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Bücher mit Hintergedanken

| 24. April 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 92, Kunst und Kultur

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Über Architekten, die Gedichte lieben, und Kunstvereinsmitglieder, die Bücher stiften. Text von Katja Langeland.

Ein ungewöhnlicher Abend erwartet die Besucher im frisch umgebauten Palais Trauttmansdorff, dem alten und neuen Zuhause des Grazer Kunstvereins. Aber nicht nur das Gebäude wurde renoviert. Der Kunstverein hat mit dem Niederländer Krist Gruijthuijsen einen neuen Kurator, mehr Platz, ein neues Design und selbstverständlich ein neues Programm. Heuer unter dem Schwerpunkt: Dialog und Sprache. Ein weiteres neues Format ist »The Members Library«: Jeder Besucher war und ist eingeladen, ein persönlich bedeutsames Buch zu stiften oder vorzuschlagen. Mit dieser Hommage von und für die eigenen Mitglieder schürft der Kunstverein aus dem wichtigen intellektuellen Kapital seiner Anhänger – auch zum Nutzen aller anderen Besucher.

Zur Eröffnung geben sich drei große Männer der Grazer Kulturszene die Ehre: Kulturanthropologe Georg Frena, Schriftsteller und Manuskripte-Herausgeber Alfred Kolleritsch und Eugen Gross, Architekt und Mitglied der legendären Werkgruppe Graz. Die Besucher sitzen auf den knallgelb angemalten Stiegen der neuen Holzempore, die gleich einer Arena den White Cube, also die weißen Wände des Ausstellungsraums, säumt. Die Einleitung wird dann recht unkonventionell: Wer schon alles gestorben ist, wer wohl als nächstes stirbt, was man bis dahin doch noch schaffen möchte oder lieber doch nicht mehr schaffen möchte, damit begrüßten die – mit Verlaub – älteren Herren die Gäste am ersten Abend.

Eigentlich wollten sie ja auch nicht über den Tod reden, sondern einige Bücher vorstellen, aber so was passiert schnell, wenn einer der Autoren, Alois Hergouth, bereits verschieden ist. Aus den 25 sinnlichen Büchern der Werkgruppe Lyrik, die zwischen 1966 und 1996 auf Packpapier gedruckt und im schlichten Eigenverlag in Karton gebunden herausgegeben wurden, gibt es schließlich Frühwerke von Hergouth, Kolleritsch, Simon Yussuf Assaf und Joseph Fink zu hören, einige davon sogar liebevoll aus dem Gedächtnis rezitiert. Ein Stück vergangene Zeitgeschichte entblättert sich beinah unbemerkt und unspektakulär, einfach so, zwischen belebten Anekdoten und konzentrierten Worten, die den Frühling einläuten, von Neuanfängen erzählen und diese beschwören.

Die nächste »Members Library« findet am Mittwoch, dem 15. Mai 2013 um 19 Uhr in der Burggasse 4 statt. Eine Auswahl der Werkgruppe Lyrik erscheint derzeit in der Edition Keiper.

grazerkunstverein.org

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Kunst undsoweiter, Fazit 92, (Mai 2013); Foto © Katja Langeland

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