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Zur Lage (53)

| 26. November 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 88, Zur Lage

Über eine politische Sensation, die alles bisher Dagewesene blass erscheinen lässt. Und über das Team Stronach.

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Auf einmal tut sich was in unserem Land. Was muss das für ein kanadischer Turbo sein, den Österreichs jüngster Politiker allein mit der Anerkennung des Klubstatus für sein Team im Parlament gezündet hat? Das Team selber hat den Turbo zwar gar nicht so gespürt, aber der Kollateralnutzen, den die Stronacher über das Land gebracht haben, ist gewaltig. Und so überrascht es wenig, dass es die Partei ist, die immer schon gewusst hat, wie es geht, die endlich ihre ungeheure Wirkungskraft auf den Boden bringen konnte und im Begriffe ist, ganz neue Tatsachen in der politischen Landschaft Österreichs zu schaffen.

Mir wär das nicht eingefallen! Ich gebe es hier ganz offen und ehrlich zu, mir wäre das nicht eingefallen. Gut, Peter Pilz, wichtigster Aufdecker unter der Sonne, sinniert ja auch schon seit bald mehr als 25 Jahren in seiner dafür günstigen Wiener Gemeindewohnung und im Parlament über die Welt und darüber, wie man diese besser machen könnte. Und nach unzählbaren Anzeigen, zig Sachverhaltsdarstellungen und noch mehr Einstellungen ist Peter Pilz jetzt auf die Lösung gekommen: Die Grünen starten ein Volksbegehren gegen Korruption.
Sehen Sie! Jetzt gehts Ihnen wie mir: Wieso ist uns beiden das nicht schon vorher eingefallen. Genau. Ein Volksbegehren gegen Korruption! 100 Prozent bekommen die! Na, wenn nicht mehr, sag ich Ihnen. Da sind doch alle dafür! Also dagegen. Also dafür, dass sie dagegen sind. Genial, sag ich Ihnen. Ich bin mir ja nicht einmal ganz sicher, ob Peter Pilz, jedenfalls aber Eva Glawischnig, die gesamte Tragweite dieser so simplen Idee, die nur mit der Entdeckung des Feuers oder der Landung auf dem Mond – und dann auch nur annähernd – vergleichbar scheint, überhaupt schon abschätzen können. Pilz und die Seinen haben das »Perpetuum mobile« der Politik erschaffen. Ein Nobelpreis kann hier – Obama hin oder her – nur unangemessen erscheinen.

Man stelle sich vor, welch Türen jetzt plötzlich leicht zu öffnen sind. Heute das Volksbegehren gegen Korruption, morgen ein weiteres gegen das Böse. Der Krieg, der Hunger, das Elend, zu knappe Leggins an zu feisten Schenkeln, wir werden alles überwinden. In nur wenigen Monaten wird unsere Gesellschaft dort sein, wo sie voreilige Chronisten schon gegen Ende des letzten Jahrtausends gesehen haben: am Ende der Geschichte nämlich. Wir werden in einem Realität gewordenen Schlaraffenland leben dürfen. Und das alles verdanken wir der Partei des Guten, den Grünen.

Aber gut, wenden wir uns einem anderen Thema zu, das schaut am End noch so aus, als würd ich mich bei den Grünen zu sehr anbiedern wollen. Dem muss ich natürlich eine klare Absage erteilen: Ich bleibe jedenfalls bei meiner kritischen Distanz, wie ich das bei fast allen Parteien halte, Sie wissen das. Einfach ist es natürlich nicht, heute und die nächsten Jahre an was Anderes zu denken, also komme ich quasi kontrapunktisch noch einmal auf das Team Stronach zurück. Ganz besonders hat es mir deren Klubobmann – von dem ich so viel schon vergessen habe, dass ich ihn jetzt nicht einmal googlen kann, Sie verzeihen – angetan. Das ist ein grader Michl. Und was mir gefällt, der hat so ein gesundes Selbsteinschätzungspotenzial, eine Eigenschaft, die mehr oder minder unterrepräsentiert ist unter unseren Politikern. Er meinte nämlich, er wäre »keiner für die erste Reihe«. Toll, sag ich! Ich meine, die Reihe, für die er »wär«, da weiß ich jetzt nicht, ob die noch im Parlament oder wenigstens im Wiener Stadtgebiet Platz finden würde, aber das ist auch nicht so wichtig. Außerdem kann es gut sein, dass ich ihn mit einem anderen Teamplayer verwechselt habe, die sind ja alle miteinander nicht allzu kantige Persönlichkeiten.
Bis auf den einen Kärntner, der – prima facie sag ich das nur – sicher schon bei der legendären »Buberlpartie« dabei gewesen sein muss. Eine herrliche Type! Einen Gebrauchtwagen oder auch ein Eis würd ich ihm zwar nicht abkaufen, aber alleine dafür, wie seine Anzüge bei den Parlamentsübertragungen auf ORF 3 schimmern, gehört ihm gedankt.

Und irgendeiner vom Team Stronach, habe ich im Morgenjournal gehört, der hat doch tatsächlich seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, der Frank würde noch gute 20 Jahre Teamchef bleiben. Meine Damen und Herren, was Gehaltvolleres könnte mir auch nicht mehr einfallen. Was brauchen wir  Satire in diesem Land, wir haben unser Parlament. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage #53, Fazit 88 (Dezember 2012)

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