Anzeige
FazitOnline

Normal ist anders

| 4. August 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 165, Fazitthema

Illustration: PPA-Group/Adobe-Stock

Dank der strengen Maßnahmen hielt sich der physische Schaden durch die Pandemie in der Bevölkerung bisher in engen Grenzen. Diese definieren allerdings auch unsere Lebenswirklichkeit neu. COVID-19 hat ein tiefes Loch in die Konjunkturerwartungen gerissen. Wie genau das Virus sich auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirkt, ist noch nicht klar. Was wir bisher wissen, ist: Nichts wird mehr, wie es war.

Eine Bestandsaufnahme von Johannes Roth.

::: Hier im Printlayout online lesen

Es war am Beginn des Lockdowns, als das Zukunftsinstitut von Matthias Horx einen Text publizierte, der tröstlich gemeint war und sofort viral ging. Horx beginnt seine Ausführungen mit der Feststellung, es werde der Gesellschaft nicht mehr gelingen, in eine Normalität, wie man sie vor Corona kannte, zurückzukehren. Am Ende zitiert er den Philosophen Slavo Zizek: »Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.«

Dazwischen liegt die Beschreibung einer Utopie: höfliche, einander mit Wertschätzung begegnende Menschen, für die Distanz einen Wert darstellt. Die Möglichkeiten der digitalen Welt, diese Distanz zu schaffen, würden genutzt, um Face-to-Face-Kommunikation im Büro- und Lehralltag obsolet zu machen. Ansonsten aber würde künstliche Intelligenz in den Hintergrund treten und einer neuen Art von Human-Intelligenz den Vortritt lassen. Es würden, so Horx sinngemäß, im Bestreben, bei allem Abstand zueinander eine neue Verbundenheit zu schaffen, international die rechten Ränder der Gesellschaft zugunsten eines »Miteinander« ausfransen. Darüber hinaus beschwört Horx eine neue Intellektualität, in der weniger Platz für Verschwörungstheorien, Fake News und Triviales ist. Ein neu entstehendes »Future Mind«-Zukunftsbewusstsein löst alte Egoismen ab. Darüber hinaus zeichnet Horx aber auch ein detailliertes Bild einer wirtschaftlichen Werteverschiebung, die er in dem Satz zusammenfasst: »In der neuen Welt spielt Vermögen plötzlich nicht mehr die entscheidende Rolle. Wichtiger sind gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten.«

Dystopie als neue Realität
Heute kann man festhalten, dass gute Nachbarn und ein blühender Gemüsegarten gegenüber banalen wirtschaftlichen Zwängen sowohl für Private wie auch für Unternehmen zugunsten eines soliden Vermögensaufbaus den Kürzeren ziehen werden. Wenn Horx’ Utopie eine Berechtigung hat, dann insofern, als Vermögensaufbau für viele Betroffene auf absehbare Zeit tatsächlich keine große Rolle mehr spielen wird. Für sie geht es wirtschaftlich ums nackte Überleben. Tatsächlich sieht die »neue Normalität«, betrachtet man die Zahlen, deutlich dystopischer aus, als Horx in den Raum stellte. Offensichtlichster Indikator dafür, wie die Startvoraussetzungen für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neuanfang nach Corona sind, ist die Arbeitslosenquote: Rund 414.000 Personen waren Ende Juni in Österreich arbeitslos gemeldet, das sind um ca. 150.000 Menschen mehr als im Vorjahr. Dem gegenüber stehen um ein Viertel weniger sofort verfügbare Stellen; etwa 63.000 offene Stellen gab das AMS für den Juni dieses Jahres bekannt. Rund 53.600 Menschen sind alleine in der Steiermark arbeitslos oder in Schulungen, rund 17.700 mehr als im Vorjahr. Das Problem dieser hohen Arbeitslosenzahlen ist dabei nicht auf die Tragik jedes einzelnen Schicksals begrenzt. Vielmehr treffen sie jene Sparten zusätzlich, die durch den Shutdown ohnehin am schwersten gelitten haben, allen voran der Handel. Der steirische WK-Spartenobmann, Gerhard Wohlmuth, kann dem nicht widersprechen. »Unsere Bemühungen zielen zu einem großen Teil darauf ab, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu halten. Derzeit sind immer noch etwa 450.000 Menschen in Kurzarbeit. Wir hoffen, dass alle wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren werden können«, so Wohlmuth. Denn abgesehen vom menschlichen Faktor: Wer beschäftigungslos ist, der hat nicht genügend Einkommen zur Verfügung, um es so auszugeben, dass die Defizite im Handel aufgefangen werden können. Neben den Arbeitslosenzahlen kämpft der Handel auch an anderen Fronten: Das Geschäft nach der Krise sei »nicht so angelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben«, sagt Gerhard Wohlmuth. »Ganz stark betroffen war der Textilhandel, während der Lebensmittelhandel Zuwächse verzeichnete.« Was es für die Betroffenen bedeuten würde, sollte es eine zweite Welle geben, will er sich lieber nicht vorstellen. »Ich kann mich mit dem Ampelsystem, also dem Fokus auf regionale Schließungen, sehr gut anfreunden«, meint Wohlmuth.

Chance lokaler Onlinehandel
Es werde »einige Jahre« brauchen, bis die Situation wieder geglättet sei, befürchtet der Spartenobmann. Zumal die internationale Dimension der Pandemie vor allem dem Export sehr geschadet habe. Er, Wohlmuth, könne hier auch aus eigener Erfahrung sprechen: »Wir haben als Wein-produzierender Betrieb einen Exportanteil von 45 Prozent, exportieren in 24 Länder – aber derzeit geht praktisch nichts raus. Ist auch klar: Solange es keine Flugverbindungen gibt, gibt‘s auch keinen Städtetourismus. Und wenn der Tourismus leidet, leidet die Gastronomie. Und dann leiden auch die Zulieferer.« Schon seit Jahren setzt die Sparte Handel auf das Forcieren von E-Commerce-Lösungen und Onlinehandel. Das kommt den Mitgliedern jetzt zugute. Die Erfahrung, die man in der Unterstützung beim Aufbau von Webshops gesammelt hatte, war in der Krise ein wichtiges Service-Asset. Viele größere und kleinere Handelsbetriebe hatten frühzeitig die Chancen im Onlinehandel erkannt und zumindest rudimentäre Shoplösungen etabliert. Dazu kamen Initiativen, die bis heute wirken. Etwa die E-Commerce-Plattform der Post, shoepping.at, die vor Corona knapp vor der Einstellung stand. Oder die Initiative der WKO, wko.at/steirischeinkaufen, die den Suchenden ein recht umfassendes Portfolio heimischer Betriebe und Dienstleister präsentiert. Aber auch Medienhäuser hatten sich in der Krise dadurch hervorgetan, dass sie regionalen Produzenten Plattformen und Reichweite zum ungetrübten Shopping-Vergnügen zur Verfügung stellten. »Alles Mosaiksteinchen, die in Summe ein schönes Bild ergeben«, sagt Wohlmuth. Schließlich gehe es auch darum, Internet-Riesen wie Amazon Paroli zu bieten, um Steuern und Wertschöpfung im eigenen Land zu halten.

Technik sichert Grundversorgung
Allerdings ist wirtschaftliches Überleben nicht allein eine Frage der Vertriebs-Optionen. Vielmehr bedarf es darüber hinaus auch der technischen Ressourcen. Sie bilden die Basis dafür, dass die Kommunikation gegeben ist und somit die Gesellschaft funktionsfähig bleibt. Einer der Garanten für die Bereitstellung eben jener technischen Ressourcen ist – neben den Energieversorgern und den Mobilfunkbetreibern – die Grazer Firma Citycom, die nicht nur den eigenen Betrieb neu zu organisieren, sondern vor allem den Kundenanfragen gerecht zu werden hatte. Ersteres, so Citycom-Geschäftsführer Bernd Stockinger, sei für ein digitales Unternehmen mit den technischen Möglichkeiten der Citycom das geringere Problem gewesen. »Es hat sich gezeigt, dass wir den Erwartungen der Kunden, aber auch unseres Betriebes bestmöglich auch mit Teleworking entsprechen können«, so Stockinger. Es habe sich aber auch gezeigt, dass das Unternehmensklima durch diese Arbeitsweise zunehmend leide. Immerhin: Langweilig wurde es dem Citycom-Team im Gegensatz zu anderen Branchen nicht. Denn wer schnell möglichst viele Mitarbeiter ins Homeoffice schicken muss, steht vor der Herausforderung, die rapide steigenden Zugriffe auf das eigene Firmennetzwerk von den Homeoffices zu bewältigen. Ohne die entsprechende Bandbreite ist dieser Datenverkehr kaum abzuwickeln. Dementsprechend gefordert war die Citycom. »Bei einigen Kunden konnten wir einen Bandbreitenanstieg um rund 600 Prozent verzeichnen. Wir hatten in dieser Zeit alle Hände voll zu tun, die Bandbreitennachfragen und kurzfristigen Anpassung der Kundenanfragen und -anforderungen unkompliziert durchzuführen«, berichtet Stockinger. Bandbreite für die Kunden war die eine Sache – eine ganz andere war es, trotz Umstellung auf COVID-19-Umstände die Garantie für die Funktion lebensnotwendiger Systeme im Großraum Graz geben zu können. Immerhin versorgt die Citycom, so Stockinger, alle kritischen Telekommunikationsinfrastrukturen – für Wasser, Strom, Ampelanlagen, öffentlichen Verkehr etc. – zur Aufrechterhaltung der modernen Stadt Graz. So musste das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit die Sicherheit der Mitarbeiter, die Aufrechterhaltung der eigenen Betriebsführung sowie der Sicherheits- und Redundanzsysteme für den Wirtschaftsraum Graz, aller Businesskunden und für die Stadt Graz und alle ihre Einrichtungen managen. Die Krise selbst, sagt Stockinger, habe die Arbeits- und Wirtschaftswelt verändert; die neue Normalität gehe für ihn mit der Erkenntnis einher, dass vieles nicht selbstverständlich ist. »Angekommen ist sicher, für sich zu wissen, wo man arbeitet und was im Leben wirklich wichtig ist. Auch das Drama vieler Menschen, welche den Arbeitsplatz verloren haben oder durch Kurzarbeit ihre Raten nicht mehr zahlen können, zeigt, dass es nicht selbstverständlich ist, was man alles hat.«

Verluste 2020 nicht aufzuholen
Was aber bleibt von COVID-19 nach der ersten und vor der zweiten Welle? Die große Frage, wie sehr der Lockdown der Wirtschaft und der Gesellschaft geschadet hat, bleibt weiterhin unbeantwortet. Arbeitslosenzahlen und Exportquoten sind nur ein Teil des Bildes, zumal viele der Maßnahmen noch aufrecht sind und Teile der Wirtschaftstreibenden in ihrem unternehmerischen Tun weiterhin beschnitten. Als Beispiel dafür leidet der Tourismus nach wie vor; immer noch funktioniert der Flugverkehr nicht wie gewohnt, bereits gebuchte Reisen und Hotelaufenthalte sind unwiederbringlich verloren gegangen. Noch im Februar etwa präsentierten der Grazer Bürgermeister Nagl und der oberste Stadttouristiker Dieter Hardt-Strehmayr einen Nächtigungsrekord; 120.000 Nächtigungen mehr als im Jahr 2018 konnten für 2019 verzeichnet werden, in Summe waren es 1.250.000 Nächtigungen gewesen. Der Feierlaune folgte nur wenige Wochen später eine gewaltige Katerstimmung: Totalausfall im April (minus 96,1Prozent gegenüber dem Vorjahr), Totalausfall im Mai (minus 91,4 Prozent) und auch der Juni kann sich nicht mit dem Vorjahr messen. Jahrzehntelange Bemühungen wurden durch das Virus innerhalb weniger Wochen zunichte gemacht.

Die Maßnahmen des Bundes zur Unterstützung entfalten ihre Wirkung bei den Unternehmen nur zögerlich. Auch die ergänzenden Maßnahmen der Länder und Kommunen helfen zwar, können aber die Dramatik des Konjunktureinbruchs kaum abfangen. Volkswirtschaftlich gesehen sind sie zudem nicht nur wegen der Kosten für die Staatskasse umstritten. Mehrausgaben bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen rächen sich für Unternehmer, aber auch Staatshaushalte irgendwann. Dazu kommt, dass der Konjunktureinbruch ja nicht nur lokal, sondern weltweit spürbar ist. Und das auf lange Sicht, wie der Grazer Wirtschaftsexperte und Steuerberater Alexander Hofer analysiert: »Wir stehen am Anfang einer Weltwirtschaftskrise. Die Auswirkungen werden sich im 4. Quartal dieses bzw. im 1. Quartal des nächsten Jahres zeigen. Die Corona-Maßnahmen, insbesondere Stundungen, Kredite und Zuschüsse, sorgen aktuell für eine beruhigende Liquidität unabhängig von der Geschäftsentwicklung.« Der dadurch drohenden Gefahr könne man vor allem durch ehrliche Finanzplanung als Instrument für umsichtige Unternehmensführung entgegentreten. Die finanziellen Hilfestellungen der politischen Institutionen sieht Hofer »von dem ehrlichen Wunsch getragen, schnell, treffsicher und unbürokratisch zu helfen. Fälle, in denen es nicht nach dem Wunsch der Betroffenen läuft, sollten nicht Anlass sein, das ganze System in Frage stellen.« Als Steuerberater ist Hofer mit der Komplexität der Maßnahmen auf vielen Ebenen konfrontiert. »Solche Maßnahmen sind grundsätzlich zu begrüßen. Leider sind vermeintliche Erleichterungen und Hilfen vielfach mit komplizierten Detail- und Abgrenzungsregelungen verbunden, die eine intensive Auseinandersetzung mit den Bestimmungen erfordern. Man denke nur an die Kurzarbeitsregelungen. Man denke auch an die notwendigen Um- und Einstellungskosten. Mehr Einfachheit wäre generell wünschenswert. Spontan: Zum Beispiel ein 40-prozentiger Abschlag auf die nach den gültigen Bestimmungen ermittelte Umsatzsteuer-(Teil-)Zahllast wäre leichter umzusetzen.« Als Unternehmer hat er seine Lehren aus der Bewältigung der Krise gezogen: »Bisher Unvorstellbares müssen wir in den Katalog der Möglichkeiten mitaufnehmen.« Und vor allem auch: »Einen kühlen Kopf und Mündigkeit zu bewahren.« Das gilt auch für die Beurteilung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie: Diese seien nämlich, meint Hofer, nicht alternativlos gewesen. Er zeichnet ein recht düsteres Bild der Zukunft: »Die Maßnahmen um Covid-19 werden eine Weltwirtschaftskrise auslösen – mit Massenarbeitslosigkeit, einer Krise der Finanzmärkte, einem Einbruch der Kapitalmärkte und anderen negativen Auswirkungen. Nicht, dass es nicht ohnedies Zeit gewesen wäre, manches zu redimensionieren. Ich denke, dass Eigenverantwortung, schonender Ressourceneinsatz, Achtsamkeit, Regionalitätsbezug und -bevorzugung brauchbare Handlungsmaximen für die kommenden Zeiten sind, in denen man selbstverständlich auch Chancen finden wird.«

Verlierer Industrie, Gastronomie, Veranstalter
Das mag für viele gelten, längst aber nicht für alle. Jede Woche im Krisenmodus hat Österreich rund zwei Milliarden Euro an Wertschöpfung verloren, den stärksten Rückgang prognostiziert der Thinktank Agenda Austria dabei der Industrie. Für 40 Prozent dieses Wertschöpfungsverlustes seien die behördlichen Maßnahmen verantwortlich. Noch deutlicher wird die Verantwortung des Staates im Gastgewerbe. Der staatlich verschuldete Anteil ist hier laut Agenda Austria mit 80 Prozent am höchsten. Hilfen wie das Wirtshaus-Paket des Finanzministeriums oder der Gasthaus-Zehner der Stadt Graz wirken hier eher aktionistisch als nachhaltig. Die Gastronomie sucht, wie der Tourismus oder die Eventbranche, händeringend nach Lösungen für ihre Misere. Für Andreas Mauerhofer, Geschäftsführer der Eventagentur Company Code, waren die vergangenen Monate dementsprechend eine Hochschaubahn der Emotionen. Er sieht die Corona-Krise gleich aus mehreren Blickwinkeln: Parallel zum Eventbusiness mit Company Code ist er im internationalen B2B-Großhandel für Sportartikelmarken und als Spezialist für Bike- und Schisport im Einzelhandel tätig. Die wichtigste unternehmerische Lehre, die er aus der Krise für die neue Normalität gezogen hat, sei gewesen, »kraftvolle Entscheidungen« zu treffen. Man dürfe sich nicht erwarten, so Mauerhofer, dass andere einem helfen. »Man kann sich nur selbst helfen. Die Welt verändert sich ja auch ohne Corona ständig; jetzt hat man eben eine Menge Veränderungen auf einen Schlag auszuhalten«.

Vorsichtiger Optimismus
Er sei aus heutiger Sicht immer noch zu wenig darüber informiert, was in den kommenden Wochen und Monaten passieren wird. Das macht eine Strategiefindung nicht leichter. »Vielleicht findet das Höher-Schneller-Stärker-Denken nun ein Ende. Persönlich fokussiere ich mehr, und nutze die Zeit, um die vielen Dinge, die ich in den vergangenen Jahren begonnen habe, jetzt sauber fertig zu machen. Was immer darüber hinaus noch kommen mag, kann ich ohnehin nicht beeinflussen. Ich muss nur das Beste draus machen«. Was angesichts seiner Geschäftsfelder nicht ganz einfach ist. Immerhin hatte er mit seinem Team eine ganze Reihe von Publikumssport-Großveranstaltungen wie den Businesslauf oder den Grazathlon mit zehntausenden Teilnehmern in ganz Österreich organisiert. Die standen kurz vor der Durchführung, mussten nach Rücksprache mit den zahllosen Sponsoren, Medienpartnern und Teilnehmern alle abgesagt werden. »Wir haben seit März keine einzige Rechnung geschrieben«, so Mauerhofer. Ein Totalausfall also, den man erst einmal verkraften muss. Jetzt gilt es, sagt er, die Zeit zu nutzen, um die Agentur strategisch neu aufzustellen und das Portfolio in Richtung Kommunikationsdienstleistungen zu erweitern. »Wir bauen sukzessive die Schiene Vertriebskommunikation und -steuerung mit einem eigens dafür entwickelten System auf und aus.«

Auch Mauerhofers Sportartikelgroßhandel BMM erweist sich als schwierig. Hier gilt es, hohe Lagerstände zu managen, weil die Einzelhändler zurückhaltender in ihrer Geschäftsgebarung seien. Vorauskasse sei schwierig, Zahlungsziele müssten weit über die üblichen Fristen hinaus vereinbart werden etc. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Dennoch ist der Unternehmer vorsichtig optimistisch: »Wir merken jetzt, dass das Geschäft langsam wieder anzieht«. Und: Keine Krise ohne Chancen – das gilt auch für ihn. »Mit unserem dritten Geschäftszweig sind wir mit einem blauen Auge davongekommen: Offenbar haben die Konsumenten in der Zeit des Lockdowns weniger Geld ausgegeben und das freie Budget genutzt, um es in Elektrofahrräder zu investieren – ein Bereich, der unglaublich boomt.« Sorgen um die Zukunft macht sich der Multiunternehmer dank seiner verschiedenen Standbeine trotz schwieriger Umstände keine. Er wolle jedenfalls nicht Passagier sein, sondern proaktiv die neue Normalität nach der Krise gestalten. Die Grundlage wäre gegeben, die Bedürfnisse seiner Kunden hätten sich nicht verändert, sagt er: »Der Live-Event wird auch nach Corona noch gefragt sein, unsere Kommunikationskunden werden auch weiterhin Geld verdienen wollen.« Die großen Marken, die Mauerhofer mit seinem Großhandel vertritt, schaffen ihre Nachfrage durch gezielte Markenkommunikation selbst und das Bedürfnis nach hochklassigen Sportgeräten im Einzelhandel werde ebenso weiterhin gegeben sein. Für Andreas Mauerhofer gilt wie für alle Teilnehmer am Wirtschaftsleben auch nach Corona das, was schon vor Corona eine der unverbrüchlichen Tatsachen der Betriebswirtschaftslehre gewesen war: »Die Besten bleiben übrig.«

Fazitthema Fazit 165 (August 2020), Illustration: PPA-Group/Adobe-Stock

 
Anzeige

Wellbeback

 

Kommentare

Antworten