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Tandl macht Schluss!

| 21. März 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 81, Schlusspunkt

Zur Idee der neuen AUA-Eigentümer, das Geschäft an eine Gesellschaft mit günstigerem Kollektivvertrag auszulagern, kann man nur sagen: spektakulär und beeindruckend unösterreichisch. Doch ob es die deutsche Lufthansa den Luftfahrtsbeamten des ehemaligen österreichischen Luftfahrtbeförderungsamtes tatsächlich gezeigt hat, bleibt abzuwarten, denn rechtlich müsste das AUA-Management die betroffenen – monatlich durchschnittlich 13.000 Euro brutto verdienenden – Piloten kündigen, um sie danach wesentlich billiger bei der Tyrolean weiter beschäftigen zu können. Durch eine solche Kündigung würden jedoch die Abfertigungen von 250.000 bis 500.000 Euro pro Betroffenen fällig. Insgesamt wären das mindestens 150 Millionen Euro, die die AUA nicht hat. Schließlich war schon die Neuanschaffung von einigen Airbus 320 zuletzt nur mit einer 100 Millionen Kapitalspritze durch die Lufthansa möglich.
Was die Lufthansa nun mit der AUA vorhat, hat sie vor einigen Jahren die Swissair vorgezeigt. die ja nach ihrem „Grounding“ in der kleinen Regionaltochter Crossair aufgegangen ist und später zur „Swiss“ wurde. In Österreich soll die Innsbrucker Tyrolean als gesellschaftsrechtlicher Mantel für die neue Austrian herhalten. Dort verdienen Piloten um durchschnittlich 6000 Euro weniger als bei der AUA. Aber auch andere Komponenten des AUA-Kollektivvertrags sind der Lufthansa ein Dorn im Auge. Dazu gehören die 7 Wochen Urlaub das Frühpensionsalter von 56 Jahren und durchschnittlich 12000 Euro Pension.
Eine Insolvenz muss die AUA jedoch vorerst unbedingt vermeiden, denn davon wäre auch die Tyrolean voll betroffen, und wie die österreichischen Strafgerichte auf eine mögliche Konkursverschleppung oder Vermögensauslagerung reagieren, kann niemand vorhersagen. Was das für die Verkehrsrechte der AUA in Länder außerhalb der EU, bedeuten würde, ist ebenfalls völlig offen. Die werden seit jeher zwischenstaatlich geregelt und es wäre leicht möglich, dass der eine oder andere aufstrebende „Carrier“ aus der Golf-Region nicht nur ein Auge auf frustrierte AUA-Piloten geworfen hat, sondern auch gesellschaftrechtliche Planungen vorantreibt, um als österreichische Fluggesellschaft an die eine oder andere attraktive Verbindung zwischen Europa und dem Nahen Osten oder gar Übersee heranzukommen.
Unter dem Druck der Umgründung erklärten sich die Bord-Betriebsräte jedenfalls mittlerweile bereit, 14 Millionen Euro an Einsparungen im Personalbereich zuzulassen. Den Kollektivvertrag der Tyrolean wollen sie dennoch keinesfalls annehmen. Der Jahresverlust der AUA lag zuletzt aber bei 60 Millionen Euro und insgesamt hat sich ein Konsolidierungsbedarf von 260 Millionen aufgebaut, der so schnell wie möglich abgearbeitet werden muss.
Aus der Sicht der österreichischen Unternehmen ist es wichtig, dass am Ende der Sanierung ein konkurrenzfähiges Luftfahrtunternehmen mit attraktiven Verbindungen in die Exportmärkte zur Verfügung steht. Dazu gehört natürlich auch Versorgung der österreichischen Landeshauptstädte mit Tagesrandflügen zu den Luftdrehkreuzen Wien, München und Frankfurt. Darüber hinaus bieten die aktuellen AUA-Turbulenzen aber auch eine Chance für die Politik: Sie könnte daran mitwirken, dass mehr Fluglinien, die nicht zum Lufthansa-Imperium gehören, als jetzt, an attraktive  Slots zu den europäischen Großflughäfen gelangen. Denn die Stärke der Deutschen hat längst zu monopolähnlichen Zuständen geführt, bei denen Anbieter, die nicht zur Lufthansa oder zumindest zur „Star Alliance“ gehören, angeblich so lange mit Billigpreisen unter Druck gesetzt werden, bis sie das Handtuch werfen. Und schon heute klagen Fluggäste, die ihr Ticket von Österreich aus buchen, darüber, dass sie höhere Preise bezahlen würden als Passagiere, die das von Deutschland aus tun.

Tandl macht Schluss, Fazit 81 (April 2012)

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