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Der Weltbeste

| 19. August 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 155, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Rudolf Lantschbauer ist wahrscheinlich schon mit langen Haaren auf die Welt gekommen. Niemand kennt ihn anders. Sogar als erster Zivildiener der Nation verstand er es, bei seinem Dienstantritt am 1. April 1975 die Haare unter dem Rot-Kreuz-Kapperl zu verstecken, ein Trick, den er bis heute beibehalten hat.

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Als selbstbestimmter Querdenker ist er nirgends wirklich festzumachen, ein weitgereister Kosmopolit, in dessen Garten mitten in Graz buchstäblich der Pfeffer wächst. Er ist zugleich einer von jenen, vor denen uns unserer Eltern gewarnt haben könnten, aber auch einer, mit dem man in der Buschenschank ein gemütliches Achterl trinken kann. Das hat er schon vor Jahrzehnten gemacht, als viele noch glaubten, Wein gibt es nur aus der Doppelliterflasche.

Da kennt er sich mittlerweile so gut aus, dass er Bücher drüber schreiben kann. Und das tut er auch. Auf 57 Stück hat er es bereits gebracht, die meisten im eigenen Vinothek-Verlag. Ein paar Kochbücher sind auch dabei, aber das passt ja gut zusammen. So wie er wohl zu Recht behaupten kann, Geburtshelfer des Zivildiensts gewesen zu sein, so groß – und lange Zeit unbedankt – sind auch seine Verdienste um den Wandel der hiesigen Weinkultur. Sein erstes Buch (»Das Buch vom steirischen Wein«) datiert 34 Jahre zurück und wurde just an jenem 23. April 1985 präsentiert, an dem der Glykolskandal publik wurde. Der Rest ist Geschichte und an dieser hat Rudolf Lantschbauer nicht nur als Chronist mitgeschrieben. Als ehemaliger Berufsgruppenobmann in der Fachgruppe Werbung der damaligen Handeskammer und Seminarentwickler für die Werbeagenturprüfung konnte er sein Wissen als Werbegestalter und seine bereits vorhandenen Kontakte zu Weinbauern überzeugend einbringen. Der darauf folgende Imagewandel und die Erfolgsgeschichte der Weinwirtschaft ist auch professionellen Stellschraubendrehern wie ihm zu verdanken. Selbst das scheint angesichts der Übersetzungen in sieben Sprachen, weltweiten Erfolge und höchsten Auszeichnungen von mehr als einem Dutzend seiner Bücher noch untertrieben. Mehrere Male heimste er mit seinen Büchern bereits den Titel für das beste Essen- und Weinbuch der Welt und die Auszeichnung »Weltbester Weinbuchverleger« ein. Lantschbauer bedient nicht zuletzt unter Mithilfe seiner langjährigen Lebenspartnerin Yula Cai sogar den chinesischen Markt. Letzteren seit 12 Jahren zum Teil gemeinsam mit Gernot Langes-Swarovski, dem vormaligen Seniorchef der Tiroler Swarovski-Dynastie. Der verfügt (nicht nur) in China über ein 200 Hektar großes Weingut. Lantschbauer selbst bewirtschaftet im burgenländischen Rust seit 26 Jahren 1,5 Hektar – rot natürlich – und keltert den Wein im Keller seines Hauses in Graz.

Seinen letzten Coup landete er mit einem außergewöhnlichen Projekt. Beim internationalen Kochbuchfestical »Gourmand International« in Macao wurde im Juli »Abenteuer Alter« gemeinsam mit »Elderly Care Austria« als weltbestes Seniorenprojekt ausgezeichnet. Das multimediale Seniorenkochbuch hat Rudolf Lantschbauer gemeinsam mit Josef Rauch, Herbert Maria Schurz und Annemarie Ploier kreiert. Die Idee dahinter: Die Plattform übersetzt heimische Traditionsrezepte, damit ausländische Pflegekräfte sie leichter nachkochen können. Die Rezepte werden ins Slowakische, Kroatische, Rumänische, Bulgarische und Ungarische übersetzt.

Lantschbauer: »Ich habe in den letzten zehn Jahren meine Mutter gepflegt und dadurch auch die Problematik kennengelernt, wie das mit älteren Menschen und der Küche so ist: Wenn du nicht mehr selbstbestimmt, sondern auf die Hilfe anderer angewiesen bist, dann kann es eben ohne weiteres sein, dass du nicht mehr das zu essen bekommst, was dir Freude macht.« Dementsprechend lautet das Motto »Was wir immer gern gekocht und gegessen haben«. Und damit es den pflegebedürftigen Menschen tatsächlich gut schmeckt, werden die Rezepte im Vorfeld auch getestet.

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Rudolf Lantschbauer wurde am 4. Februar 1954 in Graz geboren. Der Wein- und Foodjournalist, Fotograf, Foodstylist, Verleger, Herausgeber und Werbefachmann war der erste Zivildiener Österreichs. Er lebt und arbeitet zusammen mit seiner Partnerin Yula Cai und ihrer Tochter. Gemeinsam produzieren sie Wein aus Eigenanbau.

Fazitbegegnung, Fazit 155 (August 2019) – Foto: Heimo Binder

 
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