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Bachmannpreis für Eilige

| 26. Juli 2018 | 1 Kommentar
Kategorie: Fazit 145, Kunst und Kultur

Foto: ORF/Jonannes Puch

Eine literarische Zusammenfassung – ja geradezu ein Bestoff – der 42. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Von Michael Bärnthaler.(Am Foto sehen Sie Tanja Maljartschuk flankiert von Landeshauptmann Peter Kaiser sowie der ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard und der Klagenfurter Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz. Lesen Sie hier den ORF-Bericht.)

::: Hier im Printlayout online lesen

ich setze meinen fuß und dann den anderen ich setze meine füße

WOHIN ABER GEHEN WIR

schritte und immer schritte und wie viele schritte kann ein mensch in einem leben gehen als ich jung war dachte ich unendlich viele dann merke ich irgendwann das ist vielleicht so die mitte meines lebens und die erste hälfte ist jetzt vorbei von diesem moment an fühlen sich die schritte nicht mehr unendlich an

WENN ES DUNKEL UND WENN ES KALT WIRD

Niemand sagt: Ich möchte Müllmann werden. Petro ist sowohl Weihnachtsbaumverkäufer als auch Müllmann gewesen. Beide Jobs fand er nicht gut. Bäume verkaufen ist das Letzte, besonders, wenn sie aus den Karpaten geschmuggelt werden. Müllmann zu sein, wäre in Ordnung gewesen, es riecht weniger, als man denkt, jedoch verlangten sie bereits nach dem ersten Arbeitstag Petros Pass. Als er das Wort hörte, lief er so schnell wie möglich davon.

WAS SOLLEN WIR TUN

Überall waren Hotdogstände und Food-trucks und Fanshops zwischen den Palmen; und ein roter Zeppelin kreiste am Himmel; und man konnte sich in den Mannschaftsfarben schminken lassen; und Erinnerungsbilder mit Doubles von Heat-Legenden machen; und Tradingcards verkaufen; und Freiwürfe werfen; und Internetverträge abschließen.

UND WOHIN TRAGEN WIR
AM BESTEN
UNSRE FRAGEN

Rhizomartig ziehen sich Verästelungen unter den Bergkuppen und Siedlungen durch, brechen in Röhrchen und Netzen an die Oberfläche und schieben das nervöse Erdreich zu atmenden Halden zusammen. Es ist, genau betrachtet, nicht nur ein Loch, sondern ein nach allen Seiten sich erstreckender Hohlraum, der die gesamte Gemeinde unterhöhlt –

UND DEN SCHAUER ALLER JAHRE

»Ist dir eigentlich klar, dass inzwischen Hochsommer ist?« »Ach«, sagte Mattes. »Echt? Egal.« »Es flimmert vor Hitze.«

AM BESTEN
WENN TOTENSTILLE
EINTRITT

Kombiniert wurden Textstücke von Özlem Özgül Dündar, Tanja Maljartschuk (Bachmannpreisträgerin 2018), Joshua Groß, Raphaela Edelbauer, Stephan Lohse und – natürlich – Ingeborg Bachmann.

::: Zur Webpage vom Bachmannpreis

Alles Kultur, Fazit 145 (August 2018) – Foto: ORF/Jonannes Puch

 
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Kommentare

Eine Antwort zu “Bachmannpreis für Eilige”

  1. Zur Lage (93) | FazitOnline. Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden.
    26. Juli 2018 @ 04:17

    […] was zu verfassen. Und das hat der Michael Bärnthaler in gewohnt unberechenbarer Art und Weise (zu lesen auf Seite 80) getan. Wobei, also »bös« in dem Sinn bin ich ihm nicht, nur journalistischen Kriterien […]

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