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Nachts im Museum

| 14. November 2022 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 187, Kunst und Kultur

Foto: Werner Kmetitsch

Die aktuelle »Madama Butterfly« im Opernhaus lässt die traurigschöne Geschichte der Geisha Cio-Cio-San intelligent wie kurzweilig inszeniert zum kleinen Ereignis werden.

::: Hier im Printlayout lesen.

Die Oper und ich. Das ist eine lange Geschichte voller Missverständnisse. Manchmal glaubt mein einfaches Ich, dass »die Oper« sich auch als gutes Synonym für »totale Langeweile« anbieten würd. Also, wenn man mich schnell fragen tät. Und wenn ich nicht nachdenken tät. Dabei ist meine kleine operale Welt schon lange eine ganz, ganz andere geworden. Habe ich doch die letzten neun, zwölf Jahre immer und immer wieder wunderbare Abende mit wunderbaren Opern verbringen dürfen. Unvergesslich wohl die Tosca letzten Sommer auf der Kasemattenbühne am Schloßberg!

Solch konzertante Aufführungen sind mir übrigens meistens lieber, als allzu modern inszeniertes Sachenwerch, was sich im Grunde seit den Siebzigern, vielleicht Achtzigern des letzten Jahrhunderts bestenfalls in die Sackgasse zeitgeistiger Warmluft weiter entwickelt hat. Ich möcht halt in der Oper auch meine Augen gut unterhalten wissen.

Und letzten Samstag durften Augen wie Ohren in der wunderbaren Grazer Oper endlich wieder einen ordentlichen Genuss erleben. Die Augen vor allem, weil die Inszenierung von Giacomo Puccinis Madama Butterfly durch Floris Visser ausstattungsmäßig bei aller Schlichtheit mehr als schön anzuschauen war. Außerdem hat mir sein kleiner, beinahgenialer Gag, die Handlung bühnen- wie zeitenmäßig zu verschachteln, und das Ganze in einem Museum spielen zu lassen, sehr gefallen. Da verrat ich Ihnen aber jetzt nicht mehr, ich bin gespannt, wann während der guten drei Stunden Sie seine Erzählstruktur durchschauen. Ich, unvorbereitet wie ich in solche Abende zu gehen pfleg,  hab einige Zeit gebraucht.

Und den Ohren haben eigentlich alle Protagonisten gut getan, hervorzuheben natürlich Marjukka Tepponen in der Titelrolle und Mareike Jankowski als ihre Dienerin Suzuki. Jedenfalls erwähnenswert auch noch Manuel von Senden als der anrüchige Heiratsvermittler Goro sowie Neven Crnić als Konsul Sharpless. Für kurzes wie gelungenes Amusement sorgte auch Daeho Kim als Onkel Bonzo nicht nur durch seine Fangemeinde im Publikum. Die männliche Hauptrolle, der Marineleutnant Benjamin Franklin Pinkerton gegeben von Mykhailo Malafii, da bin ich mir sicher, dass es seine fragwürdige Rolle war, die mich in meiner Begeisterung ein ganz klein wenig hat abfallen lassen. Recht sicher. Insgesamt ein furioser Abend, machen Sie sich und Ihrem Mann die Freude und schauen Sie sich das an. Noch bis Jänner im Opernhaus.

Sehen Sie hier eine kurze Einführung in die aktuelle
Inszenierung und einige Auschnitte:

Madama Butterfly
Oper von Giacomo Puccini; Inszenierung von Floris Visser
Aktuelle Termine: 2./10./18.12.2022 sowie 15./18.1.2023, 19.30 Uhr
oper-graz.com

Alles Kultur, Fazit 187 (Novmeber 2022), Foto: Werner Kmetitsch

 
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