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Reflexion am Weg zum Erfolg

| 6. Oktober 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 166, Serie »Erfolg braucht Führung«

Sich seiner selbst bewusst sein. Ein Interview von Carola Payer mit der Studentin für Wirtschaftsrecht und Nachwuchssportlerin im ÖSV Tatjana Meklau.

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Echte Persönlichkeitsstärke und innere Stabilität sind im Sport, aber auch in beruflichen und privaten Situationen eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg, Gesundheit und Zufriedenheit. Selbstreflexion als systematisches Beleuchten von aktuellen Kernthemen ist insbesondere in Zeiten, in denen Gesellschaft und Wirtschaft von plötzlichen Ereignissen wie Corona, Umwelthemen oder dem Wegbrechen oder völligen Verändern von Wirtschaftszweigen konfrontiert ist, nicht mehr wegzudenken. Selbstreflexion unterstützt Stärke, Stabilität, höhere Eigenverantwortung und hilft, eine optimistische Zukunftshaltung zu entwickeln. Das eigene Handeln und die eigenen Muster werden überdacht, Ressourcen erkannt sowie Maßnahmen für die Zukunft abgeleitet. Reflexion ist aber auch eine Kunst, die gelernt werden muss. Viele Fähigkeiten werden im Elternhaus und in Bildungseinrichtungen zwar unterrichtet, die Fähigkeit der Reflexion fehlt aber oft noch in der Elternarbeit und in der Ausbildung. Auf der einen Seite werden für Sportler und Berufstätige Mentaltraining und Coaching immer mehr zum Selbstverständnis, auf der anderen Seite gibt es immer noch Reflexionsverweigerer, die viele Methoden zur Selbsterkenntnis als »esoterischen Quatsch« abtun.

Selbstreflexion als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben
Tatjana Meklau ordnet man der Generation Z zu. Die Bezeichnung Generation Z ist ein Schlagwort für die Nachfolgegeneration der Generation Y und meint die von 1997 bis 2010 geborenen Jugendlichen. Sie gehören zu einer Generation mit hohem Wohlstandsniveau und mit der zeitlich verstärkten Wahrnehmung von Unsicherheit aufgrund der Globalisierung. »Anything goes« ist ein wichtiger Leitgedanke in ihrem Leben. Ihnen wird zugeschrieben, dass sie eine gewisse Freiheit in der Arbeitszeitgestaltung fordern, den Beruf kreativ ausleben und begeistert Leistung bringen wollen. Das Rotieren im Hamsterrad und das Hinterherhetzten nach vorgezeichneten Karrierezielen interessiert sie nicht. Auch Tatjana Meklau bestätigt: »Ich will in meinem Leben Freiheit und Leidenschaft leben und den Bezug zur Natur und meiner Heimat nicht verlieren. Aber auch der Ehrgeiz, zu gewinnen, treibt mich an. Ich stehe am Start und will einfach gewinnen.« Eine kurze Reflexion mit Tatjana anhand eines Bildes mit verschiedenen Tieren und der Frage, womit sie sich identifizieren kann, bestätigt die von ihr beschriebenen Lebensprinzipien der Freiheit und Heimatverbundenheit. Tatjana Meklau: »Der Vogel, weil da bin ich frei und in der Luft. Ich bin sehr gerne eigenständig und selbstständig. Alle anderen Tiere auf dem Bild schauen so traurig aus. Als Pflanze wäre ich ein Baum. Der ist geerdet.«

Wenn man nicht auf Möglichkeiten und Angebote reagiert, sondern eigenständig sein optimales Lebensmodell aufbauen möchte, ist Selbstreflexion noch wesentlicher. Tatjana Meklau, die als erste und einzige Frau unter den Leichtathletinnen in Österreich den 4-kg-Hammer 61,37 Meter geworfen hat, bestätigt: »Damit ich weiterkomme, zerbreche ich mir oft den Kopf, wie ich was mache. Ich verändere mein Verhalten, arbeite am Beeinflussen von Situationen, überlege, wie ich mich entwickeln kann. Ich reflektiere sehr oft, manchmal vielleicht sogar zu viel.« Lachend meint sie: »Dann wird Selbstreflexion über das Problem zum Problem.«

Methoden der Reflexion
Innere Ruhe ist eine Basis für Beweglichkeit im Außen und einen bewussten Umgang mit Situationen. Innere Ruhe ermöglicht Konzentration und gibt Energie bei schwierigen Herausforderungen. Tatjana Meklau: »Meditieren und Yoga gehören für mich zu meinen Alltagsroutinen.« Viele Reflexionsmodelle laden zu einem Perspektivenwechsel ein, um sich selbst, ein System oder eine Situation von verschiedensten Seiten zu betrachten. Oft hilft auch, andere zu bitten, einen Blick auf die eigene Herausforderung zu werfen und sich kollegial beraten zu lassen. Auch Tatjana Meklau legt zum Beispiel bei Entscheidungsfindungen viel Wert auf die Meinung ihrer Mutter. Tatjana Meklau: »Manchmal hilft bei wichtigen Entscheidungen auch eine ganz einfache Pro- und Kontraliste. Ich habe auch viele Bücher gelesen, schon als Kind, weil vieles in meiner Kindheit nicht sehr einfach war. Da war sehr ausschlaggebend, dass Reflexion Teil meines Lebens wurde. Ein mir persönlich wichtiges Utensil ist ein Buch, in das ich schreibe und mit dem ich fast täglich arbeite. Ich schreibe da Affirmationen, Erfahrungen auf, lese nach, ringle ein, wiederhole, mache mir bewusst, was ich schon erlebt habe.«

Inhalte der Selbstreflexion
Inhalte der Selbstreflexion sind meistens Leistung und Arbeit, Beziehungen und Kontakte, Körper und Gesundheit sowie Sinn und Zukunft. Tatjana Meklau beschreibt als Themen ihrer Reflexionen: »Ob ich meinen Zielen, die ich mir gesetzt habe, schon näherkommen bin, sowohl sportlich als auch persönlich. Ich setzte mir auch immer messbare Ziele, wie zum Beispiel: Saisonanschluss finden und in den ÖSV kommen – das war eines davon. Ich lote aus, wie viel ich pro Tag trainiere. Wir fahren bei den Rennen sieben Mal runter. Mental ist das eine große Herausforderung und ich lege meinen Fokus drauf, bei jeder Fahrt das Beste zu geben. Positive Affirmationen helfen mir dabei und vor jedem Start gehe ich im Inner Gaming das ganze Rennen durch. Wenn ich nachdenke, gehe ich runter in die Knie und gehe in mich. Beim Hammerwerfen habe ich immer in den Himmel geschaut, nur dann konnte ich werfen. Rituale sind enorm wichtig und bringen was für die Leistung. Bei Krisen reflektiere ich das Warum der Krise und versuche, das zu ändern. Wichtig ist vor allem, nicht nur an die Änderung zu denken, sondern die dann auch beinhart durchzuziehen und darauf zu achten, nicht wieder ins alte Muster zu verfallen. Ich versuche dann alles zu relativieren. Ich konzentriere mich auf das, was ich habe, und baue von dort weg wieder weiter darauf auf. Früher war ich zu selbstkritisch, hatte immer einen Hang zum Perfektionismus. Das hat mich sehr eingeschränkt. Ich bin da zu ehrgeizig geworden, wollte immer gewinnen oder in der Schule alles Einser schreiben. Zu großer selbstauferlegter Druck bringt dich nicht weiter.«

Wirkung von Selbstreflexion
Tatjana Meklau auf die Frage, was ihr Körper durch Selbstreflexion gewinne: »Ich habe mehr Energie, wenn ich reflektiere und Dinge ändere, weil mich diese nicht mehr belasten.« Auf die Frage, was ihr Geist durch Selbstreflexion gewinne, sagt sie: »Ich werde reifer und lerne immer mehr dazu.« Und was gewinnt ihre Seele durch Selbstreflexion? »Ich werde friedlicher und ausgeglichener, vor allem in Stresssituationen.« Und was gewinnen Beziehungen? »Die Beziehungen werden besser. Man kommt eventuell auch drauf, dass man sich in einem komischen Umfeld bewegt. Manche Beziehungen werden gestärkt, bei anderen merkt man, dass Entscheidungen anstehen, wie sie einen nicht nähren.«

Selbstreflexion hilft, Probleme besser zu verstehen. Sie bedingt aber die Neugier für das Hinterfragen, Analysieren, Auswerten und genaue Betrachten. Der eigene Beitrag und die eigenen Potenziale, Situationen zu verändern, werden erkannt. Handlungsoptionen werden ausgelotet, Experimente gesetzt und diese wieder auf Wirksamkeit überprüft. Die Opferhaltung wird verlassen, weil man sich auf die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten konzentriert und für die eigenen Handlungen die Verantwortung übernimmt. Die positive Haltung steigt, weil man darauf achtet, wo man Einfluss nehmen kann, und nicht nur auf das, was fehlt, was nicht geht, was schuld war, wo die eigenen Defizite einem im Weg standen. Reflexion, Handeln und Experiment statt Jammern für ein selbstbestimmtes Leben im Rahmen der Möglichkeiten: eventuell anstrengender, aber sicher lebenswerter.

*

Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 166 (Oktober 2020), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 33)

 
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