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»Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!«

| 6. Dezember 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 158, Kunst und Kultur

Foto: Archiv

So dichtete einst Friedrich Nietzsche. Heimat ist halt auch irgendwie dort, wo das Herz ist. Im gepflegten Kulturcafé zum Beispiel. Wir treffen die beiden Betreiber des Café Wolf, Thomas Maitz und Michael Stoiser, in ihrem Café in der Grazer Annenstraße, das sich innerhalb von drei Jahren zum Treffpunkt der Kulturszene und der Bohemians mit Anspruch gepusht hat. Ein Beispiel von Kulturbetrieb ohne Fördermittel, ohne Businessplan, aber mit Herz (siehe oben) und Authentizität.

::: Hier können Sie den Text online lesen.

Was sind denn eigentlich Bohemians? Also französisch artikuliert. So frage ich eingangs, bedächtig geben die beiden Mittvierziger Antwort.
Das sind Menschen, die in ein Umfeld hineingeboren wurden, in dem sie den Freiraum haben, sich mit anderen als existenziellen Dingen beschäftigen zu können. Manchmal nutzlos, manchmal sinnlos, manchmal auch interessante Sachen, mal recht wertfrei definiert …

Ist euer Unternehmen ein Startup?
Wir verbinden mit dem Begriff »Start-up« eine Möglichkeit, neue Geschäftsideen auszuprobieren, die in wirtschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen sicher ihre Berechtigung haben. Mit dem Café Wolf hingegen haben wir einen wunderbaren, geschichtsträchtigen Bestand vorgefunden, der von sich aus Leute begeistern kann und Sehnsüchte erweckt. Der Start fand hier bereits vor ca. 80 Jahren statt – durch subtile Neuprogrammierung fügen wir dem Betrieb nun ein weiteres Kapitel hinzu.

Verdient Ihr Geld damit?
Als Unternehmer haben wir natürlich das Ziel, den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Der große Vorteil unserer Konstellation ist es, dass die Geschäftsführung des Cafés nicht unser Hauptberuf ist – vielmehr ein intensives Hobby. Dadurch können wir vieles entspannter angehen und uns bei der Umsetzung von Ideen und Investitionen genügend Zeit lassen. Die Beanspruchung von Krediten, Fremdfinanzierungen und Förderungen haben wir von Anfang an abgelehnt – unser Ehrgeiz ist es, alle Kosten aus dem laufenden Betrieb decken zu können. Durch das Investieren in das Lokal und seine Bespielung hoffen wir, neben einem materiellen Mehrwert vor allem auch einen ideellen Mehrwert generieren zu können. Es gilt, eine Marke aufzubauen, die für spezielle Atmosphäre und Qualität steht.

Was wird die Zukunft bringen?
Das Café Wolf ist ein Ort, wo sich unterschiedlichste Menschen – unabhängig von ihrem Alter, ihrem Status und allgemeinen Sichtweisen – austauschen. Die Heterogenität des Publikums bringt eine Fülle von Berührungspunkten – kein Abend gleicht dem anderen. All das macht unsere »Zeitkapsel« aus, die wir, so gut es geht, erhalten wollen.

Ist das eine Spaßgeschichte, seid Ihr etwa Bürgerkinder, denen fad ist?
Eine Spaßgeschichte ist es im Sinne, dass es uns Spaß macht, etwas zu machen. Die Motivation ist eine andere. Wir sehen uns nicht nur als Motor für die Annenstraße, sondern auch als Vorreiter für die Art von Kulturbetrieb, die wir machen. Die Musik ist uns ein Herzensanliegen, hier vor allem in Zusammenarbeit mit Rainer Binder-Krieglstein als Mitdenker.

Wieso macht Ihr das ausgerechnet hier, habt Ihr keine Hobbies?
Thomas war hier immer Schulschwänzen; später hat er den alten Wolf immer wieder besucht – so ist die Idee entstanden, das Lokal vor seinem Ende zu bewahren und diesen besonderen Versuch zu wagen. Hier haben wir einen dritten Ort, ein Ort, wohin man kommt und man emotionale Aufladung erfährt. Ein »home away from home«. Im Prinzip das, was sich die meisten bei der Konzeption eines Lokals wünschen. Das Betreiben des Lokals ist unser seelischer Ausgleich neben unseren Hauptberufen als Architekten bzw. Innenarchitekten.

Danke fürs Gespräch. Gut so, weiter so!

cafewolf.at

Alles Kultur, Fazit 158 (Dezember 2019), Foto: Archiv

 
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