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Provinz ist dort, wo der eigene Horizont endet

| 20. Februar 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 90

Am letzten Sonntag sind die alpinen Skiweltmeisterschaften in Schladming zu Ende gegangen. Mir hat die WM Spass gemacht und die paar Rennen, die ich meistens am Schreibtisch via Internet gesehen habe, waren durch die Bank spannend.

Und spannend waren für mich auch die Reaktionen, die die Eröffnungsfeier in heimischen Qualitätsmedien wie dem Standard hervorgerufen hat. Alexandra Föderl-Schmid etwa, Chefredakteurin des Standard, musste sich gar »fremdschämen«. Jetzt ist sowieso größte Vorsicht geboten bei all jenen, die dieses Wort ironiefrei verwenden; Föderl-Schmid hat aber mit ihrer abschließenden Analyse, Österreich würde im Ausland als »Alpindodelvolk« wahrgenommen, einen rechten Geier abgeschossen.

Selbst wenn wir ihr zugutehalten, dass ihre ausländischen Freunde auch nur Föderl-Schmids sein werden, deren Reaktion die gute Dame da vorweggenommen hat, ist das doch ein starkes Stück und sagt viel mehr über ihre eigene Provinzialität aus als über jene des obersteirischen Schladmings. Und eine ähnliche offenbart auch der sehr geschätzte Gerfried Sperl im lachsrosenen Blatt. Dieser vermisste Hinweise auf so anspruchsvolle Themen wie »Klimawandel und Kunstschnee«, »Titan(en)-Material und Kunstgelenke« oder insgesamt »Steiermarks Herausforderungen« bei der Eröffnungsfeier. Beide, Föderl-Schmid wie Sperl, monierten übrigens (nona möchte man denken) das Auftreten des Export-Steirers Arnold Schwarzenegger. Der eine weniger, die andere mehr. Föderl-Schmid schaffte es allen Ernstes, bei einem Kommentar zu einer Sportveranstaltung den Bogen zur kalifornischen Todesstrafe zu spannen. Jetzt ist die Todesstrafe immer wieder abzulehnen, trotzdem gibt es geeignetere Zeitpunkte und Plätze für einen solchen Hinweis.

Mich ärgert deren kleingeistige Kritik übrigens nicht deshalb, weil da jemand »die Steiermark anpatzt«. Ganz im Gegenteil ärgert mich, dass diese beiden dann ja doch oft guten Journalisten in einer so abgehobenen Welt leben. Außerdem haben sie wohl noch nie eine Eröffnungszeremonie einer Sport-(Groß-)Veranstaltung gesehen. Die sind nämlich in aller Regel ein Topfen. Sogar der Chor aus behinderten Kindern bei den letztjährigen olympischen Sommerspielen konnte das nicht ändern. (Und das Budget von London spielte in einer ganz anderen Liga.) Die Steiermark hat sich bei dieser Feier so präsentiert, wie sie »auch« ist: nicht nur hochkulturell und eben ein bisschen Gabalier. Das ist ausnehmend gut so. Diese WM war eine tolle WM! Für die Steiermark und für ganz Österreich.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Editorial, Fazit 90 (März 2013)

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