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Zur Lage (25)

| 23. Februar 2010 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 60, Zur Lage

Wenig über das Rauchen, nichts Wesentliches über Alfons Haider, fast nur Gekupfertes über die Zeit und ganz sicher nichts über Claudia von Werlhof.

Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe ja gar keine Lage nicht schreiben. Nicht, weil ich mich drücken wollte und auch nicht, weil ein Fast-Bandscheibenvorfall mein Kreuz die letzten Tage hat schmerzen lassen, sodass die Umbauarbeiten im eigenen Haushalt ganz ohne mein Zutun von Eltern wie Schwiegereltern und der besten Ehefrau federführend erledigt wurden. Aber das führt zu weit. Fangen wir nochmals an.

Keine Lage also. Erstens, weil sich – Sie erinnern sich vielleich noch, früher einmal habe ich Ihnen an dieser Stelle mein »Objekt der Begierde« offenbart – mittlererweile wieder einige Dinge angesammelt haben, die es unter diesem edlen Topos abzuarbeiten gelte. Alleine wenn ich an diesen Audi der Zehnerjahre, den Citroën C5 denke, könnte ich ins Schwärmen geraten. (Aber das darf ich den Damen und Herren von Salis & Braunstein hier nicht auf die Nase binden, wie toll mir das bei denen sicher gut zu erwerbende Auto gefällt. Sie wissen eh, Verhandlungstaktik und so.) Oder das Café Weitzer. Ein Highligt in Graz. Wahrscheinlich das Kaffeehaus in Graz. Nurraucher bitte sehr, das muß man mögen; gut, essen tun wir sowieso im Steirer daneben (und das noch dazu ausgezeichnet), also stört das mit dem Rauch nicht allzusehr. Wobei, ich muß Ihnen gestehen, ich wäre ja für ein allgemeines Rauchverbot in Lokalen (in Speiselokalen zumindest). Ich tät weniger rauchen und vor allem weniger stinken. Aber nach mir gehts ja nicht.

Wenn wir grade bei Kaffeehäusern sind, darf natürlich Rudi Lackners Kaiserfeld nicht fehlen. Das ist sicher das Kaffeehaus in Graz. Wobei, darüber möcht ich mich jetzt auch nicht weiter verbreitern, weil dort sind eh schon soviel Menschen jeden Tag. Außerdem ist das Eleonors (nur wenige Schritte daneben) ebenfalls nicht zu verachten.

Zweitens wollte ich keine Lage schreiben, weil sich die Lage zumindest in groben Zügen der politischen (es ist ja alles Politik, Baby!) Satire verschrieben hat. Und da kann ja bitte – ich schon gar nicht – niemand auch nur annähernd Erheiternteres sich einfallen lassen, als uns sowieso tagtäglich in diversen Gazetten und auf ein paar Fernsehsendern präsentiert wird. Peter Aufdecker Pilz etwa, der wollte diesen Aschermittwoch »mit Intelligenz, Ironie, Kultur und Spaß etwas dem politischen Deppentag gegenüberstellen«. Also Ironie vielleicht, Spaß, ich weiß nicht (die machen mir oft Sorgen, die immer soviel Spaß suchen), über Intelligenz kann man streiten, aber Kultur hat er mit diesem Sager eindeutig keine bewiesen. Schon gut, er hat das Böse unter der Sonne gemeint, trotzdem bleibt das stillos. Oder dieser interessante Vorwurf, den H.C. Strache an Verteidigunsminister Norbert Armyvideo Darabos gerichtet hat. Es soll (laut Die Presse) um eine »Samenspende des Ministers« gehen. Also ich hab da nicht mehr nachgelesen, zu bunt waren da schon die Bilder im Kopf.

Apropos bunt, da fallt mir der Opernball ein. Ich konnte ja der Übertragung nicht anheim fallen, weil ich, bei einem wunderbaren Geburtstagsfest eingeladen, verhindert war. Dabei hätte ich sehr gerne gesehen und gehört, was der Bundespräsident der V.u.V. Donaurepublik dem Moderator Alfons Haider auf den Weg mitgegeben hat. War hoffentlich was Konziliantes, nicht allzu Verlogenes und schon gar nicht …

Genau, verlogen. Da denk ich an die aktuelle Ausgabe der Zeit. Da muss ich jetzt  kurz ausholen. Vor einiger Zeit hat so eine Göre ihre zwei, drei – den Doppelkonsonanten wenig verdienende – Annalen zusammengefügt und wird dafür ordentlich beachtet. Gut, das deutsche Feuilleton wurde treffsicher bedient: Sie ein Backfisch, Tochter eines Theaterschaffenden (das noch dazu im Osten), Scheidungskind (wenigstens aber getrennte Eltern), vögelt in Berlin oder Taxis, der eine Rausch hier, der andere Abort da. Wenn das nicht der Stoff ist, aus dem etwa Ursula-März‘sche Träume sind. Beachtet wurde sie also.
Tolle Sache. Und dann wurde das mit dem Abschreiben bekannt. »Puh« raunte es durchs Land. Eine Welle der Erregung. Abgeschrieben der Roman! Sie, nicht blöd und rotzfrech, eine Göre eben im besten Sinne, stellt das dann als Selbstverständlichkeit hin.

»Puh« denkt sich das deutsche Feuilleton abermals um einmal abzuwarten. Und jetzt bin ich bei der aktuellen Ausgabe der Zeit. Was ist dort am Titel? Dieses Dirndl, dieser ausgefuchste Werbeschmäh, Helene Hegemann mit ihrem Roman »Axolotl Roadkill«. Noch dazu in einer Reihe mit Thomas Mann (!!!), Georg Büchner (!!) und Bertold Brecht (gut, …) Das ist ein starkes Stück, das schlägt dem Fass den Boden aus. Neidisch bin ich, werden Sie sagen und haben natürlich ein wenig Recht damit. Trotzdem, am Cover. Mit Thomas Mann! Also frage ich Sie: Wofür brauch ich noch eine Lage schreiben? Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage 25, Fazit 60 (März 2010)

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