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Digital in Graz unterwegs

| 11. Mai 2021 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 172, Webwatch

Mit dem neuen Projekt »Digitales Graz« werden Amtswege und behördliche Erledigungen nun auch am Computer oder Smartphone möglich. Wir haben die jüngst präsentierte Webseite für Sie ausprobiert.

::: Hier im Printlayout lesen.

Seit Beginn dieses Jahrtausends hat sich in der Stadt Graz in Sachen »Bürgernähe« ungemein viel getan. Das Amtshaus als traditionell zentrale Anlaufstelle für alle notwendigen Anliegen der Grazerinnen und Grazer hat sich von einem Ort, mit dem vor allem lange Wartezeiten in Verbindung gebracht wurden, gar nicht allzulangsam, dafür umso sicherer zu einer echten »Servicestelle« weiterentwickelt. In der alle Arten von »Amtsgeschäften« professionell und meist, das zeigen eigene Erfahrungen, schnell und zufriedenstellend abgewickelt werden können. Denkt man etwa an die Ausstellung von Personalausweis oder Reisepass, die früher einmal durchaus als »Quartalsprojekt« angesehen werden konnte, und heute in wenigen Tagen über die Bühne geht.

Bürgernähe als weltweiter Trend
Der steirischen Landeshauptstadt kam dabei natürlich auch der weltweite Trend entgegen, dass für moderne, demokratische Gesellschaften der wertschätzende Kontakt von Behörden mit ihren Bürgern immer wichtiger geworden ist. Man kann aber mit Fug sehr froh darüber sein, dass der Magistrat und die meisten dort Mitarbeitenden große Anstregungen angestellt haben, das aus früheren Zeiten bekannte Image des »Amtsschimmels« weitgehend abzulegen. Und dabei war und ist Graz in den letzten 15, 20 Jahren auch im inter- wie nationalen Vergleich flott und kreativ unterwegs.

Vor kurzem wurde nun ein weiterer großer Schritt getan: Alle Schnittstellen, alle möglichen und denkbaren Aufgaben, die »die Stadt« (oder auch eine andere der Verwaltungsebenen) zu erfüllen hat, wurden im Projekt »Digitale Stadt« gebündelt und zentral aufrufbar auf einer neuen Webseite zugänglich gemacht. Über 18 Monate hat ein vor allem aus Magistratsmitarbeitern zusammengesetztes Team unter der Federführung von Verena Ennemoser, sie ist Chefin der Präsidialabteilung im Rathaus, und Walther Nauta (Datenschutzbeauftragter) an dieser Webseite gearbeitet und sie nach einer mehrere Wochen dauernden Betaphase schlussendlich am 1. März dieses Jahres online geschaltet.

Ihre Amtswege von zuhause aus erledigen
Ob Sie nun Ihren Hauptwohnsitz ändern wollen, ein Gewerbe anmelden oder eine Lenkerauskunft erteilen möchten, wenn es um Bauvorhaben, Gartengestaltung bzw. den Einspruch zum Flächenwidmungsplan geht, oder wenn Sie eine Kurzparkzonenausnahmegenehmigung bekommen wollen, in all diesen und zahlreichen anderen Fragen bzw. Themenbereichen, in denen Sie mit der Stadt in Dialog treten möchten, bietet Ihnen die Webseite einen raschen und informativen Überblick. Beziehungsweise können Sie mit den leicht auffindbaren Formularen gleich Ihren »virtuellen Amtsweg« beginnen. Auf der Startseite ist die »Digitale Stadt« in neun große Themenbereiche gegliedert: Kinderbetreuung und Schule, Soziales, Freizeit, Bauen, Gewerbe, Mobilität und Verkehr, Förderungen aller Art, Dokumente sowie Steuern und Abgaben. Zusätzlich finden Sie über eine bereitgestellte »Formularsuche« oder die Rubrik »Digitale Services« rasch und effizient eine Antwort auf Ihre Fragen und können eben in aller Regel sofort und an Ihrem Computer mit den »Behördengängen« beginnen. Hervorgehoben sei noch die Rubrik »Amtswege online«, die einen praktischen Überblick über die verschiedenen Amtswege bietet und – besonders in Corona-Zeiten, wo ja der persönliche Kontakt auch mit dem Magistrat leider gering gehalten werden muss – umfangreich darüber aufklärt, wann ein persönliches Erscheinen unerlässlich ist und wann und wie eine Erledigung online ausreicht. Natürlich hat die Webseite noch Entwicklungspotential, so funktioniert die Vernetzung der einzelnen Themenbereiche im Detail etwas holprig und es kann passieren, dass Sie auch einen zweiten oder dritten Anlauf starten müssen. Alle Testdurchläufe, die wir gestartet haben – etwa das Ausstellen einer Sozialcard oder die Zuweisung einer Gemeindewohnung – haben aber immer zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Und wenn man sich in Ruhe alle Informationen auf den sich meist in neuen Registerkarten öffnenden Seiten durchliest, bleiben kaum mehr Fragen offen. Was auf der Startseite noch nützlich sein könnte, wäre ein einleitender Text, der einen zusätzlichen Überblick über alle Funktionen der Seite bieten könnte; und damit auch nicht so webaffinen Besuchern den Einstieg noch zusätzlich erleichtern würde. Die »Digitale Stadt« funktioniert übrigens auch gut am Smartphone, hier wurde ein eigenes Video erstellt, das die Funktionen anschaulich und verständlich erklärt.

Digitalisierung und Transparenz als Schwerpunkte
Die Stadtregierung unter Bürgermeister Siegfried Nagl hat sich neben der Digitalisierung auch der Transparenz als wesentlichen Schwerpunkt verschrieben. So ist das Amtsblatt online abrufbar und – da ist Graz Spitzenreiter im innerösterreichischen Vergleich! – alle Verordnungen der Stadt werden leicht und schnell ersichtlich zur Verfügung gestellt. Besonders gut gestaltet und mit zahlreichen Suchfunktionen ausgestattet ist der »Subventions-Checker«, der ebenfalls auf der Startseite der »Digitalen Stadt« zu finden ist. Dort können alle Förderungen und Subventionen, die die Stadt in den unterschiedlichen Bereichen (Kultur, Sport, …) vergibt, rasch aufgefunden werden. Förderungen über einen gewissen Betrag kann man zudem auch der jeweiligen Institution – sei es eben ein Kunst- oder ein Sportverein, sei es eine caritative Einrichtung – zuordnen.

Insgesamt ist die neue Webseite »Digitale Stadt« ein augenscheinlich gut gelungenes Projekt, dessen Besuch sich für jeden Grazer lohnt. Die Verbesserung kleiner Unstimmigkeiten im Design und einige sinnvoller gesetzte Vernetzungen innerhalb des gesamten Systems der Stadt Graz werden wohl in die sich ständig weiterentwickelnde »Digitale Stadt« Eingang finden. Schon jetzt ist die Seite ein sehr praktisches Tool, um »mit der Stadt zu arbeiten«. Dem nächsten Amtsweg vom Schreibtisch aus steht also nichts mehr im Weg.

digitalestadt.graz.at

Webwatch, Fazit 172 (Mai 2021), Faksimile: Quadriga

 
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