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Potz Blitz Zipp-Fritz!

| 20. Januar 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 159, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Zipp-Fritz ist ein genialer Name für ein Reißverschlussgeschäft. So genial, dass man ihn erfinden müsste, gäbe es ihn nicht schon. Abgesehen von dem Umstand, dass da überhaupt ein Geschäft existiert, in dem es ausschließlich Reißverschlüsse gibt, ist es natürlich noch genialer, dass Birgit Fritz auch wirklich Fritz heißt.

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Obwohl Marketing überschätzt wird. Das Geschäft hieß vorher »Johann Fritz GesmbH Nachfolger KG« und hat ebenfalls funktioniert – wenn auch zunächst mit zusätzlichen Handelsvertretungen wie etwa für Marmelade. Johann Fritz war Birgits Vater. Er arbeitete für die weltberühmte, weil tatsächlich weltweit tätige, Solo-Zündholzfabrik Deutschlandsberg bis zu ihrer Liquidation im Jahr 1973. Nur wenige wissen, dass dort noch ein Nebenprodukt hergestellt wurde: Reißverschlüsse. Johann Fritz erkannte die Marktlücke und eröffnete sein Geschäft zunächst im ehemaligen Solo-Zünder-Lager am Lendplatz, später im Murfeld und ab 1983 in der Brockmanngasse/Ecke Klosterwiesgasse. »Ich wollte schon als Kind da arbeiten,« sagt Birgit Fritz und das hat sie auch getan.

Auf den unzähligen kleinen braunen Kartons, in denen die Reißverschlüsse aufbewahrt werden, kleben heute noch die Papierschildchen, die sie als Jugendliche unter Zuhilfenahme großer alter Holzstempel mit je zwei Zahlen versehen hat: zum Beispiel 14 (für die Länge in Zentimeter) und 056 (Farbnummer für »flieder«). 1991 hat sie das Geschäft übernommen und zählt im Großhandel vor allem Händler und Schneider zu ihren Kunden. Aber nicht nur. Immer mehr Konsumenten erkennen nicht zuletzt im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte, dass sich der ökologische Fußabdruck eines Gegenstands auch verringern läßt. Egal, ob Jacke, Hose, Schuh, Bettwäsche oder Zelt – oft sind es nur wenige Handgriffe, die ein nicht mehr funktionierendes Stück wieder benutzbar machen.

Diese Handgriffe beherrscht Birgit Fritz beim Reißverschluss und bietet seit Mitte der 90er Jahre für Einzelkunden auch Reparaturen an: »Meistens liegt es am Schieber. Der kann brechen, er kann ganz fehlen oder ausgeleiert, das heißt geweitet sein. Auch wenn der Anfasser fehlt, wird am besten der ganze Schieber ausgetauscht.« Das dauert nur wenige Minuten, der Kunde kann in der Regel gleich darauf warten und es kostet gerade einmal ein paar Euro. Auch das Kürzen von Reißverschlüssen ist für Birgit »Zipp-Fritz« kein Problem. Als Laie wird man schon beim Zuschauen nervös: Es muss der obere »Endteil«, eine Art winzige Metallklammer, entfernt werden, mit einer Spezialzange werden einige Zähne »gezogen«, durch das Aufsetzen des Reißverschlusses auf einen »Aufziehbügel« wird der Schieber »entsperrt«, damit wieder eingefädelt werden kann, und ein neues Endteil muss wieder gesetzt werden. Geschick, Werkzeuge, Ersatzteile und Mut vorausgesetzt – wer hat das schon alles?

»Auch Zwei-Weg-Teilbarkeiten sind reparierbar«, ergänzt die Spezialistin noch, »dabei ersetzt ein zweiter Schieber die Teilbarkeit.« Wer jetzt noch immer ans Selbermachen denkt, wird von Birgit Fritz restlos entwaffnet: »Es gibt bestimmt hundert verschiedene Schieber.«

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Birgit Fritz wurde am 5. April 1968 geboren, wuchs in Unterpremstätten auf und besuchte nach der Hauptschule die Handelsschule, um sogleich im Geschäft des Vaters, einer ehemaligen Konsum-Filiale, ihren Wunschberuf zu ergreifen. Seit mehr als 35 Jahren verkauft sie Reißverschlüsse, die sie seit mehr als 25 Jahren auch repariert.

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Fazitbegegnung, Fazit 159 (Jänner 2020) – Foto: Heimo Binder

 
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