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Zur Lage (82)

| 29. Juni 2017 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 134, Zur Lage

Über meine große Dankbarkeit für das segensreiche Wirken der Abgeordenten des Europaparlaments, vor allem über das Aus für die Roaminggebühren in der EU und über mein Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens, dem Lau.

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Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen und einmal einfach nur Danke sagen! Seit 15. Juni dieses Jahres sind Roaminggebühren innerhalb der Europäischen Union Geschichte. Der Präsident des Europäischen Parlaments Antonio Tajani hat in einer Rede an diesem neuesten Feiertag der jüngeren europäischen Geschichte gemeint, er sei stolz darauf, daran erinnern zu können, dass »heute die Roaminggebühren in der Europäischen Union fallen«. Danke, oh weiser Antonio Tajani!

Und all den vielen EU-Parlamentariern, die sich als Vielreisende in Europa besondere Kompetenz in Sachen Roaming angeeignet hatten und durch die Bank via Twitter oder Facebook das Ende dieser nicht zuletzt auch persönlichen Mehrspesen abfeierten, sei ebenfalls gedankt! Da ich sie nicht alle namentlich hier anführen kann, richte ich meinen Dank stellvertretend an den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Junker und an den großen Europäer Martin Schulz. Lieber Martin Schulz, ich rufe Dir zu und ich muss – nicht aus mangelndem Respekt, sondern in tiefer europäischer Verbundenheit – Dich so vertraut anrufen, Dich, der Du Dein Stroh jetzt andernorts verfeuerst und für das europäische Wohl erst nach der bundesdeutschen Wahl wieder wirst Zeit haben, dann hoffentlich an gut dotierter Position!, ich danke Dir! Und lieber Jean-Claude Junker, auch Dir darf ich ebenso verbunden meine tiefe Dankbarkeit versichern und Dir zuprosten!

Was genau billiger wurde bzw. welche Kosten jetzt »gefallen« sind, muss man sich übrigens im Detail anschauen. Grundsätzlich braucht man nicht mehr – so wie es früher durchaus wirtschaftlich anmutend der Fall war – mehr fürs Telefonieren innerhalb seines Heimatlandes zahlen, wenn man sich nicht innerhalb seines Heimatlandes befindet; sondern eben das Mobilfunknetz eines anderen Mobilfunkanbieters verwenden muss. Weiterhin mit höheren Kosten verbunden ist selbstverständlich das Telefonieren ins Ausland, also in fremde Mobilfunknetze, ganz egal wo man sich gerade befindet. Das ist aber im allgemeinen Freudentaumel etwas untergegangen. Und wirft nur einen ganz kleinen Schatten auf die vielen »Das Ende des Roamings bringt Menschen miteinander ins Gespräch.«-Sager von unseren tüchtigen Europarlamentariern. Denn wir Österreicher können untereinander nun kostengünstiger »ins Gespräch kommen«, sollte einer von uns Österreichern jetzt etwa in Triest sein. Ist keiner in Triest, konnten wir das vorher schon. Mit anderen Europäern weiterhin nicht. Und eigentlich können wir es auch ohne Triest nicht mehr ganz, denn zumindest kurz muss ich darauf hinweisen, dass Österreichs größter Mobilfunkanbieter schon am 1. Mai seine Tarife insgesamt angehoben hat. Sprich die entgangenen Einnahmen durch die neue Regelung damit wohl zu kompensieren gedenkt. Egal.

Dass dieses Roaming-Aus natürlich nur einen Zwischentritt hin zur totalen Abschaffung aller marktrelevanten Gesetze darstellen kann und seitens der Europäischen Union da noch viel zu tun ist, hat dankenswerterweise die Generaldirektorin des Europäischen Verbraucherverbandes, Monique Goyens, gut zusammengefasst: »Das Ende der Roaminggebühren bedeutet noch nicht, dass sich jeder Europäer ein schickes Smartphone kaufen und sich einen teuren Datentarif leisten kann.«

Jetzt, wo die Europäische Union unabhängigen und freien Unternehmen mittels Parlamentsbeschluss in Straßburg – oder war es doch in Brüssel, egal, sie telefonieren jetzt eh alle gratis hin und her – vorschreibt, wie und in welcher Höhe sie welche Leistungen zu verrechnen haben, kann es doch nur mehr Sache von wenigen Ausschusssitzungen sein, per Resolution oder von mir aus auch per Akklamation jedem gerade in der Europäischen Union Anwesenden ein »schickes Smartphone« zu garantieren.

Was mich darauf bringt, Sie noch wissen zu lassen, dass auch ich mich jetzt den modernen Zeiten nicht mehr länger versagen will. So viele kontinentale Großleuchten und Intellektuellendarsteller haben in so vielen Interviews und noch kleineren Wortspenden zu Verstehen gegeben, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle – alle, die gerade da sind natürlich nur! – ist alternativenlos! Lange war es ja nur der Gründer dieser Drogeriemarktkette – wobei, bei ihm verstehe ich ja dann nicht ganz, warum er mir die Pampers nicht gleich so gibt, aber gut, das würde jetzt ausufern –, der für dieses Grundeinkommen stark eingetreten ist.

Mittlerweile kann man aber eben bald davon sprechen, dieses Konzept ist im Mainstream angekommen. Und auch wenn ich mir lange nicht vorstellen konnte, wie das funktionieren solle, habe ich durch meinen Paradigmenwechsel dieses Vorstellungsproblem einfach weggekürzt und bin nun ein überzeugter Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens. Zudem habe ich einige systemische Schwachstellen entdeckt und arbeite intensiv an einer Verfeinerung dieses – wie ich es nenne – »Geld für Lau« (kurz Lau). Ein wesentlicher Denkfehler besteht nämlich bei allen mir bekannten Konzepten: Die deckeln das mit irgendeiner aus dem echten Leben bekannten Eurogröße! Dabei muss das nicht sein! Da man ja für nichts etwas bekommt, es also außer dem Verkonsumationsversprechen keine Gegenleistung für Lau gibt, kann Lau beliebig hoch sein! (Dass ich den Linken sowas sagen muss, die Welt kann ja nicht mehr lange stehen …) Und damit ist dann nicht nur das schicke Smartphone, nein auch das geile Tesla-S-Modell und die Tiefgarage dazu unter dem ebenfalls schicken Einfamilienhaus für jeden Europäer nur mehr eine Frage von wenigen Parlamentstagen des Straßburger Wunderhorns. Bleiben wir ihm gewogen.

Zur Lage #82, Fazit 134 (Juli 2017)

 
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