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Hoffnung und Gelegenheit

| 30. Oktober 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 157, Kunst und Kultur

Foto: Archiv

Der Balkan lächelt wieder im Café Kaiserfeld. Der Kosovo-Albaner Resul Jusufi zeigt seine vorwiegend in Graz entstandenen Acrylbilder und sie sorgen für jene heitere Atmosphäre, die der vielseitige Künstler auch als Mensch wie kaum ein anderer verkörpert.

Abstrakte Flächen, mit expressionistischer Geste aufgetragen, vielschichtig, belebt von Übermalungen, bis die Bilder homogen erscheinen. Zum Teil versehen mit »Markern«, die Figurales hinzufügen und in einer letzten Schicht Ziffern und Zeichen setzen, die dem Betrachter vor Augen führen mögen, wie sehr unsere Welt von Kalkulation geprägt sei. Vorausbestimmt, festgelegt, begrenzt sei alles in der Welt, sagt Jusufi, insbesondere die Freiheit, jenes wundersame Tier, das hinter Gitterstäben eingeht, wie Georg Danzer singt. Vielleicht vermögen diese Zeichen dem Betrachter auch Halt zu geben in dieser von vielen als immer verworrener wahrgenommenen Welt, in der es von abstrakten Begriffen wie Balkanroute oder Brexit wimmelt. Die Welt, ein Wimmelbild, widergespiegelt in blauen, roten und gelben Tafelbildern als Orientierungslabyrinthe. Widerspruch? Zwecklos. Zum Glück haben Jusufis Bilder keine Titel, so macht jeder Betrachter das daraus, was er selbst darin sieht. »Love« und »Hope« sind immerhin Marker mit eindeutigen Aussagen. Dass die Ausstellung »Hoffnung und Gelegenheit« heißt, entbehrt nicht eines gewissen Augenzwinkerns. Einerseits wird auf besagte Marker Bezug genommen, andererseits könnte es auch bedeuten, dass der Entschluss zum Erwerb eines Jusufi-Bildes – noch – eine Gelegenheit darstellt, zugleich aber die Hoffnung besteht, dass es sich zu einer Wertanlage entwickelt.

Derartiges könnte auch Günter Riegler durch den Kopf gegangen sein, der ja als erster Stadtrat in der Geschichte von Graz die Kombination Kultur und Finanzen in einer Person vereint, als er in seiner Ansprache gleichsam fächerübergreifend monierte, dass keine Preisliste für die Bilder aufliege. Dem wurde mittlerweile abgeholfen: Ab 1.500 Euro ist man dabei. Die Ausstellung ist noch bis 3. November geöffnet.

Alles Kultur, Fazit 157 (November 2019), Foto: Archiv

 
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