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Die Haubentherme. Der Bleibergerhof im Fünfjahrestest

| 24. Oktober 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 87, Fazitportrait, Fazitreise

Thermen- und Wellnesshotels gibt es viele. Aber welches hat das Zeug dazu, zum wiederkehrenden Ziel einer Familie im Herbst zu werden? Wir haben für Sie aus drei Topthermenhotels Österreichs eines ausgesucht und den Bleibergerhof bei Villach einem Fünfjahrestest unterzogen.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Wenn man von Villach nach Westen fährt, kommt man nach zehn, fünfzehn Fahrminuten nach Bad Bleiberg. Dort, malerisch eingebettet zwischen Dobratsch und Erzberg, liegt die kleine Bad Bleiberger Katastralgemeinde Hüttendorf. Auf etwa 950 Metern Seehöhe gelegen, muss das der Ort gewesen sein, an dem sich Fuchs und Henne das erste Mal »Gute Nacht« gesagt haben. Und wie das in aller Regel so ist mit solchen Orten, ist es dort wunderschön. Dabei war Bleiberg in früheren Tagen durchaus von beachtlicher Größe. Mehr als 4000 Einwohner tummelten sich noch Ende des 18. Jahrhunderts in dieser Bergwerksregion voller Blei und Zink; heute leben 2000 Menschen in Bad Bleiberg, 500 von ihnen in Hüttendorf. 1951 erfolgte ein Wassereinbruch in einem der Stollen und, kein Fluch ohne Segen, das war auch schon der Beginn der Thermalbadzeit in Bleiberg.

2006 wurde dann, direkt am Kurzentrum Bad Bleiberg der gleichnamige Hof (neu) gebaut und stellt seitdem ein touristisches Highlight weit über Kärntens Grenzen hinaus dar. Und es war der Bleiberger Hof, den meine Frau und ich im Jahr 2007 auf unsere »Shortlist« aufnahmen, um einen familiären Herbst-
urlaubsfixpunkt auszusuchen. Die beiden anderen Wellnesstempel waren das (damalige) »Intercontinental Loipersdorf« (heute »Hotel Loipersdorf«) und der »Steirerhof« in Bad Waltersdorf.

Alle drei Hotels haben wir damals innerhalb von zwölf Monaten besucht und alle drei waren gut und nicht ganz billig. Der Steirerhof vor allem nicht ganz billig und Loipersdorf (knapp aber doch) nicht ganz so gut wie eben der Bleiberger Hof. Seitdem bin ich also jedes Jahr im Herbst – mal früher, mal später – dort zu Gast und habe es noch kein einziges Mal bereut. Die Thermal- und Wellnesslandschaft, die das seit 2008 von der Falkensteinerkette betriebene Hotel bietet, ist großzügig gestaltet und lässt keine Wünsche offen, wenn es um Saunieren, Dampfbaden oder auch bloßes Schwimmen geht. Und dieses »großzügig« wurde 2010 noch um einen Zubau – eine Ruheoase – erweitert. Auch die Gartenarchitektur der Außenanlagen ist ausnehmend gelungen.

Wunderbare Wellness
Ganz besonders angetan hat es uns übrigens das falkensteinereigene Wellnesskonzept »Acquapura SPA«, wo man Massagen, Peelings, diverse Kräuterbäder (»Kärnten SPA«), Bürstenmassagen und zahlreiche weitere Wohlfühlbehandlungen in schlichter Eleganz genießen kann. Ich etwa hätte mir nie gedacht, dass ich jemals eine Gesichtsmaske brauchen würde. Nie hätte ich mir das gedacht, bis dieses wunderbar fachkundige SPA-Team mir erstmals eine angelegt hat. Jetzt, zumindest bilde ich mir das ein, brauche ich sowas einmal im Jahr. Mindestens.
Die Zimmer im Bleibergerhof sind in allen Kategorien mehr als in Ordnung. Wir nehmen meist ein einfaches Doppelzimmer mit Blick auf den Wellnessbereich. Wobei ich anführen muss, dass wir leider auch ein-, zweimal eine Suite hatten – ich werde diese Nacht nicht vergessen, als Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde und ich das, ohne meine Frau zu stören, im Fernsehen verfolgen konnte –, die natürlich schon einen besonderen Reiz darstellt. Noch ein bisserl größer, noch ein bisserl luxuriöser halt. Wobei, Sie werden ja nur schlafen in Ihrem Zimmer, weil tagsüber ruht, liest und relaxt es sich sowieso besser in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten und abends, ja abends erwartet uns erst der eigentliche Höhepunkt des Bleibergerhofes.

Sensationelle Küche
Haubenkoch Georg Klammer leitet die Küche – der Bleibergerhof ist meines Wissens die einzige Falkensteinerdestination, deren Gastronomie mit einer Haube ausgezeichnet ist – und er leitet diese mit vollendeter Raffinesse. Wir haben jetzt so plusminus an die 20 Abendessen im Bleibergerhof hinter uns und ich schreibe Ihnen, jedes einzelne davon war ein lukullischer Höhepunkt! Der Kalbsrücken mit Petersilienwurzelpüree und Madeirasauce oder das Lachsfilet auf Cremespinat (Was ein Spinat!) und Trüffelsauce (Was eine Sauce!), ganz zu schweigen von der rosa gebratenen Spannferkelkrone (die sich das zweite »n« sowas von verdient hat!) mit Süßkraut und Brezenknödel an Kümmelhonigsauce … hach, mir lässt die Erinnerung das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und erst die Nachspeisen, die Klammer jeden Abend auf den Teller zaubert! Moccamousse im Baumkuchenmantel! Bayrische Creme mit Erdbeersalat! Eine wahrhaft unglaubliche Harmonie des Geschmacks führen dieser Spitzenkoch und sein Spitzenteam tagtäglich zu seiner Uraufführung. Dass der Weinkeller dabei zwar nicht zeitgeistig überbestückt ist, aber jedenfalls die richtige Weinbegleitung erlaubt (dieses Jahr hatten wir jeden Abend eine Flasche vom gemischten Satz vom Weingut Zahel aus Wien; sehr empfehlenswert! Überhaupt, die Wiener und die Niederösterreicher, puh sind die vorne), versteht sich von selbst.

Und nach dem Essen bietet dieses rundum angenehme Hotel dann noch den kleinen wie feinen Luxus einer  ausreichend – wir sind nicht in New York – beflaschten Hotelbar. Das Ganze übrigens, ich habs noch nicht ausreichend erwähnt, bespielt von fast ausschließlich mit Freude an die Arbeit herangehendem Personal. Vom schlicht und einfach perfekten Frühstück und von herrlichen Leckereien tagsüber im Hotel brauch ich hier nicht zu erzählen. Gast, was willst du mehr? Die nächsten fünf Herbste in Kärnten können kommen.

***

::: Anreise & Kosten
Am besten reisen Sie mit dem Auto an, von Villach sind es noch rund zehn Minuten Weiterfahrt. Oder mit der Bahn und einem Taxi. Eine sehr gute Zeit für das Hotel Bleibergerhof ist wohl der (Spät-) Herbst und der Frühling. Idealer Anreisetag ist jedenfalls der Sonntag. Für zwei Personen und drei Nächte sollten Sie mit 700 bis 1200 Euro (Massagen etc.) rechnen. Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten finden Sie unter falkensteiner.com

::: Umgebung
Sollten Sie dazu kommen, das Hotel zu verlassen, können Sie ausgiebige Wanderungen unternehmen und die Deutsche oder die Windische Kapella am Dobratsch besuchen. Oder Sie fahren auf einen Kaffee nach Villach. Weitere Infos unter bad-bleiberg.at

Reisen – Fazit 87 (November 2012) Foto © Falkensteiner

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