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Sind die Schulen mit dem Leseunterricht überfordert?

| 4. April 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Aktuell, Fazit will es wissen

Foto: SPÖ-FrauenIn unserer neuen Onlinerubrik »Fazit will es wissen« führen wir mit interessanten Persönlichkeiten des Landes kurze Gespräche zu aktuellen Themen. Für die zweite Ausgabe dieses Formats haben wir die steirische Bildungslandesrätin Ursula Lackner mit Fragen zu ihrer Leseinitiative konfrontiert.

Frau Landesrätin, Sie engagieren sich derzeit intensiv in einer Leseinitiative. Warum ist das Thema wichtig?
Wer nicht richtig lesen kann, kann auch nicht richtig schreiben und rechnen. Schwierigkeiten im Alltag, in der Berufswelt und bei der Weiterbildung sind die Folge. Lesen können braucht Übung. Daher habe ich die Initiative »Bücherheldinnen. Bücherhelden. Lesen mehr als Worte« gestartet, die zum Vorlesen und Lesen motiviert. Von 23. April bis 15. Mai finden in Dutzenden Bibliotheken landesweit die »Lies-was-Wochen« statt. Den Höhepunkt gibt es am 25. Mai mit dem 3. Steirischen Vorlesetag, der das ganze Land zur Vorlesebühne macht.

Wie schlimm ist es tatsächlich um die Lesekompetenz bestellt? Versagen die Volksschulen?
Um die Lesefähigkeiten zu verbessern, ist nicht bloß die Schule gefordert. Kinder müssen das Lesen auch zu Hause erleben. Wenn sie von klein auf vorgelesen bekommen, wenn sie sehen, dass ihre Eltern Bücher lesen, dann werden sie auch selbst ein Interesse an Büchern entwickeln. Also muss Lesen und Vorlesen zum Alltag jedes Kindes, jedes Jugendlichen – und damit jeder Familie gehören. Denn Lesen hat ganz viel mit Beziehung zu tun. Gemeinsames Vorlesen ist eine hervorragende Gelegenheit, Zeit mit seinem Kind zu verbringen. Es schafft nicht nur Vertrauen zwischen Kindern und Eltern, sondern fördert ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit.

Foto: SudyLandesrätin Ursula Lackner will, dass Lesen und Vorlesen ganz natürlich zum Alltag jedes Kindes und damit jeder Familie gehört, um die Lesekompetenzen von klein auf zu fördern.

Wie schaut es in diesem Zusammenhang mit der Finanzierung der öffentlichen Büchereien aus?
Seit ich 2015 das Ressort übernommen habe, habe ich die für Bibliotheken zur Verfügung stehenden Förderungen mehr als verdreifacht. Mir geht es darum, die rund 180 öffentlichen Bibliotheken zu stärken. Sie sollen nicht nur Entlehnstellen für Bücher und Medien sein, sondern zu Kommunikationszentren in den Gemeinden werden. Die Landesförderungen unterstützen die Gemeinden und Pfarren als Trägerinnen der Öffentlichen Bibliotheken dabei, das Angebot noch qualitätsvoller zu gestalten als bisher. Zusätzlich zur allgemeinen Förderung, die sich an der Größe der Bibliothek bemisst, gibt es ab 1. Jänner 2019 auch noch besondere Förderungen, die die Bibliotheken bei ihrer Weiterentwicklung unter die Arme greifen.

Gibt es abgesehen von der finanziellen Förderung noch weitere Unterstützungen?
Sehr viele meiner Initiativen, etwa im Familienressort, verknüpfe ich mit den Bibliotheken. Die »Lies-was-Wochen« und der »Steirische Vorlesetag« sind zwei Beispiele. Daneben gibt es die Initiative »Buchstart Steiermark: Mit Büchern wachsen«. Dabei erhalten junge Eltern in Kooperation mit der Gemeinde ein Startpaket, das nicht nur ein erstes Buch für das Kind enthält, sondern auch Informationsmaterial über die Bedeutung des Vorlesens und die Angebote der örtlichen Bibliotheken und Gemeinden.

Wie entwickelt sich der Ausbau der Kinderbetreuung?
Seit meinem Amtsantritt ist die Zahl der Krippen- und Kindergartenplätze um mehr als 3.200 gewachsen. Rund 50 Millionen Euro wurden investiert – und damit Hunderte zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert. Im selben Zeitraum ist auch die Zahl der Ganztagsschüler an steirischen Volks- und Neuen Mittelschulen um rund 36 Prozent auf mehr als 15.100 im kommenden Schuljahr gewachsen. Diesen Weg möchte ich weiter gehen.

Frau Lackner, vielen Dank für das Gespräch!

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Fazit will es wissen #2, Fotos: SPÖ-Frauen, Sudy

 
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