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Medizin im idealen Umfeld

| 20. Dezember 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 89

Erst seit 2004 ist die Medizinische Universität Graz eine eigenständige Universität. Seitdem kann die Meduni auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken. Die Forschungsleistung ist explodiert, die Drop-out- Raten sind gesunken und nun soll auch ein neuer Campus kommen.

Für Josef Smolle, in der zweiten Periode Rektor der Medizinischen Universität, steht seine Universität sehr gut da: „Seit der Gründung der Universität 2004 hat sich unsere Forschungsleistung mehr als verdreifacht. In internationalen Rankings sind wir regelmäßig präsent. Das bedeutet, wir gehören weltweit zu den Top vier Prozent der Universitäten. Im medizinischen Ranking hängen wir zwei Drittel der deutschen Medizinfakultäten ab und sind regelmäßig unter den 150 besten Medizinuniversitäten der Welt.“ Mit der Meduni in Innsbruck sei man gleichauf, die Meduni Wien sei aber allein aufgrund ihrer Größe nicht erreichbar.

Anders als an anderen steirischen Universitäten pflegt die Meduni Graz auch zu den Studierenden gute Beziehungen. Nicht nur Rektor Smolle, sondern auch Vertreter der Österreichischen Hochschülerschaft loben das gute Gesprächsklima. „Wir haben auf jeden Fall die Gepflogenheit einer sehr offenen Kommunikation. Die Studierenden sind ein Teil der Universität und gestalten diese auch mit“, so Smolle. Das habe sich auch beim anfangs umstrittenen Auswahlverfahren gezeigt. „Die Situation hat sich mit dem Auswahlverfahren massiv verbessert. Zuvor hatten wir eine Drop-out-Rate von über 50 Prozent. Mit dem Auswahlverfahren ist sie auf fünf Prozent gesunken. Das heißt auch, unser Aufnahmeverfahren hat eine sehr gute prognostische Aussagekraft“, hebt Smolle hervor, und das hat seinen Grund: Denn das Auswahlverfahren unterscheidet sich in vielen Punkten von jenen Tests, die in Innsbruck und Wien durchgeführt werden. „Wir haben uns sehr früh Gedanken gemacht, wie wir das Auswahlverfahren gestalten können, und haben diesen Prozess auch wissenschaftlich begleitet. In Wien und Innsbruck wurde man hier offensichtlich überrascht, deshalb hat man dort schnell einen Test aus der Schweiz zukaufen müssen“, sagt Smolle. Anders als der Grazer Test ist jener aus der Schweiz ein reiner Intelligenztest, den man nicht erlernen kann. „Unser Verfahren kann und soll man erlernen. So prüft unser Test nicht nur die Intelligenz, sondern auch die Lernbereitschaft und das Engagement der Kandidaten“, hebt Smolle hervor. Deshalb sitze man derzeit mit den anderen Universitäten an einem Tisch und entwickle ein gemeinsames Auswahlverfahren, das schon im kommenden Sommer eingesetzt werden soll. Wesentliche Teile werden dabei aus dem Grazer Test übernommen werden.

Neuer Campus
Ändern wird sich auch der Standort der Meduni Graz. Bis Ende 2016 wird ein neuer Campus am Gelände des Landeskrankenhauses entstehen. Der Standort in der Harrachgasse wird aufgegeben. „Der neue Campus bringt uns die Chance, dass wir die theoretischen Institute und die klinischen Einrichtungen an einem Standort beisammen haben. Das ist eine große Entwicklungschance, weil wir nicht die Institute eins zu eins abbilden werden. Wir werden ein innovatives Raumkonzept haben, mit dem ein Teil der Flächen flexibel vergeben und leistungsorientiert gesteuert werden kann“, so Smolle. Ein positiver Nebeneffekt sei außerdem, dass die Karl-Franzens- Universität die freigewordenen Räume in der Harrachgasse übernehmen und so ihre Standorte weiter konzentrieren kann. Die Übersiedelung soll im ersten Halbjahr 2017 abgeschlossen werden.

Verschultes Curriculum
Immer wieder wird an den Medizinstudien kritisiert, dass das Curriculum zu sehr verschult sei. Individuelle Schwerpunkte können von den Studierenden nur bedingt gesetzt werden. Doch für Josef Smolle hat das einen guten Grund: „Die Medizin ist einer der verantwortungsvollsten Berufe überhaupt. Das Curriculum hat den Wesenszug, dass es sehr viele praktische Elemente mit Patientenbezug gibt. Die Studierenden sind vom ersten Semester an direkt mit den Patienten in Kontakt. Ein gewisses Maß an Verschulung sind wir den Patientinnen und Patienten schuldig.“ Jedoch sei die Anwesenheitspflicht im Vergleich zu den Fachhochschulen relativ niedrig. Im Schnitt seien es 13 Stunden pro Woche, in denen die Medizinstudenten Anwesenheitspflicht haben, da man Medizin nicht ausschließlich aus Büchern aus der Ferne lernen könne. Schwerpunktmöglichkeiten sieht Smolle bei den Diplomarbeiten und bei einer breiten Palette zusätzlicher Angebote, die individuell ausgewählt werden können.

Besondere Finanzierung
Ein besonderer Punkt der Meduni Graz ist die Finanzierung. Anders als die anderen Universitäten bestreitet die Meduni Graz nämlich einen erheblichen klinischen Mehraufwand, da viele Ärzte im Landeskrankenhaus Graz bei der Meduni und nicht bei der KAGES angestellt sind. „Die medizinische Universität bringt deutlich mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr in den klinischen Betrieb ein. „In der Steiermark sind wir aber die Einzigen österreichweit, die eine Zusammenarbeitsvereinbarung mit den Krankenanstalten geschafft haben“, weiß Smolle. Einen wichtigen Teil der Finanzierung der Universität nehmen, wie an allen steirischen Hochschulen, Drittmittel ein: „Die Drittmittel haben sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Wir gehören zu den Universitäten mit den größten Drittmittelanteilen in Österreich. Das wird hoffentlich in den kommenden Jahren weiter steigen, das hängt aber auch von der Konjunktur ab.“ Die Finanzierungsgespräche mit dem Ministerium sind abgeschlossen. Josef Smolle ist mit dem Ausgang dieser Gespräche so weit zufrieden: „Große Expansionen sind derzeit nicht möglich, aber es ist ein konstruktiver Ausblick in die Zukunft gelungen.“ Konkrete Zahlen wollte er jedoch erst nennen, wenn die Vereinbarung unterschrieben und veröffentlicht ist.

Mit Standort zufrieden
Mit dem Universitätsstandort Graz ist Smolle sehr zufrieden: „Das hat zwei Gründe: Die Universitäten arbeiten exzellent zusammen und in der Landes- und Stadtpolitik wird die Bedeutung der Universitäten deutlich wahrgenommen. Das ist ein wesentlicher Standortfaktor.“ Das sei auch für ausländische Forscher interessant. Mit Spitzengehältern könne man nämlich nicht locken. „Punkten können wir aber mit einem ausgezeichneten Klima, einer Bündelung der Ressourcen und einer hohen Lebensqualität. Für Mitarbeiter, die überlegen, wohin sie mit ihrer Familie die nächsten Jahrzehnte gehen sollen, ist das ein wesentlicher Punkt“, sagt Rektor Smolle.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Serie Steirische Hochschulen – Fazit 89 (Jänner 2013)

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