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Künstlerischer Anspruch

| 20. Januar 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 159, Kunst und Kultur

Foto: Stadt Graz Die »Film Commission Graz« wird demnächst fünf Jahre alt. Mit ein Grund, mit der Chefin Barbara Rosanelli ein Gespräch über Kunst, Kommerz, Wirtschaft, Tourismus und das wahre Schöne zu führen.

::: Hier können Sie den Text im Printlayout lesen.

Wie würdest du Volksschulkindern deine Tätigkeit beschreiben?
Ich bin für Filme mit möglichem Grazbezug zuständig. Das sehen und erkennen sie und dafür bin ich die Ansprechperson. Zudem bin ich jemand, die hilft Filme zu ermöglichen. Ich kümmere mich um Motive, Drehgenehmigungen und sämtliche andere Fragen. Die Kinder sollten ihre Eltern ja dann auch anstoßen, nach Graz zu kommen [lacht]. Wobei wir da natürlich keine validen Zahlen über unmittelbare Auswirkungen haben, aber die Umwegrentabilität ist natürlich enorm. Ich bin eine klassische Service-, Förder- und Vermittlungsstelle. Also so ziemlich alles, was man hinter der Kamera machen kann und braucht.

Wie funktioniert diese Werbemaschine nachhaltig für unsere Landeshauptstadt, erzähl mir über Highlights!
Große Produktionen bringt man schwer nach Graz, ich habe 200.000 Euro im Jahr zu vergeben; da wird es schwierig, aber ich arbeite daran. Ich mach es an Beispielen fest: Es ist mir 2018 gelungen, eine Delegation großer Produzenten aus Indien in Graz zu Besuch zu haben. Sie waren begeistert von dieser Stadt, ich hatte zwei Stunden, ihnen die Stadt zu zeigen. Daraufhin war einige Monate später im Sommer 2019 ein Produzent mit seinem Team zur Motivbesichtigung wieder in Graz. Das wäre eine spannende Produktion gewesen, direkt aus Mumbai. Sie sind dann weitergezogen nach Salzburg, das war dann für sie das passende Motiv. Ein Highlight, bei dem wir beteiligt waren, war natürlich die Jaguarenthüllung des I-Pace vor einiger Zeit. Intensiven Support haben wir wiederum bei einer chinesischen Produktion geliefert. Es handelte sich um eine Quizsendung mit über 400 Millionen Zusehern. Die haben eine Quizfrage gedreht, die sieben Minuten dauerte. Der Quizmaster kam selbst und es ging um einen Schatz mit Verfolgungsjagd durch die Bürgergasse bis zum Schöckl. Solche Produktionen wollen keine Förderung, denen geht es klarerweise rein um Motive, Drehgenehmigungen. Netflix etwa produziert eine Serie über die Formel 1, Amazon macht eine Doku, Kika aus Hamburg hat eine Wissenschaftssendung gedreht. »Der Pass«, eine achtteilige Krimiserie für Sky, wird am 1. Dezember im ZDF ausgestrahlt, in den ersten drei Folgen kommt Graz immer wieder vor, und vieles mehr. In diesen Tagen ist Marion Mitterhammer mit einem Projekt vor Ort. Graz wird dabei stets gut abgelichtet und es gibt klarerweise eine intensive touristische und wirtschaftliche Umwegrentabilität. Die ist natürlich in Zahlen schwer messbar.

Wie wird gefördert und was sind deine persönlichen Haupt- und Leitkriterien für eine erfolgreiche Einreichung? Wie siehst du den Unterschied zwischen Kunst und Kommerz, Wirtschafts- und Tourismusfilm, um es mal plakativ zu formulieren?
Mir ist wichtig zu betonen, dass es sich vordergründig um eine Wirtschaftsförderung handelt, naturgemäß mit künstlerischem Anspruch. Im Jahr 2019 gab es 30 Einreichungen. Wir haben viele junge Filmschaffende in Graz, die tolle Kurzfilme drehen. Sie zu unterstützen, das ist mir sehr wichtig! Die Erfolge, die sie dann auch bei Festivals außerhalb von Österreich haben, sind einfach eine große Freude und Bestätigung. Ich organisiere zudem einen Branchenstammtisch, bemühe mich also auch um Vernetzungsarbeit. Natürlich wäre eine Erhöhung des Budgets mein großer Wunsch. Allerdings – und das zum Thema Schönheit: Meine Arbeit ist schön, zu helfen ist schön. Sachen aufzustellen, wo man glaubt, es gelingt nicht mehr: Ich liebe diesen Arbeitsprozess.

Alles Kultur, Fazit 159 (Jänner 2020), Foto: Stadt Graz

 
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