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| 10. Dezember 2022 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 188, Fazitbegegnung

Foto: Andreas Pankarter

Michael Axmann ist Superintendentialkurator. Als solcher ist er zuständig für die weltliche Leitung der Evangelischen Kirche A. B. in der Steiermark.

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Gemeinsam mit Superintendent Wolfgang Rehner, dem geistlichen Leiter, feierte er kürzlich das 75jährige Bestehen der Evangelischen Superintendenz Steiermark, denn bis 1947 war man Teil der Wiener Superintendenz. Letzteres Wort ist ein Synonym für Diözese, wie Michael Axmann geduldig erklärt und zugleich auf die Geschichte neugierig macht, schließlich war Graz das Zentrum der Gegenreformation und Ende des 16. Jahrhunderts zu 90 Prozent protestantisch, die restliche Steiermark zu 80 Prozent. Der bekannte radikale Prozess der Umkehrung der Verhältnisse sollte mehr als 180 Jahre dauern. Bis zum Toleranzpatent 1781 war der protestantische Glaube nur im Geheimen möglich. »Die endgültige Gleichstellung und volle Souveränität der evangelischen Kirche ist aber überhaupt erst mit dem Protestantengesetz 1961 erreicht worden«, so Axmann, der seine Tätigkeit in der Kirche neben seinem Beruf als Rechtsanwalt ehrenamtlich ausübt. Heutzutage wird speziell in der Steiermark die gut funktionierende Ökumene betont. Wie sich das denn äußert? »Bei allfälligen Irritationen ist auf diözesaner Ebene eine ausreichende Vertrauensbasis da, dass wir regulierend eingreifen können«, sagt der Jurist. Profaner ausgedrückt: Das evangelische Duo Rehner/Axmann schließt sich mit dem römisch-katholischen Bischof Krautwaschl kurz. Schade, dass das der bedingungslose Verfechter der Gegenreformation, Ferdinand II., der im Mausoleum neben dem Grazer Dom begraben ist, nicht mehr erfahren hat.

Der offene, geradlinige und pragmatische Zugang zu anderen gilt als Stärke der evangelischen Denkweise. Ein Weg, der nicht immer einfach ist, auch nicht in den eigenen Reihen. Denn die evangelische Kirche ist streng strukturiert, streng basisdemokratisch. Jeder Funktionsträger, egal ob Theologe oder Ehrenamtlicher, wird gewählt. Entscheidungen fallen im Kirchenparlament, der sogenannten Superintendentialversammlung. Dort sind Delegierte aus allen Gemeinden vertreten, grob die Hälfte sind Theologen, grob die Hälfte Ehrenamtliche, letztere überwiegen aber. Hier hat Michael Axmann den Vorsitz und es besteht Budgethoheit, auch werden hier Superintendent und Superintendentialkurator gewählt. Im Leitungsgremium namens Superintendential-Ausschuss hingegen hat wiederum der Superintendent den Vorsitz. Axmann: »Das ist vergleichbar mit einem Vorstand mit neun Personen, der die Geschäfte im Alltag leitet und der Superintendent wie auch der Superintendentialkurator müssen die Dinge umsetzen. Wenn man so will, ist das die Landesregierung. Wir Evangelischen glauben einfach, dass, wenn wir miteinander um Lösungen ringen, eine bessere Lösung zustande kommt, als wenn es einer entscheidet. Deshalb leben wir das so. Natürlich führt das mitunter zu langwierigen Diskussionen und Abstimmungen in den Versammlungen, die vielleicht lähmend wirken. Aber wir machen das aus tiefer Überzeugung. Das ist unser demokratischer Zugang.« Evangelische haben eben keinen Papst, sondern umgekehrt eine Struktur von unten nach oben, wobei die Gemeinden von größter Bedeutung sind und wo sogar der Pfarrer gewählt wird, wie vor kurzem in Fürstenfeld.

Gelernt habe ich, dass es gemäß dem reformatorischen Grundsatz »Solus Christus« keine Heilgen gibt und dass »Sola Gratia« bedeutet, dass göttliche Gnade allein ausreicht und keinerlei Vorleistungen notwendig sind. Das ruft sogleich Schulwissen über Luthers Thesenanschlag 1517 unter anderem gegen den Ablasshandel hervor und – wieder was gelernt – sowohl die erste Bibelübersetzung Luthers, wie auch die erste Gemeindegründung in der Steiermark ereigneten sich vor genau 500 Jahren im Jahr 1522.

Heute zählt die evangelische Kirche in der Steiermark 35.000 Personen, davon 12.000 in Graz, mit 26 Pfarrern und Pfarrerinnen in 35 Pfarrgemeinden. Das war jetzt keineswegs scheingegendert. Und ganz im Sinne des evangelischen Ansatzes, dass die »Kirche Glauben und Aufklärung zusammen denkt«, sei auch erwähnt, dass alle drei Stellvertreter und Stellvertreterinnen des steirischen Superintendentialkurators Michael Axmann weiblich sind.

Michael Axmann wurde am 5. Dezember 1971 in Graz geboren und hat eine Schwester. Der Vater war Landesbediensteter, die Mutter Lehrerin. Er maturierte im Keplergymnasium, studierte Jus und ist heute Rechtsanwalt. Mit Ingeborg, Juristin im Lehrberuf, ist er in gemischt konfessioneller Ehe verheiratet. Die beiden Söhne studieren Jus beziehungsweise Philosophie.

Fazitbegegnung, Fazit 188 (Dezember 2022) – Foto: Andreas Pankarter

 
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