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Wie sich Länder in der Welt nützlich machen

| 4. August 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 165, Lesenswert

Der Autor und Berater Simon Anholt als auch sein ehemaliger Kunde, die Republik Österreich, haben »Nation Branding« wieder schubladisiert. Mit seinem neuen Buch legt Anholt nun eine Art Beraterbiographie vor. Und ein Manifest für eine positive Entwicklung der Welt. Text von Thomas Goiser.

::: Hier können Sie den Text im Printlayout lesen.

Simon Anholt hat seit Ende der Neunzehnneunzigerjahre eine Reihe von Regierungen beraten – er spricht von 50 Ländern bzw. Regionen. In seinem im August erscheinenden neuen Buch »The Good Country Equation« spart er nicht mit Kritik an früheren Auftraggebern von besonders entwickelten Ländern und ihrer Immunität gegen Veränderung von innen. Auch wenn er immer wieder auf »Nation Brand(ing)« reduziert wird, ist klassisches Marketing nicht sein Ding. Er mahnt zu Realismus, dass sich das Image eines Landes nicht kurzfristig durch Werbekampagnen etc. ändern lässt, und warnt dabei vor Geldverschwendung. Vielmehr geht es Anholt darum, welchen Beitrag in der Welt – welche spezifischen Themen, Vorgänge, Praktiken – kann ein Land in das Weltgeschehen positiv einbringen? Solche Beiträge machen für ihn ein »Good Country« aus, und daraus lassen sich langfristige Veränderungen des Images erzielen.

Bildung als Schlüssel für globales Problemverständnis
Aktuell steht die Welt vor globalen Herausforderungen, die auf menschliches (Fehl-)Handeln zurückgehen und die innerhalb mehrerer Generationen geändert werden müssen. Daher plädiert er für die global abgestimmte Änderung des Bildungswesens hin zu Toleranz und dem höherem Bewusstsein für globale Probleme. Bestandteile des neuen Lehrplans sollten auch unternehmerisches Denken und Verhaltensökonomie sein. Das geht über Legislaturperioden und ideologische Grenzen hinaus, Anholt erwartet bei Realisierung seines Vorschlags rasche Veränderungen in weniger als einer Generation.

Historischer Reality Check zu Österreich
Österreich nimmt im Mittelteil des Buches übrigens einen recht prominenten Platz ein. Wie man sich auch durch einen kurzen Abstecher ins Internet in Erinnerung rufen kann, wagte sich im Jahr 2012 die damalige Bundesregierung an ein »Competitive Identity Project«. Für unser Land diagnostizierte Anholt wenig überraschend einerseits einen hohen Anspruch aufgrund der ruhmvollen Geschichte, andererseits ein nicht so weit hergeholtes »phantom empire syndrome«. Positiv notiert er die Unterstützung Österreichs für seine Nachbarn, vor allem in Südosteuropa. Was unser damaliges Spitzenpersonal angeht, belässt es der Autor mit der Erwähnung des damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer und seiner Gestalt im Umfeld der imposant geschilderten imperialen Hofburg.

Mittlerweile vor allem historisch interessant ist die Beschreibung der Vorschläge, die Anholt Österreich gemacht hat: Ein Ausbau von neuartiger Entwicklungshilfe, die dann zu Hilfe in anderen Ländern durch das unterstützte Land führen sollte (ChainAid); und eine globales Versicherungssystem gegen Naturkatastrophen. In der Öffentlichkeit diskutiert wurden dagegen die Kosten des Projekts und das symbolische Thema »Brückenbauer«. Im folgenden Regierungsprogramm war Nation Branding noch erwähnt, aber bald nicht mehr budgetiert.

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The Good Country Equation
How We Can Repair the World in One Generation
Erscheint Anfang August bei Berrett-Koehler Publishers

Als Kindle ca. 13 Euro,
als Taschenbuch ca. 20 Euro.

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Rezension, Fazit 165 (August 2020)

 
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