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Steirische Ärztekammer warnt vor »Elga«

| 1. April 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Aktuell

Foto: Ärztekammer Steiemark/SchifferWenige Monate vor Start der elektronischen Gesundheitsakte (abgekürzt »Elga«) sieht der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner (Foto) das Gesundheitsministerium in ein Informationsdebakel schlittern. Die Ärzte warnen vor massiven Datenschutzproblemen. Auch aufgrund der mangelhaften »Usability« des Elga-Systems sowie ungeklärter Haftungsfragen fordert sie ein »Zurück an den Start!«. Herwig Lindner zitiert aus einer von den Elga-Machern in Auftrag gegeben Studie, wonach zwar mehr als 50 Prozent der Patienten für Elga seien, sich jedoch weniger als ein Prozent der Befragten dazu im Stande sehen, Elga gegenüber einem Dritten zu beschreiben. Angesichts dieses Kommunikationsdesasters wirft Linder die Frage auf, ob es zur Strategie des Ministeriums gehöre, die Bevölkerung im Dunkeln tappen zu lassen, damit die offenkundigen Nachteile des Systems nicht thematisiert werden.

Der Obmann der niedergelassenen Ärzte, Jörg Garzarolli, sieht mit Elga das Zeitalter des »gläserenen Patienten« anbrechen, da es auch Unbefugten – etwa Versicherungen und Arbeitgebern – die Möglichkeit gibt, sensible Patientendaten abzurufen. Psychiater Dietmar Bayer stellt die ärztliche Schweigepflicht in den Mittelpunkt seiner Kritik. Er sorgt sich in Bezug auf Elga hinsichtlich sensibler Diagnosen etwa bei psychischen oder chronischen Infektionserkrankungen. Diese Diagnosen könnten zwar aus Elga eliminiert werden, aufgrund der Medikation, die ein Arzt aus Haftungsgründen nicht eliminieren könne, seien solche Krankheiten aber trotzdem weiterhin in Elga erkennbar.

Das Gesundheitsministerium behauptet zwar, Elga würde einen schnelleren Datenzugriff bei akuten Notfällen ermöglichen, die Ärztekammer sieht in dieser Argumentation jedoch nur ein weiteres Beispiel für die diffuse Informationspolitik. Denn mit einer aufgewerteten E-Card könnten notfallrelevante Informationen wesentlich sicherer und rascher kommuniziert werden.

Derzeit sieht der Gesetzesentwurf eine »Opt-out«-Möglichkeit vor, die den Patienten erlaubt, nicht von Elga erfasst zu werden. Angesichts der massiven Sicherheitsbedenken drängt die Ärztekammer jedoch auf eine »Opt-in«-Klausel. Demnach soll Elga nur auf Patienten Anwendung finden, die sich ausdrücklich dazu bereiterklären, dass ihre Daten vom Arzt weitergegeben und auch für Apotheker, Vorsorgeeinrichtungen oder Therapeuten elektronisch einsehbar werden.

Ob die Ärztekammer weiter gegen Elga kampagnisiert, hängt laut Lindner vom weiteren Vorgehen des Gesundheitsministeriums ab. Falls sich die Befürchtungen der Ärzte bewahrheiten, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ärzte zu einem generellen »Opt-out« raten, so der Präsident. -jot-

::: Ärztekammer Steiermark
::: Elga-Informationsseiten
::: Gesundheistministerium

Foto: Ärztekammer Steiermark/Schiffer

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