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Zur Lage (62)

| 23. Oktober 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 97, Zur Lage

Wenig über die Wahl im Jahr 2008, quasi gar nichts über die im Jahr 2013. Schon etwas mehr über Monika Lindner und einen Grünen Mandatar. Sowie ganz kurz was über Plankosten.

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Die Satire hat ja immer dann wenig zum Lachen, wenn die Welt rundherum an Ernsthaftigkeit verliert. Dieser – selbst für mich – etwas abgehoben klingende Satz soll meinen: Was kann ich noch Amüsantes schreiben, wenn schon jede Nachrichtensendung ein mittlerer Schenkelklopfer geworden ist? Deswegen wollte ich diesmal mit einer »Lagenpause« beginnen; eine kleine Recherche hat mir dann aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mich hat nämlich, der Himmel weiß warum, interessiert, was ich anlässlich der 24. Nationalratswahl in Österreich, die war am 28. September 2008, in der damaligen Lage geschrieben hatte. Gar nichts! Stellen Sie sich das vor, ich habe überhaupt keine Zeile über diese mittlerweile vorletzte Wahl verloren damals.
Nicht einmal über den Willi Molterer und sein »Es reicht«, der ja – ex post gesehen, nachher ist man klüger – in letzter Konsequenz die Gunst der Stunde damals dann doch genutzt hat! Wir wissen es halt erst jetzt. Denn – ex post gesehen – hat er bei weitem nicht das schlechteste Ergebnis aller Zeiten für die ÖVP eingefahren! Ganz im Gegenteil hat dieser Zampano – möcht ich schreiben – ganze 10.000 Stimmen mehr für sich verbuchen können, als es Werner Faymann vor drei Wochen gelungen ist. Geschichte ist schon ein Hund. Willi Molterer hat gewissermaßen den »Kanzlerwechsel« vorweggenommen! Nicht, dass ich ihm jetzt ein Comeback an die Spitze der ÖVP empfehlen würde – die ÖVP hats so erwischt, die führt nicht einmal eine Obmanndiskussion –, aber Respekt muss ich ihm zollen.

Lassen wir das und kommen wir endlich zu Monika Lindner. Die hat immerhin 109 (einhundertneun) Vorzugsstimmen erhalten und will jetzt ihr Mandat, das sie eigentlich schon vor der Wahl zurückgelegt hat, doch im Interesse der Republik annehmen. Irgendein Schlauzi wird ihr wahrscheinlich gesteckt haben, dass sie nämlich trotz der erfolgten »Absage« an das Wunderteam Stronach in den Nationalrat einziehen kann. Dass sie als »wilde Abgeordnete« dort zwar nichts wirklich machen kann, wird die überaus erfolgreiche ORF-Managerin und danach noch erfolgreichere Epamedia-Beraterin in ihrem Tatendrang nicht aufhalten. Und die dreistelligen Millionenbeträge an Verlusten, die Epamedia, eine Raiffeisen-Konzerntochter übrigens, durch ihre oder zumindest während ihrer Beratertätigkeit gemacht haben soll, sind ja auch nur ein Online-Gerücht, auf das ich mich sicher nicht verlassen würde.

Ich hoffe inständig, Monika Lindner verlässt jetzt nicht der Mut, und sie überlegt sich das nicht noch einmal. Es sind genau solche Persönlichkeiten, die das österreichische Parlament braucht. Außerdem kann ihr eines niemand vorwerfen: Es handelt sich bei Monika Lindner ganz sicher um keinen der vielen sogenannten »Versorgungsfälle«. Ihre fünfstellige Pension muss da Ausweis genug sein, solche fadenscheinigen Unterstellungen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Der rührige Auch-Ex-ORF-Spitzenmanager Kurt Bergmann etwa hat Lindner aufgefordert, sie möge doch auf ihr Abgeordnetengehalt verzichten und dieses an sein »Licht ins Dunkel« übertragen. Da ist die Baldparlamentarierin aber Gott seis gedankt hart geblieben und hat die Fronten mehr als klargemacht. Sie könne sich einen solchen Verzicht »schon grundsätzlich vorstellen«, nur leider würden »ehrenamtliche, unentgeltliche Tätigkeiten nicht ernst genommen« in unserem nicht immer wunderbaren Land. Und deswegen wird sie wohl ihr trauriges Los ertragen und auch die Nationalratsgage – schweren Herzens – annehmen müssen.

Vor allem die hierorts so wenig ernst genommen Feuerwehrleute und Rettungsfahrer werden das gut verstehen. Noch dazu wo Monika Lindner ja Vizepräsidentin des Österreichischen Roten Kreuzes ist. Und damit wissen wird, wie unernst die zigtausenden freiwilligen Helferinnen und Helfer des Roten Kreuzes sind. Von der Freiwilligen Feuerwehr ganz zu schweigen.

Naja gut. Mir fällt bei der Geschichte der burgenländische Grünpolitiker und Landtagsabgeordnete, dessen Namen ich jetzt leider vergessen habe, ein. Der hat nämlich noch weniger Vorzugsstimmen als Frau Lindner, aber er ist ja auch schon in einem Parlament, im Landtag eben. Dort hat der jetzt endlich aufgeräumt mit der verstaubten burgendländischen Diskussionskultur. Und hat seine Mitstreiter aus der sozialdemokratischen Fraktion samt und sonders als, wie schreib ich das jetzt?, ja als das bezeichnet, was Goethes Götz von Berlichingen als jene Stelle angibt, an der man ihn »lecken möge«. (Ich denke, Sie wissen, was ich meine; meine leider absolut hinterwäldlerische und so gar nicht grüne Kinderstube verbietet es mir, dieses Wort hier niederzuschreiben.) Also, um genau zu sein, er hat nicht alle Sozen als solche »Stellen« bezeichnet, er hat die Poltitik der Sozen als »Stellenpolitik« geoutet.

Was wieder einmal zeigt, wie modern und nonkonformistisch unsere grünen Politiker sind. Und benehmen muss man sich ja heute nicht mehr können. Gutes Benehmen wird überschätzt. Wer will das heutzutage denn überhaupt noch?

Abschließend noch ein kleiner Gedanke über Plankosten von Großbaustellen und deren Einhaltung bzw. Überschreitung. Da wäre die Hamburger Elbphilharmonie, die war mit 77 Millionen Euro budgetiert und liegt derzeit bei bald 800 Millionen. Das Nürburgring-Projekt von Kurt Beck brachte einen Verlust von 250 Millionen Euro. Der neue Berliner Flughafen, der – wenn er jemals geöffnet wird – doch runde 2,6 Milliarden Euro mehr kosten wird als budgetiert. Oder am Flughafen Wien das Skylink-Terminal, bei dem alleine die (Mehr-)Kosten für das Heizungssystem über 30 Millionen Euro ausmachten. Alles Steuergelder wohlgemerkt. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage #62, Fazit 97 (November 2013)

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