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»Green Europe« und globale Realitäten

| 3. August 2022 | Keine Kommentare
Kategorie: Allgemein, Fazit 185

Foto: Foto Fischer

Die Entwicklungen seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hatten dem Generalthema »Green Europe. Deal or no deal?« eine neue Brisanz gegeben. Über 50 hochkarätige Referenten bereicherten den 10. Pfingstdialog »Geist & Gegenwart« daher nicht nur mit Inputs zur Grünen Transformation Europas, sondern diskutierten auf Schloss Seggau zahlreiche weitere brandaktuelle gesellschafts- und geopolitische Herausforderungen.

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In seiner Eröffnungsansprache hob (der damals noch amtierende) Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer die große Bedeutung des Denkerforums hervor: »Mit dem Pfingstdialog findet heute eine gute und wichtige Tradition der offenen geistigen Auseinandersetzung mit bewegenden Fragen unserer Zeit, Europas, der Welt, Österreichs und der Steiermark ihre Fortsetzung. Friede, Freiheit, Demokratie, Sicherheit und Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen ständig neu verteidigt, gefestigt und weiterentwickelt werden.« Gerade auch unter dem Eindruck des dramatischen kriegerischen Geschehens seit dem 24. Februar und den daraus resultierenden Konsequenzen sei es wichtig, so der Landeshauptmann, dass die Herausforderungen hinsichtlich des Klimaschutzes im Rahmen des diesjährigen Pfingstdialogs aufgegriffen und thematisiert würden: »Unsere Werte und unsere Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif und der Staat kann nicht alles, koste es, was es wolle, übernehmen. Auch der Klimaschutz kann nicht mit einer staatlichen Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt erreicht werden. Der Staat muss die richtigen Weichen stellen und Rahmenbedingungen schaffen, damit sich die Wirtschaft dynamisch, innovativ, und nachhaltig entwickeln kann.« Dazu, so Schützenhöfer abschließend, brauche es die Anstrengungen aller.

Steiermark als grünes Herz und grünes Hirn
Wissenschafts- und Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl betonte in ihrem Input, dass man den Weg der grünen Transformation noch schneller und konsequenter gehen müsse. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen sind die Herausforderungen der grünen Transformation aktueller und größer denn je, aber gerade in der Steiermark haben wir durch unsere herausragende Forschungslandschaft im Bereich der grünen Technologie die besten Voraussetzungen, um diese zu meistern. Die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gilt seit jeher als eines der steirischen Stärkefelder. »Die Steiermark ist nicht nur das Grüne Herz, sondern auch das Grüne Hirn Österreichs und Europas«, so Eibinger-Miedl.

Europa als Wegbereiter für die Grüne Transformation
Der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel sorgte mit seinen vorsichtig optimistischen Ausführungen im Hinblick auf die grüne Transformation und ihre Chancen angesichts der Rolle Europas im geopolitischen Kontext für ein gebanntes Publikum. »Unsere Rolle als geeintes und starkes Europa ist es vorzuzeigen, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum funktionieren. Es geht nicht darum, unsere Emissionen auf null zu bringen, sondern mit gutem Beispiel voranzugehen, damit der Rest der Welt uns folgt und sieht: das ist möglich«, hob Gabriel hervor.

Keine Überschriftenpolitik, sondern weltweite Strahlkraft
»Der Green Deal strahlt weit über die Grenzen Europas hinaus. Die ganze Welt weiß jetzt: die Europäer machen ernst!« stellte Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, klar.
Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht sprach ganz besonders die Rolle der Politik bei einschneidenden globalen Ereignissen an. Die große Problematik liegt darin, gleichzeitig zwei gigantische Revolutionen bewältigen zu müssen. Einerseits die Nachhaltigkeitsrevolution und andererseits eine zweite maschinelle Revolution, kurz Digitalisierung. Oberstes Gebot im Zusammenhang mit der Bewältigung von Krisen bleibt dennoch, die komfortable Bewohnbarkeit der Erde für die nächsten Generationen zu gewährleisten. Nicht zuletzt erschwert sich das Krisenmanagement durch einen geringen Handlungsspielraum der Politik, verursacht durch Globalisierung, aber vor allem durch die meinungsdiktierende Medienlandschaft. Es braucht eine strategische und langfristige anstatt einer taktischen Handlungspolitik. Einen Ball, den der designierte Landeshauptmann und Europalandesrat Christopher Drexler sofort aufgriff: »Ich hoffe, dass in zwanzig Jahren, in einer wieder stabilen Welt, die europäische Idee von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eines aufgeklärten, freiheitlichen Staates das größte Exportgut Europas wird.«

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Die seit 2005 auf Schloss Seggau stattfindenden Pfingstdialoge »Geist & Gegenwart« reflektieren Herausforderungen und Problemstellungen Europas. Es ist stets auch eine Standortbestimmung des »Projekts Europa« und seiner Dynamik, der Chancen und Hoffnungen, aber auch der Gefährdungen und Probleme. geistundgegenwart.at

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Pfingstdialog 2022 in Seckau, Fazit 185 (August 2022), Foto: Foto Fischer

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