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Man wird sehen

| 22. Dezember 2016 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 129, Kunst und Kultur

Foto: Eva Hofer

Serienformate in Bewegtbild bergen hohes Suchtpotenzial. Ein neues Stück des »Theater im Bahnhof« nimmt sich dieses Phänomens nun an.

Der Streamingdienst Netflix hat die Welt endgültig in die Abhängigkeit gestürzt. Da passt es wie der Finger auf die Fernbedienung, dass der Film- und Serienanbieter in einer Studie erklärte, was es bedarf, um unsere Sucht auszulösen.

Die Schreibe ist von Seriensucht. Und wer es wissen will: »Breaking Bad« etwa – die erfolgreichste ihrer Zunft in der jüngeren Vergangenheit – um den zum Drogenboss mutierenden Walter White komme man ab jenem Moment nicht mehr aus, an dem man erblicken darf, dass auch ein braver Familienvater in Anbetracht von existenzsorgendsten Umständen einen Dealer in einer gemeinen Badewanne in Säure auflöst. Badewannendurchbruch ins untere Stockwerk inklusive. Klingt jetzt vielleicht für all jene, die dieses Stück Fernsehgeschichte nicht kennen, bereits wie ein erfolgreicher Spoiler, wie es so schön heißt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die eigentliche Geschichte ist, dass Serien wahrlich eine beeindruckende Rolle in unserer Bewegtbildkonsumschaft eingenommen haben. Ja, auch früher gab es »Dallas«, »Bonanza« oder »Reich und schön«, aber doch ist der Kult um Serien, in denen sich schon seit einiger Zeit auch die großen Hollywoodstars ein Stelldichein geben, wahrlich eines dieser Phänomene der Gegenwartskultur.

Womit wir dann wieder von der flimmernden zur realeren Unterhaltungsbühne wechseln können: Das Theater im Bahnhof, das sich – ebenfalls bereits seit einiger Zeit – der schauspielenden Aufführung diverser Gegenwartskultur verschrieben hat, startet unter anderem mit »Serienjunkies. Ein Abend mit Suchtpotenzial.« ins neue Jahr. Ein Stück über den Drang, den Druck und die Notwendigkeit, jede verdammte Folge so verdammt nochmal schnell wie möglich aufzusaugen, weil es schlicht und ergreifend von fundamentaler Bedeutung ist, zu erfahren, ob der ehemals biedere Chemielehrer vom lauten Prollschwager nun überführt wird oder nicht. Schon wieder ein »Breaking Bad«-Spoiler. Die Unwissenden mögen verzeihen.

Die Serienjunkies des Theater im Bahnhof sind Beatrix Brunschko und Jacob Banigan. Und der Veranstalter verspricht, das Stück sei besser als Fernsehen. Dass der Schauplatz der improvisiert-aufgeführten Serie ein idyllischer Ort in der Obersteiermark ist, sollte nicht von Nachteil sein. Und gibt es hier nun etwa auch Suchtgefahrpotenzial? Man wird sehen.

Die Serienjunkies. Ein Abend mit Suchtpotenzial

Immer am Sonntag, vom 29. Jänner bis inklusive 5. März im Theater im Bahnhof, Graz, Elisabethinergasse
theater-im-bahnhof.com

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Alles Kultur, Fazit 129 (Jänner 2017) – Foto: Eva Hofer

 
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