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Über eine Metro für Graz soll jedenfalls intensiv weiter nachgedacht werden

| 4. März 2021 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 170

Die Stadt Graz hat mit einem bahnbrechenden Zukunftsprojekt für die Entwicklung der steirischen Landeshauptstadt aufhorchen lassen. In einem Video der Grazer Stadtwerke (Graz-Holding) wurden die Pläne für eine – in der ersten Phase – über zwei Linien verfügende U-Bahn präsentiert.

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Diese Mini-Metro  soll zum einen vom Berliner Ring zum UKH in Eggenberg (M1) und zum anderen von Gösting nach Webling (M2) führen; zentraler Knoten und Treffpunkt beider Linien soll der Jakominplatz sein. Das Streckennetz wird rund 25 Kilometer lang und die Züge werden ohne Fahrpersonal unterwegs sein. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird bei 40 Stundenkilometer liegen und die Kapazität bei 200.000 Fahrgästen pro Tag. Bisherige Kostenschätzungen machen 3,5 Milliarden Euro aus, die Bauzeit soll zehn bis 15 Jahre betragen.

Als Grazer gefällt mir diese Vision für meine Heimatstadt sehr. Und ich denke, dass so eine U-Bahn für den zweitgrößten Siedlungsraum der Republik und das Ballungszentrum mit den stärksten Zuwachsraten Österreichs, eine große Chance darstellen kann, die Verkehrsproblematik in den Griff zu bekommen. Und damit die Landeshauptstadt so aufzustellen, dass sie infrastrukturell für die nächsten einhundert Jahre gut dasteht. Ich hoffe also, dass weitere Überlegungen und Präzisierungen des Projektes stattfinden, um mir dann eine abschließende Meinung zu bilden.

Natürlich haben solche Großprojekte in Zeiten moderner Demokratien immer mit ungeheurem Gegenwind zu rechnen. Was grundsätzlich nichts Schlechtes ist, die Lautstärke und Schlagzahl der ablehnenden Stimmen gegen diese, meines Erachtens sinnvollen Überlegungen, hat mich dann doch etwas überrascht. Der steirische ORF und auch die Kleine Zeitung verharren noch in einer eher vorsichtigen Abwartehaltung mit doch deutlichen Tendenzen dazu, gegen das Projekt Stimmung zu machen. Dass die Grünen dagegen sind, wird niemanden überraschen, zeichnet sich doch diese Partei in erster Linie dadurch aus, einer Verbots- und Verhinderungspolitik anzuhängen, die nie bis selten für etwas war, was nicht aus deren von absoluter Weisheit gestraften Denkschmieden hervorgegangen ist. Etwa unsere Infrastrukturministerin bzw. eigentlich Klimaschutzministerin, aber irgendwie ist sie auch für Infrastruktur zuständig, Leonore Gewessler. Die hat in einer ersten Stellungsnahme zwar eingestanden, »im Detail wenig von dem Projekt zu wissen«, aber dann doch deutlich gemacht, dass es darum gehen solle, »bestehende Systeme« (die Straßenbahn, die im Übrigen zur Stunde in Graz ordentlich erweitert wird) auzubauen. Und damit zwischen den Zeilen der Metro-Idee für Graz einmal eine Absage erteilt. Die Grazer Grünen wiederum sind vor allem betroffen, dass die Stadt sich nicht ausschließlich darum kümmert, das von ihnen vorgelegte Konzept eines »Grazer S-Bahn-Ringes« ehebaldigst umzusetzen. Ein Projekt, von dem jetzt ich im Detail wenig weiß, das mir aber – in groben Zügen begutachtet – auch nicht gerade als Stein der Weisen daherkommt.

Wirklich traurig stimmt mich die große und reflexartige Ablehnung der Grazer SPÖ, deren grundsätzlich sympathischer und kompetenter Parteichef Michael Ehmann geradezu blitzartig eine »Ideenschmiede aus dem Bürgermeisteramt« kritisiert und damit versucht, die Grazer Volkspartei ein weiteres Mal als »Seifenblasenproduzenten« zu outen. Ganz klar, eine Oppositionspartei kann, soll und muss sogar die regierende Fraktion immer und immer wieder kritisieren, was Ehmann aber nach meinem Dafürhalten übersieht, ist der Umstand, dass die seit dem Jahr 2003 von Siegfried Nagl geführte Stadt den Mittelpunkt einer der schönsten und lebenswertesten Regionen Mitteleuropas darstellt. Und sich gerade in den letzten 20 Jahren hier enorm viel getan und verbessert hat.

Ich halte es für eine der wesentlichen Aufgaben der Politik, neben dem Tagesgeschäft  auch Ideen, Überlegungen und Visionen zu präsentieren, wie sich unser Umfeld, unsere Gesellschaft verändern soll. Mag sein, dass bei vielen Vorschlägen des Bürgermeisters auch Unausgegorenes dabei war – die Gondelsache hab ich im Grunde nie richtig verstanden –, was Nagl aber auszeichnet: Er hat Ideen! Und wenn man sich eben dieses schöne Graz anschaut, dann kann man eigentlich nur ohne Neid eingestehen, alles kann dieser Bürgermeister nicht falsch gemacht haben. Ganz im Gegenteil.

Editorial, Fazit 170 (März 2021)

 
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