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In Krakau sollte man gewesen sein

| 25. Mai 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Allgemein, Fazit 83, Fazitreise, Kunst und Kultur

Wer an eine europäische Stadt für einen Kurzurlaub denkt, denkt oft an Paris, London, Rom oder Berlin. Krakau ist selten auf dem Radar kurz entschlossener Reisender. Zu Unrecht, denn Krakau kann es an Schönheit und Attraktivität mit jeder europäischen Stadt aufnehmen. Charakterisiert durch einen der größten zusammenhängenden Plätze Europas rund um die berühmten Tuchhallen, ist das Bild der südpolnischen Stadt an der Weichsel eine Augenweide.

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Kommt man mit dem Flugzeug nach Krakau, was aus Kärnten oder der Steiermark eine empfehlenswerte Form der Anreise darstellt, weiß man schnell, dass die Welt in Polen noch in Ordnung ist. Zumindest die katholische. Ist der Flughafen doch nach Papst Johannes Paul II. – dem vormaligen Erzbischof von Krakau – benannt. Und auch die ungeheure Dichte an Gotteshäusern, in denen sonntags oft mehrere Messen hintereinander bei vollbesetzten Kirchenbänken gefeiert werden, präsentiert Polen als noch immer katholisches Land. Die Schönheit der Kirchen zeigt auch die kulturelle Vielfalt Krakaus und die lange Tradition der Stadt. Die St.-Andreas-Kirche steht etwa seit fast 1000 Jahren (Baubeginn 1080) und ist eine der ältesten der über 100 Kirchen der Stadt. 28 Museen bieten jede Menge Kultur und Geschichte und mit mehr als 200 Kellerkneipen kann man auch die polnische Bierkultur kennenlernen.

Erwähnens- und jedenfalls besuchenswert ist die Marienkirche am Hauptmarkt mit dem Krakauer Hochaltar, dem größten Flügelaltar Europas vom Nürnberger Veit Stoß, einem der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik. Oder der Wawel, Burganlage und ehemalige Residenz polnischer Könige, mit der Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel (»Wawel-Dom«). Sie ist die Bischofskirche des Erzbistums Krakau und war zur Zeit, als Krakau Polens Hauptstadt war, auch Hofkirche. In der Gruft der Kirche wurden Polens Könige bestattet. Auch Polens Präsident Lech Kaczynski und seine Frau fanden dort ihre letzte Ruhe, was in Polen für einige Aufregung sorgte.

Das mehrfach umgebaute Wawelschloss direkt neben der Kathedrale verbindet Elemente der Gotik und der Rennaissance zu einem spannenden und unglaublich beeindruckenden Ensemble. Um das 16. Jahrhundert war es Vorbild für zahlreiche Schlösser in Mittel- und Osteuropa. Der Wawel und die ganze Altstadt um den Hauptmarkt, mit 200 mal 200 Metern größter mittelalterlicher Platz Europas, sind Weltkulturerbe der Unesco und selbst für den Graz-verwöhnten Altstadtliebhaber ein wahres Juwel. Unter dem Hauptmarkt hat man in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts zahlreiche Artefakte bis zurück ins Frühmittelalter gefunden. 2010 wurde direkt unter den »Tuchhallen«, dem Marktgebäude in der Mitte des Platzes, ein unterirdisches Museum als Zweigstelle des Historischen Museum Krakaus eröffnet, das eine Zeitreise in Krakaus Frühgeschichte ermöglicht. Auf museumstechnisch modernstem Stand werden multimedial unterstützt zahlreiche Fundstücke der Ausgrabungen präsentiert. Wie überhaupt die Qualität der Ausstellungs- und Museumspräsentation in Krakau und Umgebung seinesgleichen sucht. So muss man bei einem Krakaubesuch unbedingt das Schausalzbergwerk in Wieliczka miteinplanen: Bis zu 200 Meter unter der Erde kann man sich durch das Bergwerk staunen und wird von immer größeren unterirdischen Hallen überrascht. Oft haben die Bergleute, einfache Handwerker, aus diesen Kavernen unterirdische Kapellen und Kirchenräume herausgeschlagen. Die größte davon, die Kapelle der Heiligen Kunigunde, hat durchaus die Ausmaße eines Domes.

Spannend ist auch der Stadtteil Kazimierz. Das ehemalige jüdische Viertel (ursprünglich war es eine nach Kasimir dem Großen benannte eigene Stadt) gilt heute als künstlerische Oase und auch die jüdische Tradition ist allgegenwärtig, obwohl durch den Holocaust nur noch rund 150 Juden in Kazimierz leben. Ein weiterer Fixpunkt sollte der Besuch der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler sein. Im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Fabrik wurde 2010 ein Museum eröffnet, das der Geschichte Krakaus in den Jahren 1939–1945 gewidmet ist. Auch dieses Museum besticht durch modernste Aufbereitung seiner Inhalte und bleibt dabei immer dem tragischen Thema gerecht.

Krakau ist eine wunderbare Stadt. Und jedenfalls ein europäisches Städteziel, das auch mit allen europäischen Hauptstädten mithalten kann. Und sollten Sie sich für einen Besuch Krakaus entscheiden, dann könnten Sie danach noch ein paar ruhige Tage in der Benediktinerabtei Tyniec, etwa 20 Kilometer südlich von Krakau, anhängen. Die wurde im elften Jahrhundert gegründet und ein Besuchertrakt vor zwei Jahren neu restauriert. Der Blick aus den fernsehlosen Zimmern über die Weichsel ist sensationell und lässt Sie die wunderbaren Eindrücke, die Ihnen Krakau geliefert haben wird, in der notwendigen Ruhe verarbeiten. In Krakau sollte man gewesen sein.

Reiseführer
Die Reiseführer von Dorling Kindersley sind idealer Begleiter bei jeder Reise. Krakau gibt es in der aktuellen Ausgabe aus 2012 mit über 250 Seiten um rund 22 Euro im Buchhandel.

Weitere Informationen
gibt es im Internet unter www.krakov.pl sowie unter www.polen.travel. Die Abtei Tyniec finden Sie unter www.tyniec.benedyktyni.pl und das Salzbergwerg unter www.muzeum.wieliczka.pl.

Anreise
Tägliche Flugverbindung Wien–Krakau–Wien mit Austrian bzw. LOT. Oder mit den ÖBB.

Hotels
Am besten via booking.com buchen. Neu eröffnet hat das Vier-Sterne-Hotel Galaxy in guter Lage mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis (www.galaxyhotel.pl/de). Luxuriös schläft es sich im wunderschönen Radisson mitten in der Stadt (www.radissonblu.com).

Städtereisen, Fazit 83 (Juni 2012)

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