Zur Styriarte
FazitOnline

Zur Lage (17)

| 25. April 2009 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 52, Zur Lage

Über die Dinge, die uns zu Grazern machen und schon wieder viel zu viel über den ORF.

Erinnern Sie sich noch an Werner Miedl? Diesen »Monaco-Franzi« der Grazer Stadtpolitik. Vieles wird Ihnen einfallen, wenn Sie an den guten Werner denken. Eines ganz sicher nicht: dass er jemals kein Grazer gewesen wäre. Interessanterweise war das aber genau der Grund, warum dieser damals, vor ein, eineinhalb Jahren aus der Stadtregierung ausscheiden musste. Jetzt wissen wir mittlerweile, dass sechs von neun Stadtregierungsmitgliedern nicht in Graz geboren sind (nicht, dass ich das als Kriterium anerkannt wissen wollte, bin ich doch selbst im schönen Gleisdorf geboren und habe trotzdem keinerlei Ambitionen auf einen Regierungssitz in Graz) und wir wissen vor allem, dass das neueste Mitglied dieser Regierung ihre ganz zweifellos schlaflosen Nächte vor diesem »Ja« zum Bürgermeister im Bezirk Bruck an der Mur verbracht hat. Dass ihr zwölfjähriger Sohn nun bis zum Schulschluss dort weiter täglich die Schulbank drücken wird, ist dabei nur mehr Detail am Rande.

Warum ist jetzt noch einmal schnell Werner Miedl eigentlich nicht mehr Stadtrat? Irgendwas hab ich da offenbar nicht verstanden. Aber ich verstehe ja auch immer weniger von dieser komplexen Materie der Grazer Vergabepolitik, pardon, Stadtpolitik. Da ist ein A nicht immer einfach ein A. Da ist es offenbar manchmal ein O! Das ist wie bei Lebensgefährten: die sind auch nicht immer Lebensgefährten. Und wenn sie es dann doch plötzlich sind, dann sind diese an einem Tag kein und am nächsten dann ein Grund zum Rücktritt. Also ich hab jetzt den Überblick verloren. Aber macht ja nichts, da muss ich mich ja auch nicht auskennen.

Womit wir beim ORF gelandet wären. Da kenne ich mich auch nicht aus. Also zumindest in der Führung eines solchen »nationalen Broadcasters«. Da weiß ich nur, dass dieser Sender seit Jahren – nicht erst seit dem unseligen Alexander Wrabetz – nicht das Geringste mit einem »öffentlich rechtlichen Rundfunk« zu tun hat. (Ausgenommen Ö1 und FM4.) Und weil dieser Tage zahlreiche Journalisten des ORF wieder einmal »SOS-ORF« ausriefen und ein Forderungspaket an die Regierung ausarbeiteten, schauen wir uns diese Forderungen einmal genauer an. Im Punkt »1. Politische Unabhängigkeit« heißt es etwa: kein direktes oder indirektes Weisungsrecht des Bundeskanzlers. Ich denke, selbst einem Werner Faymann traue ich zu, ein besseres Programm mit jeder einzelnen Weisung, die er denn bitte machen soll, zusammenzubringen. Dieser zur Kardinalsfrage stilisierte Punkt des »Parteieneinflusses« ist nicht das Problem dieser Anstalt. Und auch die Punkte 2 und 3 gehen an der Problematik vorbei. (Wenn auch unter dem Stichwort »Hohe Programmqualität« mehr österreichische Programme – das kann auch, denkt man an »Mitten im Achten«, durchaus als Drohung verstanden werden – und mehr anspruchsvolle Programme zur besten Sendezeit gefordert werden.)

Das Grundproblem des ORF ist, der ORF ist keine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Punktum. Auch wenn die Lichtgestalt heimischen Fernsehens, der moltererähnlich mit der Aufgabe nicht gewachsene (moltererunähnlich merkt das nur keiner) Armin Wolf das nicht wahrhaben will, war es nie das Moltofon, das den ORF unbeschaubar gemacht hat; es war und ist der einfaltslos dahingeschmissene, allhauptabendliche Mix aus bis zu fünf aufeinanderfolgenden amerikanischen »Serienhits«, der selbst den größten Fan solcher Programme (etwa mich) vertrieben hat. Da helfen keine kleinen Korrekturen. Da helfen keine »Anrufungen« von »hoher Qualität« (was glauben die Damen und Herren Journalisten eigentlich, mich für so blöd zu verkaufen? Wenn es ausschließlich an der »Qualität« gelegen wäre, dann sollten sie keine Petitionen schreiben, sondern dem Spruch »Augen auf bei der Berufswahl« anhörig werden und sich zum AMS aufmachen. So schauts aus.)

Dieser ORF gehört auf der Stelle eingestellt! ORF1 ist von ATV in einer Überganszeit zu »operaten« und für den Verkauf vorzubereiten. Ö3 soll sofort privatisiert werden (wenn es darauf ankommt, fliessen 100 Millionen ja recht schnell in diesem Land), Ö1 und FM4 bleiben als Rumpfinformationssystem erhalten und ORF2 strahlt für die nächsten drei Monate einen Programmmix aus ARTE, Phoenix und 3SAT unter Beimengung der deutschen dritten Programme aus. Im Herbst 2009 startet dann wieder – endlich – ein öffentlich-rechtlicher Sender in Österreich. Bis dahin: Sendeschluss. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage, Fazit 52 (Mai 2009)

Share |
 
Anzeige
 

Kommentare

Antworten