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Zur Lage (52)

| 24. Oktober 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 87, Zur Lage

Über eigentlich durch die Bank uninteressante Sachen, über den Nobelpreis und viel Gutes über Kärnten.

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Ich mag ja Ärzte. Wobei, so kann ich das nicht stehen lassen. Abgesehen von der positiven Diskriminierung, die mit diesem Satz mitschwingt, kann er ja überhaupt nicht richtig sein, kenne ich doch recht wenig Ärzte. Und die zwei, die mir sofort einfallen, mag ich im Grunde nicht unbedingt deswegen, weil sie Ärzte sind.

Der eine Chirurg etwa, ist fachlich sicher eine Koryphäe, nur hat er mich noch nie operiert. Und der andere Frauenarzt, den werd ich ja erst dann als Arzt wirklich beurteilen können, wenn ich mich dazu entschließe, meinem biologischen Geschlecht nicht mehr allzuviel Vertrauen zu schenken und mich sozusagen neumodisch »transgenderisiere«. Also lieber ein anderer Einstieg. Oder überhaupt lieber ein anderes Thema. Da ich diese Lage ganz gegen meine Art schon vor drei Tagen begonnen habe, ist mir mittlerweile leider abhandengekommen, was ich eigentlich über Ärzte schreiben wollte. Belassen wir es dabei, dass es ganz sicher nur Gutes war.

Was machen Sie mit Ihrem Nobelpreis? Haben Sie schon ein Platzerl im Wohnzimmer reserviert, wo Sie ihn hinstellen werden? Ich tu mir da schwer, weniger wegen des Platzes, mehr aus der Tatsache heraus, dass dieser Friedensnobelpreis irgendwie seinen Zauber verloren hat. Zuerst bekommt ihn ein amerikanischer Präsident, der – bei aller historischer Dimension seiner Wahl – keine drei Tage im Amt war und im Grunde ja nicht einmal Gelegenheit hatte, was immer zu tun, was eine solche Preisverleihung gerechtfertigt hätte. Und jetzt bekommen wir alle diesen Preis. Gut, ich bin überzeugter Europäer! War ich schon immer. Aber sind wir das alle? Sind wir es noch immer? Hätte Helmut Kohl den Preis nicht viel mehr verdient? Viel mehr als Barack Obama, Sie und ich gemeinsam? Aber gut, Kohl ist ein Bundesdeutscher.

Ist irgendwie auch kein richtiger Burner, der Nobelpreis als Thema. Über Stronach und seine BZÖ-Combo könnten wir uns noch ein bisserl unterhalten. Mit dieser Bestechungsanzeige, die BZÖ-Chef Bucher dieser Tage gegen Frank Stronach hat einreichen lassen, ist der Lack jetzt auch beim Team-Stronach ab. Beim BZÖ war ja sowieso kaum mehr einer dran. Es steht zu befürchten, dass man als nicht ganz linkslinks verorteter, heteronormativer Bürger in diesem Land überhaupt keine Partei mehr findet, die man auf Bundesebene wählen kann. Genau. Die Bundesebene!

Gegen Doris Bures, das ist die Infrastrukturministerin, läuft jetzt auch ein Verfahren wegen Amtsmissbrauches, weiß zumindest Andreas Unterbergers Tagebuch zu berichten und sonst gehts der Regierung eigentlich eh gut. Die Kärntner werden vom Bundesregierungsteam, was strafrechtliche Ermittlungen betrifft, bald eingeholt sein.

Apropos Kärnten! Mein Gott, ist dieses Land schön. Ich komme ja gerade von meinem jährlichen Herbsturlaub zurück und bin immer wieder aufs Neue begeistert, wie bezaubernd dieses Land ist, wie freundlich seine Bewohner. Am letzten Dienstag war ich übrigens in Klagenfurt – meine Frau war auch dabei – und da haben wir die Gelegenheit genutzt, eine Sondersitzung des Kärntner Landtages zu besuchen. Eine Supersache, sag ich Ihnen. Es war die neunte Sondersitzung zum Thema Neuwahlantrag der vereinigten Opposition gegen die FPK und, das muss man verstehen, das Interesse der Protestbürger für ihre Landespolitik hat mittlerweile etwas nachgelassen. Es war außer uns beiden niemand auf der Zuschauertribüne. Gut, der wirklichen Betroffenheit ob der Umstände wurde in Facebook und Twitter Luft verschafft, da bleibt dann natürlich wenig Puste übrig für das richtige Leben. Für uns beiden Steirer war das dann eine unglaublich nette Dreistundensitzung, in der wir von jedem Redner persönlich begrüßt wurden. Besonders charmant dabei der Landtagspräsident (FPK), der uns mit »Liebe Besucherin, lieber Besucher« angesprochen hat. Wir haben uns richtig zuhause gefühlt. Pardauz, die Kärntner haben halt alle Charme und nicht nur Schmäh.

Und am Schluss muss ich noch auf die letzte Lage (»aus Bürgerpflicht«, Fazit 86) hinweisen. Da gings um die Charta des Zusammenlebens usw. in der Steiermark. Habe ich doch glatt von der immer mehr an Format gewinnenden Corinna Milborn (sie moderiert auf Puls4 eine Diskussionssendung) folgenden Satz über dieses Jahrhundertwerk ideologischer Verirrungen gehört: »Das beste Integrationspapier, das ich kenne.« Dem ist nichts hinzuzufügen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage #52, Fazit 87 (November 2012)

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