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Merkur und das »Wunder Mensch«

| 24. Dezember 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Allgemein, Fazit 169

Foto: Marija Kanizaj

Es ist mitten im zweiten Lockdown. Das stylische Foyer des neuen Merkur Campus in Graz ist ziemlich verwaist. Es gibt keinen Kundenverkehr und die meisten Mitarbeiter arbeiten von zuhause aus. Doch trotz der Lockdowntristesse sind die beiden Vorstände der Merkur, Helmut Schleich und Christian Kladiva, gut gelaunt. Denn der Merkur Versicherung geht es den Umständen entsprechend gut. Warum das trotz Corona so ist, erklären die beiden Manager im Gespräch mit Johannes Tandl. Fotografiert von Marija Kanizaj.

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Ihr größter Mitbewerber bei Krankenversicherungen hat kürzlich bekannt gegeben, dass er sich von 600 Mitarbeitern trennen will. Die Merkur Versicherung sucht hingegen Leute. Wie ist das möglich?
Helmut Schleich: Wir können und wollen unsere Mitbewerber natürlich nicht bewerten. Besonders als regionaler Player sind wir stolz darauf, auch im Sinne des Wirtschaftsstandorts, auf Kurzarbeit zu verzichten, im Gegenteil. Unsere Strategie ist eindeutig: Wir suchen nach Talenten und investieren in neue Jobs, in die Zukunft.
Christian Kladiva: Wir wissen, dass vieles digitaler, effizienter und schneller wird. Daneben haben wir Ziele, wie wir im Markt bestehen wollen. Daraus lässt sich ableiten, wie wir uns als Unternehmen aufstellen müssen, um erfolgreich zu sein. Die optimale technische Infrastruktur ist eine Voraussetzung, doch viel maßgeblicher für den Erfolg sind begeisterungsfähige kompetente Mitarbeiter.
Konkret suchen wir sowohl für den Vertrieb nach Menschen, die diesen Weg mit uns gehen wollen, die aber auch die Qualifikation haben und die in unser Team passen. Wir brauchen aber auch Menschen für unser neu gegründetes Merkur Innovationlab und unsere IT. Außerdem brauchen wir überall im Unternehmen potenzielle Nachfolger für jene Mitarbeiter, die in den nächsten Jahren in Pension gehen werden. Unser Ziel ist es außerdem, alle unsere Führungskräfte künftig aus dem Haus zu rekrutieren.

Sie bilden auch selbst aus?
Kladiva: Wir bilden zahlreiche Lehrlinge in vielen Berufen aus. Wir bilden auch für die IT selbst aus, suchen aber in diesem Bereich auch an den Universitäten.

Entscheidend für den Erfolg bei der Mitarbeitersuche ist das Employer Branding. Wie ist Ihr Markenwert bei Jobkandidaten?
Kladiva: Wir haben diesbezüglich bereits sehr viel getan und sehen große Erfolge. Der Merkur Campus hier mitten in Graz bietet unseren Mitarbeitern zahlreiche Vorteile. Sie können das hausinterne Gym benutzen. Viele Besprechungen finden im großzügigen Freibereich statt. Es gibt zwar eine Blockarbeitszeit. Diese bietet jedoch große Freiräume. Wir wollen ein kreatives und vor allem innovatives Klima, das dazu führt, dass unsere Leute mit Begeisterung für das Unternehmen arbeiten. Wir sehen es diesbezüglich als Riesenerfolg, dass mittlerweile die meisten Stellen auf Empfehlungen unserer Mitarbeiter besetzt werden können. Es macht uns stolz, wenn unsere Mitarbeiter so begeistert von ihrem Arbeitsplatz sind, dass sie uns weiterempfehlen. Nur begeisterte und gleichzeitig kompetente und qualifizierte Mitarbeiter bringen die Innovationskraft auf, mit der wir unsere Branche in den nächsten Jahren verändern werden.

Bildet sich die Begeisterung der Mitarbeiter auch im Wachstum ab?
Schleich: Wir sind in den letzten beiden Jahren bei den Prämien um fünf bzw. um sieben Jahren gewachsen. Und auch für heuer befinden wir uns abgesehen von einer kleinen Zielkorrektur dank unserer Innovationen voll auf jenem Wachstumskurs, den wir vor lange vor der Pandemie gesetzt haben.

Was kann man sich diese Innovationskraft im Bereich der Krankenversicherung vorstellen?
Kladiva: Wir betreiben seit geraumer Zeit ein eigenes Innovationlab. Wir haben über unser hausinternes Recruitingcenter eine hervorragende Versicherungsmathematikerin ausgewählt, die sich dort mit Data Science beschäftigt, um unsere Leistungen genau zu durchleuchten und so neue Risiken im Bereich der Krankenversicherung zu definieren. Wir verfügen über zahlreiche Daten unserer Kunden – etwa welche Medikamente er verschrieben bekommt, welche OPs er hinter sich hat. Über das Innovationlab lernen wir unsere Kunden nicht nur noch besser kennen, sondern auch, die digitale und die analoge Welt miteinander zu vernetzen.

Und wie wird sich die Digitalisierung auf den Kundenkontakt auswirken?
Schleich: Die Österreicher lieben es persönlich. Sie informieren sich zwar digital, schließen aber kaum komplexe digitale Verträge. Sie wollen mit jemanden reden, dem sie vertrauen und der ihnen Lösungen präsentiert, die für sie passen. Voll digitale Beratung ist daher nicht unser Ding. Doch inzwischen wirkt die Digitalisierung als Booster im Kundengespräch. Unsere Berater sind mit hochwertiger Hard- und Software ausgestattet, die es Ihnen ermöglichen, den Kunden stark individualisierte Angebote in Echtzeit zu unterbreiten. Kunden, die mit uns reden wollen, können das persönlich, per Telefon aber auch per Social Media oder per Videoberatung tun. Wir haben alle Kanäle offen – und das weit über die klassischen Beratungszeiten hinaus. Doch unabhängig davon, wie weit die Digitalisierung fortschreiten wird: Wir werden dabei sein, ohne darauf zu vergessen, mit jedem Digitalisierungsschritt die persönliche Beratung mitzuentwickeln.

Ihr Prämienvolumen wuchs zuletzt auf 530 Millionen Euro. Die zehn Millionen Euro Gewinn klingen jedoch nicht so beeindruckend. Wie schwierig ist es für einen Versicherer, in einer Nullzinsphase langfristig zu bestehen?
Schleich: Wir tun uns diesbezüglich etwas leichter als jene Mitbewerber, die den Großteil ihrer Erträge im Bereich der Lebensversicherungen lukrieren müssen. Wir sind in erster Linie Gesundheitsversicherer.
Kladiva: Der Rechnungszins ist zwar auch für uns wichtig, weil wir gemäß den Solvency-Regularien natürlich Deckungsrückstellungen für erst später anfallende Versicherungsleistungen bilden müssen. Doch grundsätzlich ist unsere Leistung – anders als die einer Lebensversicherung – eine auf Gegenseitigkeit. Die Gesundheitsleistung, die ein Kunde, der oft seit Jahrzehnten bei uns versichert ist, bezieht, wird also aus laufenden Prämieneingängen unseres gesamten Kundenstamms bezahlt.
Schleich: Dieser lebenslange Ausgleich zieht dem Kapitalmarkt bei der Krankenversicherung die Zähne. Unsere Kunden treten oft schon bei der Geburt über ihre Eltern bei der Merkur ein und bleiben bei uns bis zu ihrem Ableben. Aber trotz unserer 222-jährigen Erfahrung als ältestes Versicherungsunternehmen Österreichs ist die Veranlagung der Kundengelder natürlich eine Herausforderung.
Kladiva: Ein niedriger Rechnungszins, der gegen Null geht, macht natürlich die vorgeschriebenen bilanziellen Deckungsrückstellungen bei der Krankenversicherung teurer. Insofern haben Sie Recht, wenn Sie meinen, dass das für Druck auf die Prämien sorgt.

Foto: Marija Kanizaj

Aber die Merkur versichert »das Wunder Mensch« ja nicht nur in der Kranken-, sondern auch in der Unfall- und in der Lebensversicherung. Rechnet sich das? Wäre es nicht effizienter, wenn sich die Merkur nur als Krankenversicherer betätigen würde?
Schleich: Ich glaub als Versicherer, der seinen Kunden verpflichtet ist, muss man das völlig anders betrachten. Wir wissen, dass unsere Kunden besonders auf folgende Dinge reflektieren: Da ist zum einen der immer sensibler werdende Gesundheitsbereich. Da erwarten die Kunden unsere volle Unterstützung, wenn es ihnen schlecht geht. Und dieses Versprechen geben wir auch gerne ab. Zum anderen geht es ihnen jedoch auch um finanzielle Stabilität, die sich unbedingt aufbauen wollen. Und auch dabei brauchen sie Unterstützung.

Aber gibt es nicht zahlreiche ertragsreichere Möglichkeiten zum Vermögensaufbau als eine Lebensversicherung?
Schleich: Natürlich hat heute jeder die Möglichkeit, selbst Aktien zu kaufen oder selbst in Immobilien zu investieren. Doch viele unserer Kunden wissen, dass sie, wenn sie sich selbst auf diesen Weg machen, das Ziel der persönlichen finanziellen Stabilität nicht erreichen werden. Sie wollen größtmögliche Sicherheit. Und dazu brauchen sie einen Partner; gerade wenn die Märkte unsicher sind. Wenn man mit den Menschen über das Thema Vorsorge redet, kommt man drauf, dass es für sie keine Alternative gibt. Nicht vorzusorgen ist immer die schlechteste Lösung. Daher führt auch heute noch kein Weg an der Lebensversicherung als eine vernünftige Vorsorgeform vorbei.

Reden wir von der klassischen Lebensversicherung oder von der fondsgebunden? Die ist zwar riskanter, wirft aber auch mehr ab.
Schleich: Natürlich werden fondsgebundene Lebensversicherungen immer wichtiger. Und neben dem Ertrag ist für die Kunden die Art der Investition immer entscheidender. Dabei spielt das Nachhaltigkeitsthema eine große Rolle. Die Merkur Versicherung bietet daher seit dem 1. Oktober eine nachhaltige fondsgebundene Lebensversicherung an, die sogar das Österreichische Umweltzeichen trägt – das wichtigste und älteste Öko-Label des Landes. Damit können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass ihre Prämien nur bei Unternehmen investiert werden, die zertifiziert nachhaltig wirtschaften.
Kladiva: Für die Kunden ist aber auch bei der fondsgebundenen Lebensversicherung die Sicherheit wichtig. Daher können sie sich darauf verlassen, dass auch unserer Nachhaltigkeitsinvestments sorgfältig gemanagt werden. Ob das ein Geschäft für uns als Versicherer ist, ist daher die falsche Frage. Unsere Aufgabe ist es, den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Und gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass wir wirtschaftlich reüssieren.

Wegen des Österreichischen Umweltzeichens können sich Ihre Kunden also darauf verlassen, dass ihr Geld nicht bei Unternehmen landet, die zwar Greenwashing betreiben, sich in Wahrheit aber nicht um die ökologischen Folgen ihrer Tätigkeit kümmern?
Schleich: Genau! Darauf können sich die Kunden bei unserer nachhaltigen fondsgebunden Lebensversicherung »Merkur Green Life« zu 100 Prozent verlassen.

Aber Ihr wichtigster Geschäftszweig bleibt doch trotzdem die Krankenversicherung.
Schleich: Ja. Wir versichern das »Wunder Mensch«. Den Kern unseres Portfolios bildet zweifellos die Gesundheitsversicherung. Danach folgt mit großem Abstand die Lebensversicherungssparte und dann kommt die Unfallversicherung. Wir werden uns in den nächsten Jahren noch stärker auf personenbezogene Versicherungen ausrichten. Denn zum Wunder Mensch gehört nicht nur das Krankheitsrisiko, sondern auch die von der Lebensversicherung abgedeckten Risiken sowie das Unfallrisiko.
Kladiva: Die Rolle der Krankenversicherung ist für uns trotzdem herausragend. Dort haben wir unsere Kernkompetenz. Und die versuchen wir mit großer Innovationskraft ständig zu erweitern. Wir bieten den Kunden zahlreiche modulare Entscheidungsmöglichkeiten an. Ein Beratungsgespräch im Bereich der Gesundheitsvorsorge ist daher nicht in fünf Minuten erledigt, sondern dauert ein bis zwei Stunden.

Jetzt verkaufen Sie Ihre Produkte nicht nur im Eigenvertrieb, sondern auch Versicherungsmakler und Vertriebspartner wie etwa die Grawe oder die Oberösterreichische sind für Sie sehr wichtig. Wenn die Krankheitsversicherung so beratungsintensiv ist, stellt sich die Frage nach dem Umfang einer möglichen Digitalisierung. Eine Krankenversicherung wird man wohl kaum auf Durchblicke abschließen können.
Schleich: Unsere Vertriebspartner sind natürlich ausgezeichnet geschult und sie verstehen unsere Produkte genau. Außerdem können unsere Kunden – ganz egal wo sie ihre Merkur-Gesundheitsvorsorge abgeschlossen haben – immer mit uns kommunizieren. Daher ist es für uns trotzdem wichtig, dass unser Markenimage über alle Vertriebskanäle hinweg transportiert wird. Wir werden daher im nächsten Jahr unser Erscheinungsbild deutlich verändern. Im Mittelpunkt steht, wie Sie sich vorstellen können, das »Wunder Mensch«. Allen, die unser neues Erscheinungsbild sehen, wird, ohne dass man ein Wort sagt, auf einen Blick klar sein, wofür wir als Merkur Versicherung stehen. Wenn Sie am 4. Jänner mit dem Auto hier beim Merkur-Campus vorbeifahren, wird Ihnen mit einem Mal alles klar sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wirtschaftsgespräch, Fazit 169 (Jänner 2021), Fotos: Marija Kanizaj

 
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