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Der gute Mensch von nebenan

| 25. Februar 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 150, Fazitbegegnung

Foto: Heimo BinderWerner Gröbl ist ein guter Mann. Nicht nur, weil er 1984 als erst Einundzwanzigjähriger das mit 120 Millionen (Schilling) überschuldete Unternehmen Gröbl-Möbel – mit einem Umsatz in der gleichen Höhe wie die Schulden – übernommen hat.

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Nicht nur, weil er mit damals durchaus gewagten 4 Millionen (Schilling) Marketingbudget den Umsatz sogleich auf 150 Millionen (Schilling) erhöhen konnte. Und nicht nur, weil er nach nur einem Jahr den damaligen Direktor der Sparkasse Voitsberg/Köflach, Walter Scheriau, überzeugen konnte, ihm nach einem schon einmal gescheiterten Generationenwechsel einen 35-Millionen-Schillingkredit ohne Eigenkapital zu gewähren. Mit dem der Köflacher nach Lieboch ein zweites Möbelhaus in Knittelfeld baute, um nach ein paar Jahren mit einem weiteren identen Kredit noch eines in Leibnitz zu eröffnen. Und nicht nur, weil er nach dem vierzehnten Möbelhaus erkannte, dass die Sinnfrage eine ist, die man stellen sollte. Vor allem sich selbst. Spätestens im Jahr 2001 handelte er entsprechend: Längst am und mit dem einstigen Konkurrenten, dem Möbelhaus Lutz, wechselseitig beteiligt, verkauft er diesem sein Geschäft.

Und da Werner Gröbl ein guter Mann und ein guter Rechner ist, wurde er mit dem kolportierten Preis von 600 Millionen (Schilling) auch zu einem sehr reichen. Und weil er auch ein ausgesprochen freundlicher Mann ist, getraue ich mich auch, eine meiner Lieblingsfragen zu stellen: »Macht Geld frei?« Er ist auch ein ehrlicher Mann, denn »Ja« ist seine Antwort. Mit zwei »Aber«: Es komme schon darauf an, was man mit dem Geld mache und: »Die meisten Reichen sind Gefangene ihres Geldes.« Daraus ergeben sich zwei Fragen – Was bedeutet Freiheit für Werner Gröbl und was macht man am besten mit so viel Geld? – die ich aber nicht direkt stelle, das gehört eher zu »Vera. Das kommt in den besten Familien vor«, wo Werner Gröbl im Jänner tatsächlich zu Gast war. Indirekt beantwortet er die erste Frage ohnehin, indem er auch sagt, was er denkt. Etwa zur Steuerpolitik: »Nicht für die reichen, aber für die einfachen Leute sind die Steuern zu hoch. In Österreich wird offensichtlich das Volk so dumm gehalten, dass es nicht merkt, dass jede Steuer, jede Erhöhung oder neue Steuer beim Billa oder bei Mineralölkonzernen immer vom Bürger bezahlt werden muss – über die Wurstsemmel oder über den Treibstoffpreis.«  In Anlehnung an Bundeskanzler Kurz: »Steuern müssen so sein, dass der, der arbeitet, besser gestellt sein muss, als der, der nicht arbeitet.« Oder zur Bürokratie: »Übersetzt heißt das für mich Geldvernichtung.« Oder wenn wir 21 Sozialversicherungen haben, seien das 20 zuviel: »Dabei müssen die Einsparungen aber dem Volk zugute kommen und nicht der Politik oder dem System.« Der Weg der Bundesregierung findet zum großen Teil seine Zustimmung. »Aber Erträge aus Kapital müßten höher besteuert sein, als Erträge aus Arbeit.« Steuern sieht er ausdrücklich als wichtig und nützlich an. Auch mit EU-Kritik hält er sich nicht zurück, wenn er etwa meint, dass sich die EU besser um die fehlenden Steuereinnahmen von international agierenden Konzernen wie Amazon kümmern sollte, als um Pommes frites und Kastanien.

Und die Frage nach dem Geld? Zuerst hat er es vor allem in Grund und Boden angelegt, in Liegenschaften auf denen gebaut werden kann. Was er heute ja auch macht. »Aber als 2009 die Wirtschaftskrise gekommen ist, habe ich wieder zum Nachdenken angefangen. Was ist das alles wert? Also habe ich auch eine große Landwirtschaft in der Weststeiermark gekauft, um etwas anbauen zu können. Was aber passiert bei einem atomaren Zwischanfall? Also habe ich zwei Häuser mit Appartements auf Teneriffa zum Vermieten gebaut, weil dorthin könnte man auch fliehen.« Denn auch wenn sich Werner Gröbl gern als Autorennfahrer betätigt, ist er nach eigenen Worten doch ein Sicherheitsfanatiker.

Das rund 80.000 Quadratmeter große Grundstück beim Center West in Graz, das ihm und Lutz gehört, harrt schon einige Jahre seiner Bebauung, nun sollen es doch Wohnungen werden. Wie schon geschehen in seinem »Dorf in der Stadt«, im Wohnpark Gösting, wo er nicht nur sein Büro hat, sondern mit seiner Familie auch wohnt. In 276 Wohnungen, die zwischen 22 und 180 Quadratmeter groß sind, leben seit vorigem Jahr zwischen 700 und 800 Menschen ihre Wohnträume. Damit haben er und seine Frau Karin Gutschi-Gröbl ihre Mission umgesetzt, etwas zu schaffen, wovon auch andere etwas haben sollen. Ganz im Sinne der hausgemachten »111-Philosophie«: Wir nehmen unser Leben in die Hand und sind dabei ein guter Mensch.

*

Werner Gröbl, geboren am 20. Mai 1963 in Köflach, übernahm mit 21 Jahren die Führung des elterlichen Betriebs und baute Gröbl-Möbel zur Nummer Eins in der Steiermark auf. Nach dem Verkauf lebt der Investor mit seiner zweiten Frau (und insgesamt vier Kindern) seine »111-Philosophie«: eigenverantwortlich und als guter Mensch. groebl.com

Fazitbegegnung, Fazit 150 (März 2019) – Foto: Heimo Binder

 
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