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Zum schwarzen Panter

| 25. Februar 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 150, Fazitportrait

Foto: Heimo Binder

Die großen Brillenglasanbieter müssen sich warm anziehen. Die Michael-Pachleitner-Group wächst schnell und startet jetzt erst richtig durch. Fast jedes zweite Glas in Österreich stammt bereits aus dem Grazer Unternehmen mit knapp 1000 Mitarbeitern. Bis 2023 soll sich der Umsatz verdoppeln. Eine Erfolgsgeschichte.

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Wohin wollen Sie …«, fragte der Taxifahrer kopfschüttelnd den Fahrgast, »… was ist das MP09?« »Das schwarze Gebäude an der Liebenauer Tangente, Autobahn Graz-Ost«, so die Antwort. Taxler: »Ach so, wo die Designer-Fuzzis drinnen sind.«

Diese Anekdote gefällt Michael Pachleitner heute noch, er mag den Charme des »zweiten Blicks«, die Anforderung, noch einmal genauer hinzusehen. Wie sollte der Taxler auch wissen, was da drinnen wirklich vor sich geht, es steht ja außen nichts drauf. Das schwarz glänzende, extravagant designte Gebäude MP09, Spitzname »Schwarzer Panther«, beherbergt die Firmenzentrale der Michael-Pachleitner-Group, kurz MPG, die als Lieferant und Partner Augenoptiker mit Brillenfassungen und Brillengläsern versorgt. Was zunächst unspektakulär klingen mag, birgt eine durchaus hohe wirtschaftliche Relevanz: Pachleitners optisches Brillenglas ist mit einem Marktanteil von 40 Prozent sowohl bei Umsatz als auch bei Stückzahl Marktführer in Österreich und hat die »Großen Drei« Essilor, Hoya und Rodenstock hinter sich gelassen. Der Erfolg mit dem Glas hat mit einer cleveren Vereinbarung mit einem befreundeten Kunden im Jahr 2001 begonnen. Um neben Fassungen überhaupt auch Brillenglas anbieten zu können, hatte Michael Pachleitner die Optik GmbH in Vösendorf im Auge, aber damals fehlten ihm die nötigen Geldmittel für die Übernahme.

Von 140.000 zu 140 Millionen Euro
Doch der Reihe nach. Wie schaffte es der in Kürze 59jährige aus dem Optik- und Schmuckgroßhandel seiner Eltern, der bei der Übernahme durch ihn und seine Schwester Sabine Ksela-Pachleitner im Jahr 1984 rund 140.000 Euro Umsatz verzeichnete, ein Unternehmen mit für heuer erwarteten 140 Millionen Euro zu machen?

Den Grundstein legte Vater Erich Pachleitner Ende der 1940er Jahre, als er zusammen mit drei Partnern die Uniopt GmbH in Graz gründete, eine Handelsfirma für optische Waren wie Ferngläser, Brillenfassungen und Mikroskope. Nach einigen Jahren verließ er dieses Unternehmen und gründete in der Brockmanngasse mit der Apollo-Optik einen eigenen Optik- und Schmuckhandel. Neben den Lupen und Zielfernrohren, den Ferngläsern und Schulmikroskopen machte er den meisten Umsatz aber mit Schmuck. »Brillen gab es noch keine, aber er hatte die geniale Idee, in der Brockmanngasse an Freunde und Bekannte zu Großhandelspreisen zu verkaufen«, erläutert Michael Pachleitner. Sein legendärer weißer Rolls-Royce deutete allerdings darauf hin, dass diese Einschränkung des Käuferkreises nicht so strikt gehandhabt wurde. Erst als er entschied, in Pension zu gehen, ließ er die Zügel schleifen und der Umsatz sank auf erwähnte umgerechnet 2 Millionen Schilling. Bei der Übernahme der Apollo-Optik mit zwei Mitarbeitern im August 1984 studierten beide Geschwister noch, Sabine kümmerte sich in der Folge um den Schmuck, Michael um die Optik, womit er sich gegen eine Laufbahn als Notar entschied. Der Jungunternehmer musste zur Kommunikation noch ein öffentliches Telefax am Hauptbahnhof benützen, wochenlang auf Antwortbriefe aus Japan warten und schrieb die ersten drei Jahre rote Zahlen.

Ein folgenreicher Anruf
Und dann kam ein Anruf, der alles veränderte und eine Lawine von Ereignissen ab 1987 lostrat. Ein Meilenstein für die Geschichte der Michael-Pachleitner-Group. Am Apparat: die Apollo-Optik aus Deutschland, mit dem Ansinnen, die Markenrechte in Österreich zu erwerben. Die Augenoptikmarke der Foto-Quelle, die wiederum eine Tochtergesellschaft des riesigen Quelle-Versand-Konzerns war, hatte ein Problem. Vater Pachleitner hatte den Namen Apollo schützen lassen, so firmierte der Konzern hierzulande als Revue-Augenoptik. Doch die ehemalige Leiterin des Quelle-Versands, Grete Schickedanz, hatte auch mit ihren damals 76 Jahren noch einiges mitzureden und beschloss, dass auch die österreichischen Geschäfte den Namen Apollo tragen sollten. So lud sie Michael Pachleitner nach Nürnberg in die Firmenzentrale ein, um ihm ein Angebot zu machen. Und der damalige Mitzwanziger schaltete blitzschnell. Sie bot 3 Millionen Schilling für die Marke. »Gemessen an den 2 Millionen Umsatz bei meiner Übernahme war das wahnsinnig viel Geld. Aber meine Antwort war: Nein, ich will 1 Million, aber auch einen Liefervertrag mit Apollo beziehungsweise Revue-Augenoptik.« Pachleitner hatte nämlich geplant, die vom Vater mitgegründete Uniopt zurückzukaufen und mit deren Handelsware Lieferant zu werden. »Das war mein erster Deal, den ich gemacht habe«, schwärmt er noch heute. Die Sache klappte: Er kaufte das Fassungs- und Sonnenbrillenunternehmen Uniopt und hatte zugleich einen Deal mit Abnahmegarantien. Ironischerweise wurde aus den Apolloplänen nichts – in Österreich heißen die Filialen heute »Pearle«.

Hang zu schönen Dingen
Nun nahm das Grazer Unternehmen Fahrt auf. Pachleitner entwickelte die Uniopt weiter, dehnte die Vertriebswege bis in den Mittleren Osten und die USA aus und stellte die erste Uniopt-Zentrale in Graz an der Ecke Brockmanngasse/Kastellfeldgasse und eine Zweigniederlassung in Wien fertig. Schließlich kaufte er das zunächst nur angemietete Erdgeschoß der Zentrale und baute im Hinterhof bei der Lagerhalle ein altes Haus des Allgemeinen Turnvereins ATG zu einem Wohnhaus mit elf Wohnungen aus. Damit stieg der architekturaffine Jurist ins Immobiliengeschäft ein. Auch die großen Flächen vor dem Elterhaus in der Brockmanngasse sollten auf Dauer nicht mehr länger bloß für Autoabstellplätze mit Flugdächern herhalten. Nachdem direkt daneben ein Wohnhaus errichtet wurde, kaufte er dieses kurzerhand und verwandelte die restlichen Flächen einige Jahre später in eine Großbaustelle. Heute steht dort, intergriert in das Gründerzeitviertel, ein äußerst gelungener Neubau, mit 70 ebensolchen Wohnungen, plus vier weiteren im umgebauten, in die Anlage miteinbezogenen ehemaligen Elternhaus. Mit einiger Fantasie mag man sogar eine Verwandtschaft mit dem Schwarzen Panther erkennen. Michael Pachleitners ausgeprägter Hang zu schönen Dingen – von Architektur über Kleidung bis Autos – war dabei jedenfalls kein Nachteil. Das gilt wohl auch für diverse Zinshäuser und Altbauwohnungen, die zum Teil zur Unterbringung von einigen der rund 250 Mitarbeiter aus 20 Nationen in Graz angeschafft wurden. Und vom im marokkanischen Stil errichteten Wohnhaus am Wörthersee aus führt er im Sommer seine Geschäfte: »Wenn ich nicht irgendwo bauen kann, werde ich unrund, sagt meine Frau. Das kann ich nur bestätigen.«

Der entscheidende Pakt
Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Aufstiegs der MPG war der Erwerb der Rechte der renommierten Brillenmarke Robert La Roche im Jahr 1999. Waren es damals Prominente wie Tom Cruise oder Andy Warhol, die als Markenbotschafter dienten, so sind es heute Kooperationen mit GNTM (Germanys Next Topmodel, eine deutsche Castingshow des Senders Prosieben), mit Red Bull oder mit in den Designprozess einbezogenen Persönlichkeiten wie Jérôme Boateng.

Foto: Heimo Binder

Der nächste Paukenschlag erfolgte 2001, als die MPG mit dem Erwerb der Optic GmbH in Vösendorf endgültig in das Brillenglasgeschäft einstieg. Das war jene anfangs erwähnte Übernahme für die zunächst das Geld fehlte. Mit jenem befreundeten Kunden schloss Pachleitner einen Pakt: Wenn er es schafft, dessen Geschäfte mit Brillengläsern zu beliefern, verspricht der Kunde aus seinem bestehenden Glasvertrag auszusteigen. Im Gegenzug sichert er ihm finanzielle Unterstützung zu – damit konnte die Übernahme vollzogen werden. Überzeugen konnte die Vösendorfer Produktion allerdings nicht so richtig, die Optic ist inzwischen in die AOTG umfirmiert und nach Guntramsdorf als bloße Vertriebsschiene verlegt. So richtig gelang der Durchbruch erst 2008, als die Brillenglasproduktion Schulz in Glücksburg an der deutschen Ostseeküste übernommen wurde, ein besonderer Meilenstein in der MPG-Unternehmensgeschichte: Hier wird jenes hochwertige MPO-Markenglas – zu 80 Prozent Gleitsichtglas – erzeugt, mit dem Pachleitner den Mitbewerb in Österreich erst so richtig aufgemischt hat. Technologie, Entwicklung und Forschung geschehen allesamt in Deutschland und Österreich, die Produktion trägt das Prädikat »Made in Germany«. Auch hier geht die MPG voll auf Expansionskurs: Man ist kurz davor, eine zweiten Produktions- standort aufzusperren, möglichweise sogar in Österreich. Nach 40 Prozent Marktanteil in Österreich hält Pachleitner fünf Prozent in Deutschland für sein Brillenglas für realistisch, tatsächlich aber noch wesentlich mehr.

Zahlen, Daten, Fakten
Nachdem die MPG als internationaler Player mit den Kernmärkten Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Frankreich insgesamt in mehr als 60 Länder exportiert, bei einer Exportquote von mehr als 50 Prozent und der heimische Markt klein ist, kann das Wachtum nur über das Ausland gehen. Und die Gruppe wächst schnell: Seit 2010 hat sich der Umsatz verdreifacht, seit 2015 wächst er im Schnitt um 10 Prozent pro Jahr, 2018 waren es knapp 130 Millionen Euro. Ende 2019 könnten es tatsächlich mehr als 140 Millionen werden. Im Vorjahr wurden 3 Millionen Brillengläser und 1,7 Millionen Fassungen und Sonnenbrillen über die Optikpartner an die Endkunden verkauft. Auch der Gang an die Börse war schon öfter ein Thema, doch ist Pachleitner diesbezüglich zurückhaltender geworden und wartet einmal bis 2023 ab. Bis dahin, so das Ziel, sollte sich der Umsatz auf 250 Millionen Euro verdoppelt haben. Dies soll auch weiterhin mit einer partnerschaftlicher Strategie erreicht werden: Als Komplettanbieter beliefert die MPG den Fachhandel nicht nur wie ein anonymer Lieferant mit der Ware, sondern teilt auch Kow-how, unterstützt im Marketing oder auch mit Krediten und Darlehen. Dem stehe auch eine Beteiligung wie jene an der Optik-Hallmann-Kette in Deutschland und Dänemark nicht entgegen. Pachleitner: »Das ist nur eine 19-Prozent-Beteiligung, da gibt es sogar größere.« Auch so eine Beteiligung im Einzelhandel könne eine Hilfestellung für den Optiker sein. Mit einer modernen Logistik in Tschechien kann die MPG auf Wunsch ihren Kunden auch das Lagerrisiko abnehmen und innerhalb eines Tages jeden Kunden beliefern.

Ein kleines Husarenstück ist auch für heuer bereits gelungen. Die erwähnten GNTM-Brillen werden von der Drogeriekette »Müller« angeboten – in 900 Filialen.

Michael-Pachleitner-Group
8041 Graz, Liebenauer Tangente 4
Telefon +43 51 720 1000
michaelpachleitnergroup.com

Fazitportrait, Fazit 150 (März 2019) – Fotos: Heimo Binder

 
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