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Zurück in die Zukunft

| 2. Juli 2015 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 114, Kunst und Kultur

Illustration: Steirischer Herbst

Der Herbst wird bunt und in der Steiermark ein wenig bunter als im Rest des Landes. Denn ein erster Blick in das Programm des Steirischen Herbst 2015 verspricht facettenreiche, kulturelle Auseinandersetzungen zum Thema Erbe. Von Barbara Jernej.

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»Zurück in die Zukunft« lautete der Titel einer populären amerikanischen Science-Fiction-Trilogie der Neunzehnachtzigerjahre, in der ein verrückter Professor und sein jugendlicher Kompagnon mit einer selbstgebauten Zeitmaschine allerhand Abenteuer erleben. »Back to the Future« lautet nun das Motto des Steirischen Herbst 2015. »Unsere Gegenwart ist die Zukunft von gestern«, übersetzt Intendantin Veronica Kaup-Hasler den Titel der filmischen Vorlage in einen realen Diskursmoment und macht damit bewusst, dass das Leben immer eine Art Zeitreise ist. In diesem Sinne wirkt das Programm wie ein Spiegel, in dem die Schatten der Vergangenheit mit den Gespenstern der Zukunft zu einem zeitlosen Ganzen verschmelzen. In enger Verbindung mit dem Zeitdiskurs stehen Fragen zum Thema Erbe: »Was erben wir und wie gehen wir damit um? Nach welchen Kriterien setzen wir die Prioritäten für die Zukunft? Was wird die heutige Generation ihren Kindern hinterlassen können?« Fragen, die nicht nur Kaup-Hasler schon einmal beschäftigt haben dürften, bilden den Anlass für unterschiedliche künstlerische Auseinandersetzungen.

Die Auftaktveranstaltung am 25. September in der Helmut-List-Halle wird vom österreichischen Komponisten Johannes Maria Staud und dem ebenfalls aus Österreich stammenden Literaten Josef Winkler gestaltet. Eigens für den Steirischen Herbst haben die beiden eine installative Konzertperformance unter dem Titel »Specter of the Gardenia oder Der Tag wird kommen« komponiert. Eine surrealistische Verbindung von Musik und Text, in der sich die Motive des kulturellen und geistigen Erbes gleich auf mehreren Ebenen ausdrücken.
Für die Gestaltung des Festivalzentrums im Graz-Museum zeichnet die italienische Architektengruppe »Orizzontale« verantwortlich. Ihre futuristischen Raumeingriffe dürften nicht nur bei Science-Fiction-Anhängern für große Augen sorgen. Dem Kulturauftrag des Landes folgend, trägt man das Programm auch heuer wieder in die Regionen. Aber welche Orte eignen sich am besten dazu, Kategorien wie Erbe und Zeit zu diskutieren?

Neben der Gemeinde Vordernberg und der Region Leoben, die von starker Abwanderung betroffen sind, wird man auch in Hart bei Graz die Zelte aufschlagen. Einem Gebiet, das im Gegensatz zu ersteren stetigen Zuwachs erfährt. Wie kommt das? Während man sich dem Phänomen in Hart bei Graz mitunter durch die humoristische Theaterperformance »Luise 37« der Rabtaldirndln zu nähern versucht, kann man sich in Vordernberg mit Produktionen wie »Black Moonshine. Die Essenz der Freiheit« vom Theater im Bahnhof oder einer Schnitzeljagd der österreichischen Gruppe »Nesterval« auf eine kaleidoskopartige Spurensuche begeben.

Einen ganz anderen Zugang zum Thema präsentiert die deutsche Künstlerin Ulla von Brandenburg mit einer Rauminstallation in der Leobener Porubsky-Halle. Sie macht deutlich, dass die fahlen Fassaden der Gegenwart nicht als Zeichen des Verfalls verstanden werden müssen, sondern als Inspirationsquelle und natürliche Projektionsfläche für phantastische Ideen genutzt werden können. Frei nach dem Motto »Ideen gut, alles gut!«, kann der Herbst also kommen.

Steirischer Herbst 2015
Back to the future
25. September bis 18. Oktober
steirischerherbst.at

Alles Kultur, Fazit 114 (Juli 2015) – Illustration: Steirischer Herbst

 
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