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Koch, Künstler, Mahner

| 31. März 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 151, Fazitgespräch

Foto: Marija KanizajDer Schauspieler August Schmölzer über Beruf und Berufung, Gott und Götter, Nazis und Musik sowie Migranten und kommende Schießbefehle.

Das Gespräch führten Volker Schögler und Peter K. Wagner.
Fotos von Marija Kanizaj.

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Als wir uns im Café Promenade auf der Terrasse treffen, glotzt niemand. Dabei hat der frisch verheiratete Sechzigjährige aus Sankt Stefan ob Stainz in mehr als einhundert Filmen und Serien mitgespielt.

Der charismatische Weinliebhaber, der selbst 1.500 Flaschen Sauvignon Blanc pro Jahr produziert, schätzt seine relative Anonymität, spricht im Interview mit der Direktheit und inneren Freiheit des Unabhängigen darüber, warum er nicht nur glücklich, sondern auch reich ist und wie eigenwillig er es mit der Religion hält.

Der für sein humanitäres Engagement bekannte Schauspieler und Autor findet aber auch harte und mahnende Worte für falsche Heilige und vermeintlich allmächtige Politiker. August Schmölzer ist einer, mit dem man im wahren Sinn des Wortes über Gott und die Welt sprechen kann.

***

Sie haben einmal gesagt, dass Sie aus einem eher rauen Umfeld kommen – wie kommt man da zur Schauspielerei?
Meine Eltern sind Bauern gewesen, Vater Maurer, Mutter Hausfrau, fleißige Leute, ich habe schon sehr früh Oberkrainermusik gemacht, bin aber irgendwann an einen Punkt gekommen, an dem ich gespürt habe: Ich komme nicht mehr weiter und das kann ja nicht alles gewesen sein. Und durch einen eigenartigen Zufall hat mir jemand empfohlen, auf die Kunstuni zu gehen.

War das nicht der Komponist und Wagner-Spezialist, der bei Ihnen in der Gegend von Stefan ob Stainz ein Kellerstöckl hatte?
Ja genau, Maximilian Kojetinsky, ein Schüler des steirischen Komponisten Joseph Marx. So habe ich mich beworben und bin aufgenommen worden, vor mehr als 30 Jahren, ohne dass ich je ein Buch gelesen hatte oder im Theater gewesen wäre, das hat mich vorher nicht interessiert. Ich habe ja nach der Hauptschule bei den »Fünf Lärchen« am Grazer Griesplatz Koch gelernt, habe die Lehre aber nach dem Gesellenbrief aufgegeben, weil ich gespürt habe, das ist mir zu eng, das kann’s nicht sein. Für Freunde und meine Frau koche ich aber gern.

Sie sind Freiberufler, was geschieht, wenn kein Auftrag hereinkommt?
Wenn das Telefon nicht klingelt, bin ich arbeitslos. Dann hätte ich das Recht, zum Arbeitsamt zu gehen, denn ich zahle Arbeitslosenversicherung. Ich habe aber das große Glück, dass ich das nicht brauche, und ich freue mich, meine Pflicht auch bei der Steuer zu erfüllen.

In einem Wirtschaftsmagazin war vor einigen Jahren nachzulesen, dass es bekannte österreichische Kabarettisten zu beträchtlichem Wohlstand gebracht hätten. Ist Ihnen das als Schauspieler auch gelungen, sind Sie reich?
Was ist reich? Schauen Sie, ich kann Sie heute zum Essen einladen, ich kann mir ein Gewand kaufen, wenn es mir gefällt, muss keine Kälte leiden, kann den Wein trinken, den ich will. Ich bin gesund, ich habe einen wunderbaren Menschen an meiner Seite und ein paar ganz wenige tolle Freunde und ich darf meine Berufungen ausüben. Mein eigener Roman wird im Herbst verfilmt: Der Totengräber im Buchsbaum. Wenn man solche Möglichkeiten hat, dann würde ich mich als reich bezeichnen.

Auch im Sinne von glücklich?
Ja, ich bin glücklich privat mit allen Dingen, die da auf mich zukommen, vor allem mit unserer Stiftung, dem Stieglerhaus – das ist ein Riesending und das darf ich künstlerisch aus der Taufe heben und weiterentwickeln, ein großes Geschenk. 600 Quadratmeter Innenfläche, 3.000 Quadratmeter Garten, vom Feinsten, wo man viel machen kann.

Foto: Marija Kanizaj

Wie kam das zustande?
Das hat eine Mäzenatin, eine Österreicherin, die in der Schweiz lebt, gestiftet. Eine langjährige Freundin von mir, deshalb sind wir auch unabhängig.

Der Gustl spielt immer einen Ungustl, ist zumindest der Eindruck von vielen. Und er ist ein Antistar, zugleich aber 2013 zum Österreicher des Jahres ausgerufen und kürzlich für sein Lebenswerk geehrt worden und er hat den Professorentitel verliehen bekommen. Wie sehen Sie sich selbst?
Wie man mich und meine Arbeit beschreibt, ist die Sache dessen, der das sieht und beschreiben will, und es unterliegt dem Intellekt dessen, der das macht. Für mich hat sich das einfach so ergeben, diese spannenden, weil breit aufgestellten Rollen, diese bösen Rollen, wo man nicht weiß, wie dieser Mensch einzuordnen ist. Ich habe etwa im Dreiteiler »Afrika, mon amour« mit Iris Berben diesen Sympathieträger gespielt. Die Frage war, wer ist der Mörder? Und im letzten Teil hat sich das Ganze gedreht: In einem ganz spannenden Bogen hat sich herausgestellt, der ist es, der bisherige Sympathieträger. Solche Menschen zu spielen, ist etwas Tolles, weil eine große Tiefe da ist, eine große Sehnsucht und eine unheimliche Breite. Jeder will geliebt werden – wir sehen das bei Richard III., eine der größten zerrissenen Figuren der Weltliteratur, der nichts anderes will als geliebt zu werden. Er veranstaltet Unvorstellbares, um König zu werden, und in der Nacht vor der Schlacht träumt er. Und alle, die er umgebracht hat, begegnen ihm und dann scheißt er sich an. Ist das nicht toll? Solche Figuren zu spielen, zu suchen, herauszufinden, zu fragen, was ist das, wie kommt es dazu, wenn der vermeintlich allmächtige Politiker zum Despoten und heilige Männer zu kleinen Kinder-
fickern verkommen. Was macht uns zu Lügnern? Was macht uns zum Verbrecher? Egal, ob man einen kleinen Bürgermeister mit Allmachtsfantasie oder eine große Figur der Weltliteratur spielt, da gibt es keinen Unterschied. Wenn das einer als Ungustl bezeichnet, dann ist es mir sehr recht.

Man kennt Sie aus sehr vielen Filmen, wie viele waren es insgesamt?
Ein bisschen über hundert, inklusive 16 Kinofilmen und Serien wie »Julia – Eine ungewöhnliche Frau« mit Christiane Hörbiger, das sind allein schon 16 Folgen.

Gibt es dabei persönliche Highlights oder Vorlieben?
Nicht wirklich. Ich bin etwa auf »Schindlers Liste« angesprochen worden, wie toll das gewesen sein muss. Ja, es war toll, mit Steven Spielberg zu arbeiten, aber man darf nicht vergessen: Ich habe vielleicht zwölf Sätze gehabt – nicht mehr. Ich habe keinen Lieblingsfilm, weil ich sie alle gern habe. Aber zur Frage an sich – wir sollten ein bisschen aufpassen, ob wir immer werten müssen. Wir leben in einer Welt, in der es uns wahnsinnig gut geht. Wenn Sie hier bei uns als Schauspieler arbeitslos sind, dann ist das sehr schwierig, weil Sie natürlich spielen wollen, aber verhungern muss man nicht und verdursten auch nicht. In Amerika etwa sieht das schon anders aus, da kann man nirgends um Unterstützung ansuchen. Arbeit ist Arbeit und dass jeder lieber den Hamlet spielen will als in einer Daily Soap, ist klar.

Sie sind aus der Kirche ausgetreten, sagen aber, dass die Botschaft Gottes eine ganz besondere Wirkung auf Sie habe. Was meinen Sie: Hat Gott den Menschen erschaffen oder hat umgekehrt der Mensch Gott erschaffen?
Natürlich Zweiteres, der Mensch kommt ohne so etwas nicht aus. [Lacht] Abseits der älplerischen Denkweise muss man zunächst einmal fragen: Welcher Gott? Der christliche Gott wird nicht der einzige sein, das hat mir vor kurzem in Indien so gefallen – da gibt es für alles einen Gott und in den Tempeln herrscht solche Freude und Lebenslust, ich finde das genial. Ich stelle mir vor, ein Urmensch erlebt, wie ein Blitz in einen Baum einschlägt. Angst steigt auf und Adrenalin wird frei: Was ist das, vielleicht ein Feind? Besser, sich gut mit ihm stellen und zwei Bananen hinlegen, man weiß ja nicht – ja, so erschaffen die Menschen die Vorstellung von etwas Übergeordnetem, einer höheren Kraft, selbst.

Was aber nicht ausschließt, dass es da doch etwas oder jemanden gibt?
Dazu gibt es eine schöne Geschichte, mit der ich auch Bischof Capellari unterhalten habe, und die geht so: Als Gott die Welt am letzten Schöpfungstag fertig erschaffen hat, sagt er zu seinen Leuten: Räumts z‘samm, ich geh voraus ins Gasthaus. Moment, Chef, hört er da, einen haben wir noch zum Zusammenbauen! Ja wen denn? Den Gustl Schmölzer. Und was haben wir noch dafür? Lauter Glumpert. Ok, bauts ihn z‘samm, auf den pass’ ich selber auf. – Das ist mein Verhältnis zum lieben Gott. Da kann mich niemand kritisieren, weil ich absolut unter Gottes Schutz stehe.

Obwohl Sie eigentlich nicht an ihn glauben?
Er hat mich ja zusammengebaut. [Lacht] Angeblich sogar nach seinem Ebenbild, denn etwas anderes konnte ihm ja nicht einfallen, weil den Menschen nichts anderes eingefallen ist. Mein Gott, das kann ja nur so sein. Das ist wie bei utopischer Literatur – die findet nur so weit statt, soweit wir das nachvollziehen können. Oder wenn Faust den Erdgeist ruft: »Ich bin’s, bin Faust, bin deinesgleichen.« Dann sagt der Erdgeist zu ihm: »Du gleichst dem, den du begreifst, nicht mir.« So geht’s uns mit Gott auch.

Aber was werden Egon Capellari oder der ebenfalls mit Ihnen bekannte Kardinal Schönborn dazu sagen, wenn sie in der Zeitung lesen, dass der Gustl Schmölzer gar nicht an Gott glaubt?
Das können Sie auch nicht schreiben, weil ich habe ja nicht gesagt, dass ich nicht an Gott glaube. Besser gesagt, ich weiß es nicht, ob ich glaube, ich habe die Gewissheit eines Klerikers nicht, sondern spüre es in der Natur. Es ist wohl das Pantheistische, was mich immer so fasziniert, wenn die Vögel pfeifen und die Bäumen beginnen auszutreiben, dann denke ich mir: Ist das nicht ein Wahnsinn? Das heißt: Ich glaube nicht nicht an Gott.

Eine eineindeutige Aussage.
Großartig formuliert, nicht? [Lacht] Die Kraft der Natur fasziniert mich, sie sagt »du bist groß und dick, und du bist klein und dünn und mit 30 Jahren stirbst du.« Und der andere wird, obwohl er raucht und sauft wie ein Wilder, 120 Jahre alt. Und wenn man umfällt, ist man tot und zerfällt und es ist vorbei, finito, no discussion about it. Das finde ich grandios. Ist es nicht faszinierend?

Kann man sagen, Sie haben drei Standbeine: Schauspieler, Autor und Herzensbildner?
Herzensbildner ist kein Standbein, sondern eine irrsinnige Herausforderung, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Im Rahmen von »Gustl 58« habe ich zehn Jahre mit zwei Freunden für bedürftige Menschen in unserer Region Geld gesammelt. Bis ich draufgekommen bin, Geld sammeln und verteilen ist eine Sache, aber wo ist die Veränderung im Kopf, im Herzen, wie verändern sich Menschen? Oder warten sie nur, bis die nächste Tranche kommt? Da habe ich gesagt, ich würde wahnsinnig gerne mit Freunden zusammen Bildung anbieten und Kunst und Kultur, aber nicht in der Form, dass wir den Menschen diktieren, sondern mit ihnen zusammen. »Aus der Gesellschaft für die Gesellschaft«, heißt es nun in der Stieglerhaus-Stiftung. Also den Menschen ein Angebot geben, wo man auch mitkann und sich daraus gemeinsam weiterentwickelt.

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Kameradschaftsbünde werden quasi landauf landab als Nazisammelbecken beschrieben, dafür habe ich mich in unserer Region interessiert. Bei uns im Ort gibt es etwa 231 Mitglieder, zusammen mit den Verwandten also zirka 600 Leute – das ist eine schöne Schnitte Gesellschaft. Jetzt könnte man hergehen und sagen, die schließen wir aus. Ich habe gesagt, versuchen wir doch einmal eine Zusammenarbeit. So habe ich sie eingeladen, zu einem Vortrag vom Verein Clio zu kommen, dabei ging es um das Thema Widerstand in der Region. Und sie sind gekommen. Und einer hat plötzlich den Schlüsselsatz gesagt: »Aber das haben wir ja alles überhaupt nicht gelernt.« Daraus ist eine tolle Diskussion entstanden, und heute ist eine ganz andere Offenheit da bei den Leuten und auch bei uns. Ich habe an dem Haus eine Tafel anbringen lassen mit einem Spruch von Primo Levi, der ungefähr lautet: »Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen, deshalb müssen wir besonders Acht geben. Gewidmet den Opfern des Nationalsozialismus dieser Region.« Es hat sich noch niemand darüber aufgeregt, also man kann Dinge lockern und vielleicht dann irgendwann auch lösen. Indem man die Hand ausstreckt. Davon bin ich überzeugt, weil ich das sooft erlebe.

Was sagen Sie als Verfechter der Debatte zu den Diskussionen im künstlerischen Bereich rund um Andreas Gabalier?
Wenn jemand wo nicht hingehen will, soll er nicht hingehen, das ist sein Recht, genauso umgekehrt, wenn ihm diese Musik gefällt, ist das in Ordnung. Ich habe da kein Ressentiment, obwohl es auch nicht meine Musik ist. Es ist ja nicht der Herr Gabalier schuld. Schuld ist unser Bildungssystem. Würde man die Musik eines Herrn Gabalier oder einer Frau Helene Fischer plötzlich wegnehmen, bliebe ein Vakuum, geschaffen von einer politischen Struktur, die ganz genau weiß, wie man das Volk in einer gewissen Konditionierung halten muss, damit die Leute manipulierbar bleiben – panem et circenses. Eigenes Denken, gemeinnütziges Handeln wäre so schwer möglich. Niemand lässt sich dann mehr zum Beispiel in einen Krieg schicken.

Oder zu Grenzkontrollen bei Migrantenströmen?
Mein Bruder Sepp ist beim Roten Kreuz und war dort, als damals die Migranten zur Grenze in Spielfeld gekommen sind. Er erzählt mir, dass er noch nie so viel Elend, aber auch so viel Dankbarkeit erlebt hat, aber was ihm am meisten Angst gemacht hat: junge Soldaten und junge Polizisten, die dort Dienst gemacht haben, hundertprozentig sicher nicht vorbereitet für solche Aktionen, junge Menschen, die man vorausschickt. Was ist, wenn da einer durchdreht? Ich bin sechzig und weiß nicht, ob ich das aushalte und nicht Gefahr besteht, dass ich durchdrehe, wenn ich dieses Elend sehe. Ich bin überzeugt davon, dass wieder ein Ansturm kommt. Irgendwann werden die fünf Millionen Menschen, die in Internierungslagern, von unseren Steuergeldern bezahlt, eingesperrt warten, losrennen. Warum schaut man nicht voraus? Ein Mann vom Militärgeheimdienst hat mir gesagt, dass alles schon vor Jahren bekannt und absehbar war, trotzdem hat man sich nicht vorbereitet. Man geht auch jetzt nicht her und sagt, wir wollen die Zeit nutzen und Sozialeinrichtungen schaffen. Ganz abgesehen davon, in den Ländern, aus denen die Migranten kommen, Hilfe anzubieten. Denn an den Klima-, Wirtschafts- und Kriegskatastrophen sind wir mitschuldig.

Foto: Marija Kanizaj

Gerade in Kunst- und Kulturkreisen erlebt man viele mit erhobenem Zeigefinger, die glauben, Dinge besser zu wissen, etwa, welche Musik man nicht hören soll. Woher kommt diese Überzeugung?
Da müssen Sie diese Kollegen fragen. Ich höre auf mein Herz und versuche, danach zu handeln. Bei der ersten Koalition Schwarz-Blau haben ein paar wichtige Künstler in Österreich gesagt: »Ich wandere aus«. Ich halte das in dieser politischen Situation für dumm und kindisch – ich muss hierbleiben, wenn mir dieses Land wichtig ist, und sagen, was ich will und was nicht, das ist mein Credo. Wenn jemand – egal ob Migrant oder sonst etwas – sich als Mensch benimmt und Hilfe braucht, dann will ich, dass er als Mensch behandelt wird. Wenn er kriminell wird, dann soll er auch genauso behandelt werden, wie wir behandelt werden würden.

Die Frage des Innenminister ist ja auch: Darf der dann ausgewiesen werden?
Schauen wir in die Verfassung rein, da steht ja schon alles drinnen. Warum nicht mit parteiübergreifenden Experten reden? Warum muss so eine Entscheidung etwa über den Karfreitag so schnell getroffen werden? Wozu überall diese Eile? Ohne Not! Wir sind in unserem Reichtum auch ohne Not fremdenfeindlich, wir rutschen nach rechts. Dabei hat keiner eine Ahnung, was Hunger wirklich heißt – ich auch nicht – oder Durst oder wirkliche Angst. In der Türkei sind es 2 Millionen, im Libanon mindestens 2 Millionen, im Jemen 1 Million, das sind jetzt schon ungefähr 5 Millionen Menschen, die in Internierungslagern sitzen. Irgendwann kann es sein, dass zum Beispiel Erdogan bei den Wahlen eine auf die Mütze kriegt, dann werden wir einen gewaltigen Ansturm erleben. Und der Herr Kickl hat mit seinem rechten Sicherheitsdenken instinktiv das Richtige gemacht. Er hat einen Spezialtrupp aufgestellt, der schon auf Überfall spezialisiert ist. Irgendwann werden wir also schießen müssen und dann haben wir uns nach dem Holocaust etwas aufgeladen, das wir unseren Urenkeln erklären werden müssen.

Wie wäre Ihre Vorstellung?
Ich hätte in Spielfeld umgebaut, Küchen, große Krankenlager, Schlafsäle, Kinderhorte, wo du Menschen helfen kannst, hätte aber gleichzeitig eine Spezialforce ausgebildet. Junge sprachbegabte Leute, versehen mit einem guten Gehalt, einer psychologischen Ausbildung und motiviert: Habt ihr Lust, lernt diese oder jene Sprache. Das brauchen wir – Kommunikation und Verständnis. Wenn ich wem auf die Nase hau’, weiß ich, wie weh das tut. Je besser ich Auswirkungen kenne, desto eher habe ich im Gehirn einen Schalter, der sagt: »Stopp«. Dazu braucht man nicht intellektuell sein. Das verstehe ich unter Achtsamkeit, Gemeinnutz und ermessen können.

Herr Schmölzer, vielen Dank für das Gespräch!

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August Schmölzer wurde am 27. Juni 1958 in Sankt Stefan ob Stainz als eines von fünf Kindern auf einem Bauernhof geboren. Er absolvierte eine Lehre als Koch, war Hausmeister in einer Schuhfabrik und Hilfsarbeiter in einer Gartenhandlung, bevor er die Schauspielschule in Graz besuchte. Seinen Theaterengagements folgten bislang mehr als 100 Filmrollen, etwa in »Schindlers Liste«, »Die Windsbraut«, »Der Untergang«, »Jennerwein«, Tatort-Folgen, »Landkrimi« (Steirerblut), zahlreiche Serien. Er ist auch Winzer und Autor und bekannt für sein humanitäres Engagement (früher »Gustl 58«, jetzt »Stieglerhaus«). Schmölzer ist verheiratet.

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Fazitgespräch, Fazit 151 (April 2019), Fotos: Marija Kanizaj

 
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