die herrlich vom Herrn und dämlich von der Dame kommt. Herrlich dämlich!) Wissenschaftlich lässt sich alles beweisen. Und das genaue Gegenteil davon. Wobei ich ja gar nicht in Abrede stelle, dass es einen Unterschied zwischen Frankfurtern und Negerbrot geben mag, in der Herkunft ihrer Bezeichnung. In ihrer Verwendung sind die beiden Begriffe heute aber jedenfalls ident: Sie bezeichnen eine Speise und mehr nicht. Wir können es nur dem allgemeinen Sprachgebrauch überlassen, dass manche Begriffe langsam aus der Mode kommen, vergessen, nicht mehr verwendet werden. Wahrscheinlich ist das – etwa beim Negerbrot – ein wünschenswerter Zustand.
Es ist aber schade, dass etwa ich, der ich Buchteln mit Vanillesauce viel, viel lieber habe, dann aus meinem ureigensten Stolz heraus, beleidigt zu sein, wenn mir jemand unterstellt, rassistisch zu sein, die nächsten fünf Jahre wieder »Mohr im Hemd« bestellen muss. Und,  sollte es »verboten« werden, auch am Schwarzmarkt ein Negerbrot kaufen würde. Aus Prinzip. Aus einem vielleicht dummen Prinzip heraus, aber aus Prinzip. Es darf nicht darum gehen, dass eine der beiden Seiten »recht« bekommt. Es muss darum gehen, dass Rassismus immer und überall zurückgedrängt wird. Verunmöglicht wird. Mit solchen Verbotsanliegen perpetuieren wir ihn. Da sind viele Österreicher schon weiter.

Editorial, Fazit 81 (April 2012)

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Kommentare

Eine Antwort zu “Sag mir, was Du bestellst, und ich sag Dir, was Du bist”

  1. Harrry
    30. Juli 2012 @ 11:31

    Gut so Christian. Ergänzend noch, und bewusst provozierend: In vielen anderen Sprachen/Kulturkreisen werden Menschen hellerer Hautfarbe ganz ohne „Genierer“ Weiße genannt. Nur merkt/versteht das oft keiner von den Weißen und würde sich, wenn doch, wohl auch nicht diskriminiert fühlen. Und Neger, so negativ besetzt der Begriff ja auch ist, heißt ja no, na, nichts anderes als Schwarzer. Auch wenn es „biologisch“ weder eine 100% weiße, schwarze, gelbe noch eine rote Hautfarbe gibt. Weiters wird meines Wissens nach die Übersetzung bzw. das Pendant des Wortes Zigeuner in anderen Sprachen von den Angehörigen dieser Volksgruppe(n) nicht als Diskriminierung verstanden, sondern sie bezeichnen sich auch selbst als solche.
    LG, Harry…Wien

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