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Reine Assimilierung nützt nichts

| 27. April 2017 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 132, Kunst und Kultur

Foto: Georg Soulek/Burgtheater

Wer »Geächtet« von Ayad Akhtar auf eine deutschsprachige Theaterbühne bringt, kann sich auf einen großen Erfolg verlassen. Das Stück wird derzeit auf allen wichtigen Bühnen landauf, landab gespielt. Das Burgtheater machte sich damit vergleichbar und schaffte es, mit der schnörkellosen Inszenierung von Tina Lanik zu überzeugen.

::: Text von Andreas Pankarter
::: Hier im Printlayout online lesen

Der New Yorker Autor Ayad Akhtar, selbst Sohn pakistanischer Einwanderer, hat mit »Geächtet« 2012 den Pulitzerpreis gewonnen. Er stellt den aufgeklärten, aber nur oberflächlich toleranten und liberalen New Yorker Bildungsbürgern den voll assimilierten Moslem gegenüber, der sie vor der Indoktrination durch den Koran warnt. Die zahlreichen herablassenden Kränkungen gegenüber seiner Kultur und Religion will dieser aber dennoch nicht auf sich sitzen lassen. In diesem Zusammenhang erscheint die Übersetzung des Originaltitels »Disgraced« mit »Geächtet« nicht vollständig, denn auch »Geschändet« oder »Entwürdigt« wären durchaus passend gewesen.

Dass sich der Islam in Zeiten wie diesen nur bedingt als Smalltalkthema eignet, liegt auf der Hand. Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Amir Kapoor ist selbst Muslim mit pakistanischen Wurzeln. Er hat sich jedoch weitgehend kulturell assimiliert und sich vollständig vom Islam losgesagt, den er für eine rückständige und gewalttätige Religion hält. Amir soll Partner in einer jüdischen Anwaltsgesellschaft werden. Als ihn seine Frau, die von islamischer Kunst inspirierte Künstlerin Emily, und sein Neffe Abe ersuchen, an der Verteidigung eines Imams, der aufgrund des »Patriot Acts« der Terrorfinanzierung angeklagt ist, mitzuwirken, lässt sich Amir breitschlagen. Und als die Times über den Prozess berichtet, muss sich Amir seinen muslimischen Wurzeln stellen.

Als Amir und Emily eine Dinner Party geben, an der auch Isaac und Amirs Kollegin Jory teilnehmen, stellt sich schon bald die Frage: Wie hältst du’s mit der Religion?  Ursprung der Eskalation bilden die Islamophobie, aber auch die Naivität, mit der westliche Intellektuelle den Gefahren des Islam begegnen. Das Stück bedient also die Vorurteile beider Seiten – die der Islamophoben und die der Fans der Willkommenskultur.

Als Amir von Isaac als ein sich selbst hassender Karrierist, der seine Wurzeln verleugnet, in die Enge getrieben wird, reagiert er verhängnisvoll. Der Moslem, der immer noch in seinen Knochen steckt, habe einen Hauch von Stolz verspürt, als die Zwillingstürme einstürzten. Das sei ein Gefühl, vor dem es ihn zwar ekle, das er aber nicht unter Kontrolle habe.

Fabian Krüger schaffte es, als Amir voll zu überzeugen. Er brilliert mit der Darstellung der Vielschichtigkeit dieses Charakters. Nicholas Ofczarek gibt den weltoffenen, jüdischen Museumskurator Isaac, der Emily groß herausbringen will. Ofczarek spielt den Isaac ziemlich extrovertiert. Die herablassende Arroganz, die er dem Charakter verleiht, macht ihn glaubwürdig. Katharina Lorenz gibt Amirs Ehefrau, die Künstlerin Emily. Sie bedient dabei ebenso die gängigen Klischees wie auch Isabelle Redfern, die als karrieregeile Anwaltskollegin von Amir genau das darstellt, was sich der Zuseher unter einer New Yorker Junganwältin vorstellt.

Geächtet von Ayad Akhtar im Burgtheater, Wien
Nächste Vorstellungen am 22. und 23. 5.
burgtheater.at

Die Inszenierung wird vom Voestalpine-Konzern gesponsert, der seine diesbezüglichen Aktivitäten nun vom Spitzensport in Richtung Hochkultur verlagert. Konzernchef Wolfgang Eder sieht die Unterstützung des Burgtheaters als Teil der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens und als Beitrag zum aktuellen gesellschaftspolitischen Dialog. Fazit wurde zur Vorstellung eingeladen.

Alles Kultur, Fazit 132 (Mai 2017) – Foto: Georg Soulek/Burgtheater

 
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