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Demokraten dürfen sich nicht gegenseitig zum Feind machen lassen!

| 30. Juli 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 105

Andreas Gabalier ist also ein »Nazi«. Zumindest nach der lockeren Definition zahlreicher Poster im Internet. Auf solche »Postings« einzugehen, wäre aber ähnlich dämlich, wie wenn die Staatsanwaltschaft nach zutiefst beleidigenden Äußerungen auf der Facebookseite von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek wegen »Wiederbetätigung« ermitteln würde. Gut, die Staatsanwaltschaft tut das zwar, nur bin ich ja nicht die Staatsanwaltschaft.

Was mich aber sehr wohl veranlasst, darauf einzugehen, sind etwa diese »Nazivorwürfe« von eigentlich helleren Gesellen, wie dem grünen EU-Abgeordneten Michel Reimon oder dem Wiener Publizisten Robert Misik. Die haben beide via Netz auf eine Geschichte der Berliner Tageszeitung »Taz« aus dem Vorjahr referenziert, in der krude Anschuldigungen gegen das Werk (nicht unter Anführungszeichen, seit dem mich dieser Künstler bei der Sendung »Tauschkonzert« durchaus gut und durchaus intelligent unterhalten hat) Gabaliers gemacht wurden, die im grenzwertigen Vorwurf gipfelten, Gabaliers Plattencover würde ein Hakenkreuz nachstellen. Sowohl Misik also auch Reimon attestierten mit diesem Verweis, dass sie das »nicht wundere«. Klar, Volks-Rock‘n‘roller ist gleich Vollnazi. Eine unglaublich simplifizierende, ungeheure Anschuldigung, die diese da insinuieren. Und ich bin der tiefen Überzeugung, dass diese ständigen »Nazivorwürfe«, neben dem, dass sie eben ungeheuerlich sind, vor allem eines bewirken: Sie spalten unsere Gesellschaft.

Und diese Spaltung der Gesellschaft birgt viel größere Gefahren mit sich, als es die ständigen »Fang-den-Nazi-Schreier« sich vorzustellen in der Lage sind. Sie baut Fronten zwischen Demokraten auf, mögen diese nun links, liberal oder auch (rechts-)konservativ sein. Es ist nämlich eben nicht der »Rechtsextremismus«, der die Gefahr darstellt; es ist der »Extremismus« an sich, ob jetzt von rechts, links, ob religiös oder aus sonstigem Fundamentalismus heraus. Wir sehen das geradezu exemplarisch am Falle Israels.

Natürlich sehe ich mich außerstande, eine Beurteilung der über mehr als 60 Jahre währenden kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Palästinensern und dem Staate Israel abzugeben. Jedes einzelne palästinensische Kind, jeder einzelne israelische Teenager, der bei diesen Kämpfen ums Leben kommt, stellt eine unglaubliche Traurigkeit dar. Eine Traurigkeit, der ich mich nur bedingt hingeben kann, weil ich sonst vor lauter Leid nie mehr einen klaren Gedanken fassen könnte. Genauso wie das Elend all der Menschen in Syrien, im Irak, insbesondere in Mossul, wo Christen, nachdem ihre Häuser gekennzeichnet wurden, ihre Heimat verlassen mussten oder sonst mit dem Tod zu rechnen gehabt hätten, oder in den vielen anderen Regionen dieser Welt (vor allem in Afrika), wo fürchterliche Zustände fürchterliche Verbrechen zulassen, mich verzweifeln lassen würde. Ich kann das nicht an mich heranlassen. Nur muss ich, soviel Demokrat werde ich immer sein, anmerken, dass Israel als einzige Demokratie in dieser Region natürlich immer kritisiert werden darf, aber – wie oft habe ich das hier schon geschrieben? – grundsätzlich zu unterstützen ist. Auf einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis kann ich also nur jeden verdammten Tag hoffen. Mehr kann ich nicht tun.

Was ich tun kann, sind die aktuellen judenfeindlichen Ausschreitungen in Europa zu verurteilen. Damit sind wir wieder beim »Extremismus«. Es ist geradezu widerlich, was in unseren Straßen in diesen Tagen vorfällt. »Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!« und andere, in ihrer Verkommenheit unübertreffliche Parolen wurden da skandiert, Geschäfte wurden zerstört, Synagogen wurden angezündet. Von Neonazis? Nein, von vor allem arabisch- bzw. türkischstämmigen Migranten in unseren Ländern. Oft in Symbiose mit dem tiefverwurzelten Antisemitismus linker Kreise. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verharmlost in zahlreichen Beiträgen diese Sachverhalte und, wie es etwa im  »Rundfunk Berlin-Brandenburg« geschehen ist, verzerrt sie ins Unkenntliche. Dort wurde im Titel von »Migranten und Rechtsextremen« gesprochen, nur waren dort (Gott sei Dank!) keine Rechtsextremen dabei, sondern eben Linksextreme.

Das wahre Problem ist also in gewaltbereiten, extremen Kreisen zu suchen. Und derzeit sind diese (vor allem) im Zuwandererbereich und im linksextremen Milieu zu finden. Dieser Realität sollten wir uns stellen. Und für Israel und die Palästinenser sollten wir beten.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Editorial, Fazit 105 (August 2014)

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