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Christen in Syrien benötigen unsere Unterstützung

| 26. September 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 96

Seit bald zweieinhalb Jahren herrscht in Syrien ein kriegsgleicher Zustand, der nach groben Schätzungen bis zum heutigen Tag um die 100.000 Opfer zählt. Rund sechs Millionen Syrer befinden sich auf der Flucht, von ihnen haben bereits zwei Millionen ihr Land verlassen.

Ausgebrochen ist dieser Bürgerkrieg im ersten Halbjahr des Jahres 2011 mit dem Beginn der von westlichen Medien gerne recht euphemistisch als »Arabischer Frühling« bezeichneten Unruhen im ganzen Nahen Osten und eben auch in Syrien. Präsident Baschar al-Assad hat diese anfangs friedlichen Demonstrationen mit roher Gewalt zu unterbinden versucht und daraufhin eskalierte recht rasch die Situation. Schon nach wenigen Wochen war klar, dass in diesem Land nichts mehr klar war. Das eigentliche Ansinnen der syrischen Opposition, das Land zu demokratisieren, war – bestenfalls – in den Hintergrund gerückt und entwickelte sich zum brutalen Krieg aus vor allem ethnischen und religiösen Gründen, der nun tagtäglich das Land erschüttert und den Menschen schreckliches Leid zufügt.

Wie verworren und unbeurteilbar – jedenfalls von außen – auch immer die Lage in Syrien ist, es droht wieder einmal, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Und es erscheint (sogar) mir, dass es gut war, dass die USA (vorerst) auf ein aktives Eingreifen in den Konflikt verzichtet hat. Ich vermag selbstverständlich nicht zu beurteilen, was das Beste für Syrien wäre, es drängt sich nur jedenfalls der Anschein auf, dass für die islamischen Staaten in Nahost nicht die uns westlichen, europäischen Staaten eigenen demokratiepolitischen Maßstäbe anzusetzen sind. Und wohin sich der arabische Raum entwickeln kann und will, wird uns erst die Geschichte zeigen.

Was ich aber sehr wohl beurteilen kann, ist die Tatsache, dass den Menschen in Syrien geholfen werden muss. Allen natürlich, und – das muss gerade für ein in letzter Konsequenz natürlich christliches Land wie Österreich gelten – insbesondere auch den Christen dort. Zehn Prozent der Syrer sind Christen (im Jahre 1920 waren es noch 30 Prozent) und diese sind – übrigens in furchtbarer Einheit mit den Alawiten, denen Präsident Assad angehört – die am stärksten bedrohte religiöse Gruppe im heutigen Syrien. Die syrisch-orthodoxe Kirche etwa hat bereits im März 2012 von »ethnischen Säuberungen« gegen Christen in der Stadt Homs durch islamistische Mitglieder einer Brigade der »Freien Syrischen Armee«, also Revolutionstruppen, berichtet. 90 Prozent der Christen von Homs sind aus der Stadt vertrieben, ihr Hab und Gut wurde konfisziert und ganze Stadtteile sind mittlerweile vollkommen, wie es heißt, »christenrein«.

Rund eineinhalb Millionen, also 25 Prozent, der Flüchtlinge in und aus Syrien sind Christen. Alleine diese Zahl zeigt, dass Christen weit überproportional zu den Opfern der Gewalt zählen. Dieser noch dazu leider eben oft gezielten und fanatischen Gewalt gegen »Ungläubige«.

Die österreichische Bundesregierung hat beschlossen, in einer Soforthilfemaßnahme abseits aller sonstigen Asylquoten 500 syrische Flüchtlinge in Österreich aufzunehmen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hat zudem präzisiert, dass dabei »christliche Opfer« zu bevorzugen wären. Der Grüne Peter Pilz empfindet – in diesem Fall – eine solche »Quotenregelung« als »letztklassig«. Ich getraue mich es hier zuzugeben: Ich empfinde diese Entscheidung der Regierung ganz im Gegenteil als »erstklassig«. Die moslemischen Flüchtlinge Syriens finden (leichter, nicht leicht!) im ganzen Nahen Osten, den Golfstaaten oder der Türkei Schutz und Aufnahme. (Und das ist dankenswert!) Die Christen aber sind dort, in dieser einstigen Wiege des Christentums, vollkommen auf sich allein gestellt. Selbst für einen Atheisten muss klar sein, sofern er kein geschichtsvergessener Dolm ist, dass wir ein christliches Land sind. Und daher eine besondere Verantwortung gegenüber Christen in Not haben. Die Syrienhilfe des ORF wirbt unter der Marke »Nachbar in Not«. Über die Tatsache, dass Syrien kein Nachbar von uns ist, wird man unter dem Eindruck der humanitären Katastrophe in diesem Land natürlich hinwegsehen; dumm ist es trotzdem.

Wenn ich einen Nachbarn in Syrien habe, dann ist es die christliche Gemeinschaft dort. Und der muss ich vorrangig helfen! Genauso, wie ich in Folge allen anderen Menschen auch helfen muss. Wer sich aber vornimmt, immer gleichzeitig »allen« zu helfen, der hilft in letzter Konsequenz niemandem. Sondern beruhigt nur sein Gewissen.

Spenden Sie jetzt für die Menschen in Syrien unter
0800222444 oder im Netz unter nachbarinnot.orf.at

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Editorial, Fazit 96 (Oktober 2013)

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