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FazitOnline

Ministerielle Verschwendungen

| 24. Oktober 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 87

Der österreichische Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich hat eine irrwitzige Summe zu verantworten, die sein Ministerium für den »Relaunch« der ressorteigenen Webseite ausgegeben hat. Ganze 4,39 Millionen Euro (also unvorstellbare 60.407.717 Schilling; 60 Millionen!) wurden für diese Homepage nach Informationen des Bundesrechnungshofes bezahlt. Und wenn dieses augenscheinliche Verschwenden von Steuergeldern noch nicht genug sein sollte, dann ist es die Art und Weise, wie das Lebensministerium auf das Bekanntwerden dieses Irrsinns reagierte: Zuerst wollte man sich darauf hinausreden, nach dem Schreiben des Rechnungshofes drei Monate Zeit zu einer Stellungnahme zu haben. Nur einen Tag später besann man sich eines besseren und argumentierte damit, dass »die Homepage« ja »nur« 1,35 Millionen Euro gekostet hätte. Der Rest wären die »laufenden Kosten für das Content Management System (CMS) über vier Jahre.«

Ja sind die denn von allen guten Geistern verlassen? Um diese 3,4 Millionen Euro kann ich mir in Silicon Valley ein fixfertiges CMS, die erstellende Firma dazu und einen Porsche kaufen. Und bräuchte trotzdem nie mehr aus Geldsorge heraus arbeiten. Natürlich sollen unsere Ministerien, alle unsere öffentlichen Organisationen mit den besten technischen Möglichkeiten ausgestattet sein. Aber wenn die Parlamentshomepage mit 1,93 Millionen schon weit jenseits von Gut und Böse angesiedelt war, so schlägt diese ungeheure Summe dem Fass den Boden aus. Und was passiert in Österreich? Gar nichts!

Entweder ist jemand, der soviel Geld für eine Internetseite verantwortet, nicht in der Lage zu beurteilen, wieviel Geld das ist oder das Geld wurde für andere Zwecke verwendet. In beiden Fällen sollte er nicht Minister der Republik Österreich sein. Ich denke übrigens, dass Nikolaus Berlakovich vor allem eine Art Opfer eines verfilzten Systems darstellt, unter dem dieses Land seit Jahren leidet. (Was es nicht besser macht.) Nur sind die Dimensionen inzwischen vollkommen aus dem Lot geraten. Wenn die ÖVP nicht augenblicklich damit beginnt, dieses System aufzubrechen, wird sie in der Bedeutungslosigkeit versinken. Lange vor der SPÖ wahrscheinlich, gegen deren Regierungsmitglieder Werner Faymann, Josef Ostermayer und Doris Bures (wie gegen Berlakovich) ja Erhebungen in der Inseratensache laufen. Da das aber dem medialen Mainstream in diesem Lande weitgehend egal ist, sollte wenigstens die ÖVP reinen Tisch machen. Und würde als Kolateralnutzen dem Land einen Dienst erweisen. Ethikrat, übernehmen Sie!

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Editorial, Fazit 87 (November 2012)

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