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Phonosophicum (Juni 2011)

| 20. Juni 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 73, Phonosophicum

Referenz für Auge und Ohr Wenn sich eine bestens beleumdete Audio-Schmiede wie Arcam nach einigem Zögern anschickt, einen Blu-ray-Player herauszubringen, liegt die Messlatte für uns Phonosophen höher als sonst. Zum einen erwarten wir die klangliche Feinkost seiner Arcam-Audiobrüder, zum anderen eine erstklassig werkelnde Videosektion mit multimedialen Schmankerln als selbstverständliches Supplement. Um es gleich vorwegzunehmen: Der BDP100 schafft diese Prüfung locker und demonstriert eindrücklich, dass große Klangperformance und gestochen scharfe Bilder unter eine Haube zu bringen sind – und zwar auf Referenzniveau!
Schließlich entstammt er wie etliche Verstärker und Player Arcams berühmter FMJ-Serie. FMJ steht für das Prädikat „Faithful Musical Joy“. Die Briten halten sich auch hier an ihr Klang-Treuegelöbnis und setzen auf kurze Signalwege, diskrete und getrennt geregelte Netzteile für Laufwerk und Audio-/Videoverarbeitung, sodass Störungseinflüsse bei der Wiedergabe von vornherein ausgeschlossen sind. Die Digital-Analog-Wandlung obliegt einem Wolfson WM 8741 mit Upsampling-Fähigkeiten bis zu 192 kHz und 32 Bit. Dieser Superchip ist beispielsweise auch in Arcams Universalplayer DV139, im NAD C 565BEE oder im sündteuren Isis Valve von Rega im Einsatz – drei absoluten audiophilen Leckerbissen!
Auch beim schnörkellosen Gehäuse mit sandgestrahlter Alufront  haben die Entwickler aus Cambridge sorgsam darauf geachtet, dass keinerlei mechanische Einflüsse die Signalverarbeitung stören können.
Durch die hohe Speicherkapazität der blauen Scheibe können Audiodaten bekanntlich so genossen werden, wie sie im Produktionsstudio aufgezeichnet wurden. Mit den verlustfreien Codecs Dolby TrueHD oder dts-HD Master Audio wird der Blu-ray-Player zum audiophilen Zuspieler und lässt bei den reinen Audio-Blu-rays (Pure Audio BD oder Audio only BD genannt) wirklich keine Wünsche mehr offen.
An Formaten weiß der BDP 100 mit Blu-ray, DVD, CD, MP3, WMA, AAC, AVI, JPEG oder WMV alle heute relevanten wiederzugeben – nur auf SACD wurde verzichtet. Für diese spezielle Kost gibt es schließlich den hauseigenen CD37 oder den erwähnten DV139.
An Schnittstellen werden neben HDMI 1.3a ein Ethernetanschluss für BD-Live-Inhalte, Component und Composite Video-Ausgänge, eine koaxiale und eine optische Digitalbuchse sowie zwei analoge Audioausgänge mit besagtem Wolfson-Wandler geboten. Die leider rückseitig angebrachte USB-Buchse gestattet Verbindungen zu externen Mediaplayern oder Festplatten. Eine RS232-Schnittstelle, ein Fernbedienungseingang sowie eine 12 V-Triggerschaltung zur Einbindung in verschiedene Steuerungssysteme runden das Angebot ab.
Den HD-Videotest mit Blu-rays absolviert der Arcam mit exzellenter Kontrastdarstellung und plastischer Auflösung. Aber auch DVDs in Standardauflösung präsentieren sich dank makellosem Scaling und De-Interlacing auf Topniveau. Bezüglich Arbeitsgeschwindigkeit liegt er im guten Mittelfeld: DVDs und BDs werden zwischen 15 und 20 Sekunden eingelesen.
Die Fernbedienung liegt ergonomisch fein in der Hand, ist mit hinterleuchteten Tasten versehen und weiß bis zu acht zusätzliche Geräte zu steuern.

Fazit: Bereits in den Siebzigerjahren setzte Arcam mit dem ersten Hi-Fi-Verstärker A60 Maßstäbe. Jetzt legen die Engländer mit diesem souverän agierenden Spieler die Latte für die Konkurrenz erneut hoch, weiß er doch Medienvielfalt und klassische Hi-Fi-Tugenden optimal zu vereinen. Der zusätzliche Wandler-Aufwand bei der Aufbereitung der analogen Signale erfreut jene Filmfans, die auch noch viel Musik hören, auf Surround verzichten können und den BDP100 einfach als edlen Stereo-Spielpartner verwenden wollen.

Phonosophicum #22, Fazit 73 (Juni 2011)

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