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Mehr Sein als Schein

| 13. Mai 2024 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 202, Fazitportrait

Foto: Heimo Binder

Die Firma Schimautz ist seit 1957 ein Familienunternehmen in Graz, das sich dem komplexen Bereich der Haustechnik verschrieben hat. Wie umfassend und zum Teil hochspezialisiert diese Aufgabe ist, wissen viele Kunden oft gar nicht. Bodenständig und bemerkenswert zugleich ist auch die Unternehmesphilosophie. Und die Überraschung erst – aber lesen Sie selbst.

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Wer den Grazer Bezirk Sankt Peter kennt, kennt zumeist auch »den Schimautz«. Jedenfalls ist das Installationsunternehmen ein beliebter geographischer Orientierungspunkt. Eigentlich müsste es »Haustechnikunternehmen« heißen. Tatsächlich glauben viele, dass es sich dabei um einen einfachen Elektro- oder Installateurbetrieb handelt. Was nicht gänzlich unwahr, wohl aber höchst unvollständig ist. »Sogar viele Bewohner von Sankt Peter glauben, dass wir nur ein Elektrogeschäft sind«, sagt die Chefin Elisabeth Mittendrein-Schimautz mit leichtem Bedauern. Die Schimautz Ges.m.b.H. ist ein Fachbetrieb für Heizungs-, Elektro-, Sanitär- und Klimaanlagen sowie Spezialist für Pools und Wasseraufbereitung. Ein mittelständischer Familienbetrieb, der in zweiter Generation geführt wird. Auch die dritte Generation arbeitet bereits seit acht Jahren mit: Thomas Mittendrein-Schimautz (31), Bulme-Ingenieur für Maschinenbau und Anlagentechnik, bereitet sich auf jenen Part vor, den seine Mutter im Unternehmen abdeckt. Beide seien »Zahlenmenschen«, erklärt Thomas: »Meine Stärke liegt im kaufmännischen Bereich. Wir machen sozusagen alles, von der Bilanzbesprechung bis zum Mistkübelausleeren – alles außer der Technik. Das heißt zum Beispiel auch Nachkalkulationen, Vorkehrungen für Einsparungen oder darauf achten, dass kein Auftraggeber einen zu großen Anteil hat. Wir springen ein, wenn die Kasse nicht funktioniert oder der Laptop, wenn jemand krank ist oder Personalmangel im Verkauf herrscht.« So sollen im Hintergrund die Voraussetzungen geschaffen werden, dass an der Arbeitsfront alles funktioniert.

Foto: Heimo Binder

Der zweite Sohn, Alexander Mittendrein (28), Absolvent des Gebäudetechnikkollegs der HTL Pinkafeld sowie einer Lehre als Installateur, tritt in die Fußstapfen seines Vaters Michael Mittendrein, der im Unternehmen der Spezialist für Pooltechnik ist. Er kommt nämlich direkt aus diesem Bereich, die »Wassertechnik Mittendrein« in Andritz wird von seinem Bruder geführt. Alexander: »Die Schwimmbadtechnik habe ich direkt vom Vater gelernt, weil es für diesen Spezialbereich nicht einmal eine Lehre gibt.« Der private Schwimmbadbau ist im Gegensatz zum öffentlichen relativ wenig reguliert, auch deshalb ist dafür viel Erfahrung notwendig. Dieser Bereich macht etwa ein Viertel bis ein Drittel des Umsatzes aus.

Das menschliche Maß
Insgesamt erwirtschaften zwischen 45 und 50 Mitarbeiter, davon zehn Lehrlinge, einen Jahresumsatz von acht Millionen Euro. Elisabeth Mittendrein-Schimautz hat den Betrieb nach einer kaufmännischen Ausbildung an der Handelsschule im Alter von 27 Jahren im Jahr 1990 vom Vater übernommen, der 2001 verstorben ist: »Die Eltern haben das Unternehmen aufgebaut und es seinerzeit sogar mit Filialen versucht.« Zur heutigen Firmenphilosophie gehört das menschliche Maß, Wachstum spielt dabei eine untergeordnete Rolle: »Wir wollen nicht größer werden.« Bei Schimautz wird auf Langfristigkeit, Kontinuität und Sicherheit gesetzt, die Größe soll überschaubar und machbar bleiben. »Ein Auftraggeber sollte bei uns nicht mehr als zehn Prozent vom Umsatz ausmachen, sonst schränken wir ein. Wenn etwa, so wie voriges Jahr, ein Bauträger in Konkurs geht, hält sich deshalb unser Verlust in Grenzen«, so die Chefin und Geschäftsführerin. Schimautz macht nicht Geschäft um jeden Preis, das Risiko soll klein gehalten werden. »Wir achten auf die Aufteilung und wollen uns nicht auf ein oder zwei Auftraggeber verlassen.« Elisabeth Mittendrein-Schimautz hält nichts von der Philosophie einer jährlichen Umsatzsteigerung: »Wir wollen am Jahresende einen Strich machen, denn Voraussetzung für einen Geschäftsbetrieb ist Gewinn und nicht Umsatzsteigerung.« Diese Einstellung hat Sie auch Ihren Söhnen mitgegeben. »Man will einfach gut und sorgenfrei schlafen. Wir sind ein Familienbetrieb, auch ich bin hier aufgewachsen und habe vor der Übernahme der Firma mit meinem Vater zusammengearbeitet.«

Spezialist und Nahversorger zugleich
Die Aufgabenbereiche von Schimautz sind so breit gefächert wie hochkomplex. Viele Kunden ahnen nichts von den größeren Aufträgen, die zum Beispiel zwischen 15 und 20 Wohneinheiten in Wien oder den Baumax in Innsbruck umfassen. Die gesamte Haustechnik abzudecken heißt zugleich, ein starker Dienstleister zu sein. Der Vater von Elisabeth Schimautz hat »nur« mit Elektroinstallationen begonnen. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass die Breite des Angebots an Dienstleistungen nicht zur Gänze wahrgenommen wird. Aber auch die Wahrnehmung als bloßes Elektrogeschäft hat seine Berechtigung. Der Einzelhandelsverkauf für die Laufkundschaft macht rund 10 Prozent der Gesamtleistung des Unternehmens aus: »Diesbezüglich sind wir praktisch Nahversorger, bei uns bekommt man Spezialteile, die es etwa im Baumarkt nicht gibt, mit direkter Beratung oder Terminaufnahme für Reparaturen.« Davon zeugen auch tausende Artikel im Warenlager. Hier erstreckt sich das Angebot von Batterien bis zu Kleidermottenfallen, von Steckdosen, Glühbirnen, Reinigungsmitteln und Müllsäcken bis zu Armaturen, Dichtungen, Kabeln, Installationsverbindungsteile oder sogar Ofenrohre, aber auch Poolinstallationsmaterial und -zubehör. Dazu Thomas Mittendrein-Schimautz ganz im Sinne der Mutter: »Vor rund 20 Jahren hat es noch geheißen, dass man sich auf einzelne Bereiche spezialisieren müsse, aber wir sind lieber breit aufgestellt, da kann man auch eine allfällige Krise abfangen.« Die einzelnen technischen Bereiche werden durch Spezialisten abgedeckt. Für den Bereich »Sanitär« etwa sind drei Techniker zuständig. »Einer davon ist auch am Unternehmen beteiligt, wir arbeiten mit Erfolgshonoraren, so können wir eine hohe Mitarbeiterqualität gewährleisten und wenn man schon einen so guten Mitarbeiter hat, der alles kann, muss man ihn auch halten können«, meint die Chefin zum Thema Facharbeitermangel.

Foto: Heimo Binder

Ob man damit zum Beispiel verhindern kann, dass ein Mitarbeiter abspringt und sich selbstständig macht? Dazu Thomas Schimautz: »Naja, oft sind richtig gute Techniker extrem schlechte Buchhalter und vernachlässigen jene Bereiche, die ebenfalls wichtig und notwendig sind, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen.« Seine Mutter assistiert: »Man kann noch so gut sein als Installateur, aber die gar nicht so seltene Denkweise »Ich mache mich jetzt selbstständig, weil was der Chef kann, kann ich auch« lässt viele vergessen, wieviel kaufmännisches Know-how dahintersteckt.« Und sie macht zugleich klar: »Für mich sind Handwerker Helden.«

Umstellung auf Sanierungen
In Zeiten der allgemeinen Teuerungen, der restriktiven Kreditvergaberichtlinien und der damit einhergehenden Flaute in der Baubranche sind auch Baunebengewerbe, Lieferanten und Dienstleister gefordert. Ein mittelständischer Familienbetrieb erweist sich dabei in der Regel beweglicher als ein großer Industriedampfer. So musste auch das Sankt-Peter-Haustechnik-Unternehmen Flexibilität beweisen. »Als es nun geheißen hat, dass die großen Baustellen bis hin zu Einfamilienhäusern wegfallen, habe ist mir schon viele Gedanken gemacht, denn man will ja niemanden kündigen.« Auch bei einem derartigen Einbruch muss man als Unternehmer ausloten, in welche Richtung man weitergeht. Bis vor zwei Jahren umfasste das Auftragsvolumen des Unternehmens für Gesamtinstallationen noch 30 bis 40 Einfamilienhäuser pro Jahr. Diese sind zur Gänze weggefallen. Seitdem hat sich das Unternehmen nicht zuletzt aufgrund und mit Hilfe langjähriger guter Kontakte auf Sanierungsarbeiten konzentriert: »So haben wir bei uns wieder die Vollbeschäftigung zustande gebracht.«

Vermehrt Photovoltaik
Außerdem kann Schimautz den Boom bei der Photovoltaik nutzen. Dabei spielt dem Unternehmen die Energiewende in die Hände. Viele der neuen Aufträge umfassen heute den Umbau von Heizungen. Wer eine Wärmepumpe einbauen lässt, muss sich Gedanken über den damit verbundenen erhöhten Stromverbrauch machen und kommt, so es baulich möglich ist, an einer Photovoltaikanlage kaum vorbei. Wichtig ist dabei das Zusammenspiel einer Luftwärmepumpe und der Photovoltaik über eine möglichst perfekte Schnittstelle. Auch darauf hat sich das Unternehmen in Rahmen der Sanierungen spezialisiert. Im ihrem eigenen Wohnhaus ist die Familie Schimautz damit bis auf drei Monate im Jahr autark. »Die Botschaft von uns ist dabei, dass wir das, was wir den Kunden anbieten, zuerst selbst erfolgreich ausprobiert haben.« Von Vorteil sei auch, dass sowohl Heizung als auch Photovoltaik aus einem Haus, das heißt aus einem Unternehmen kommen, damit die unterschiedlichen Techniken einander optimal ergänzen. Verschwiegen wird nicht, dass die Umrüstung insgesamt relativ kostspielig ist. Unter Zuhilfenahme des praktischen Hausverstandes erklärt das Elisabeth Schimautz so: »Da gibt es zwei Ansätze. Denke ich an Amortisation, wird es bei der Luftwärmepumpe schwierig. Denke ich aber, dass ich in Zukunft weniger für Betriebskosten ausgeben will, ist es meiner Meinung nach sinnvoller das Geld zu investieren, als es auf ein Sparbuch zu legen.« Eine bloße Photovoltaikanlage zahle sich jedenfalls schon wegen der hohen Strompreise aus.

Für eine Überraschung im Fazitportrait sorgt Sohn Thomas. Nach eher lustlosen eineinhalb Jahren BWL-Studium zog er schon vor zwölf Jahren einen Handel plus Dienstleistung mit 3D-Druckern auf. Die Dienstleistungsidee ist nicht aufgegangen, aber als die 3D-Drucker immer billiger wurden und das Online-Geschäft zu boomen begann, fand er mit »Niceshops« einen idealen Partner für den Onlinehandel. Die Folge: Heute ist er quasi nebenberuflich der größte 3D-Drucker-Händler (»3DJake«) in Europa mit einem Umsatz von 50 Millionen Euro.

Schimautz Ges.m.b.H.
8042 Graz, St.Peter Hauptstraße 61
Telefon +43 316 4725380
schimautz.at

Fazitportrait, Fazit 202 (Mai 2024) – Fotos: Heimo Binder

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