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Denk ich an Schland late-night …

| 20. Dezember 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 149, Kunst und Kultur

Ungereimtes über den Krampus und politische Dummheit. Ein Text von Michael Bärnthaler.

Als Österreicher ist man zugleich Deutscher und nicht Deutscher, eine seltsame Position. Man ist ein Zaungast, ein Beobachter deutscher Zustände, der halb dazu gehört, halb draußen bleiben muss. Die Konstellation hat, wie jede Konstellation, eine Geschichte, eine komplizierte gar, doch nicht darum soll es in diesem kurzen Text gehen, sondern – um Deutschland. Während bei uns in Österreich die Krampuszeit nun vorbei ist, muss für Annegret Kramp-Karrenbauers Wirken in der Bundesrepublik ein wesentlich größerer Zeithorizont veranschlagt werden. Acht Jahre jünger als Merkel, scheint schon ihr Äußeres für Kontinuität zu bürgen. Und Kontinuität ist ja oft etwas Gutes, wirklich, ich schätze Kontinuität, ja, es gibt vielleicht sogar ein Menschenrecht auf Kontinuität! Aber manchmal, manchmal will, manchmal braucht man doch etwas Veränderung …

Die CDU hätte die Chance gehabt, nach dem Motto »Repent and submit to Friedrich Merz« ein Stückchen nach – huch! – rechts zu rücken, und es war ja auch knapp auf dem Parteitag in Hamburg, doch das Schicksal der Partei wie dasjenige Deutschlands ist nun ein anderes. Shit happens. Dass auf Merkel eine Politikerin folgt, die ein bisschen wirkt wie die kleine Schwester der Kanzlerin, ist kulturell bedeutsam, hat Signalwirkung: Frau übergibt an Frau, die Muttis sind gekommen, um zu bleiben! Natürlich, wie könnte es anders sein? Die Zukunft ist doch weiblich … Eine Frau zu sein, ist heute in Deutschland sicher kein Nachteil mehr für die politische Karriere, wahrscheinlich ist es sogar ein Vorteil. Man muss aber auch das Positive sehen: Der Krampus hat drei erwachsene Kinder, Annegret ist eine echte deutsche Mutter.

Ist das schon aggressiver Feminismus? Oder ist es aggressiver Humanismus – wie ihn das Zentrum für Politische Dummheit unter Philipp Ruch für sich reklamiert? Hauptsache, es ist kein Maskulinismus, das wäre wirklich pfui. Aber Aggressionen haben wir doch alle, und Humasimmsumm – da simma dabei, das ist prima! Natürlich, die Aktionen des Zentrums für Politische Dummheit, die mit ermüdender Regelmäßigkeit in Schland für Furore sorgen, sind etwas, das man am besten ignoriert. Weil der aggressive Humanist, der natürlich auch ein großer Künstler ist, ja vor allem Aufmerksamkeit will – für seine Aggressionen, seine Menschlichkeit, sein kurzes Leben.

Wir müssen ihm diese Aufmerksamkeit nicht geben. Andererseits müssen auch wir uns mit irgendetwas beschäftigen, und weil wir uns langweilen, sagen wir dann doch wieder so etwas wie: »Ah, das Zentrum für Politische Dummheit! So dumm!« Denn sie wissen nicht, was sie tun … Sie haben keine Ehrfurcht vor der Komplexität der Wirklichkeit … Ich wünsche Frohe Weihnachten.

Alles Kultur, Fazit 149 (Jänner 2019)

 
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