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Zur Lage (67)

| 25. April 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 102, Zur Lage

Über die Lage #66 sowie über Wiederholungen und Abschreibereien. Kaum etwas über die Europa-Wahl und in  letzter Konsequenz viel zu viel über das Binnen-I.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Ist es Ihnen auch aufgefallen? Meine letzte Lage war, naja, schreiben wir mal »so lala«. Sogar meine allerliebste von allen Lektorinnen hat mich – ausnehmend charmant selbstverständlich – darauf hingewiesen. Und wissen Sie, was ich Ihnen jetzt sage? So lala? Nein, sie war unter aller Lagestandard! Ist mir nämlich beim Lesen im gedruckten Fazit dann erst und noch dazu aufgefallen, ich habe abgeschrieben. Zwar von mir selbst, aber immerhin. Die Geschichte von diesem rührigen Filmemacher – wenn Sie das jetzt im Netz lesen, können Sie es hier nachlesen (sonst müssen Sie sich halt ein Fazit besorgen) – vom rührigen Filmemacher jedenfalls, der dann doch noch seinen Film produzieren konnte, hatte ich Ihnen schon einmal erzählt. Vor einigen Jahren, in der Lage Schlagmichtot, ich hab es wieder vergessen. Wohl eher verdrängt.

Genauso wie die Geschichte vom Othmar Karas und seiner Versehrtenrente, als er noch Nationalratsabgeordneter war. Oder hatte ich die noch gar nicht erwähnt? Egal, man vergißt einfach soviel über die Jahre. Und es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als eine »Kreativpause« einzulegen. Ansonsten würde ich Gefahr laufen, mich immer öfter zu wiederholen. Und das will ich weder Ihnen und noch viel weniger mir zumuten müssen.

Was ich mit der dann gewonnenen freien Zeit machen werde, hab ich mir auch schon überlegt. Ich weiß jetzt nicht, ob Sie das schon kennen, aber es gibt da seit ein paar Wochen so Bemühungen, unsere Sprache »geschlechtsneutraler« werden zu lassen. (Wo man das schon immer beobachten konnte, sind so Politikerreden, nicht unbedingt Bundesklasse, naja durchaus auch Bundesklasse, wo am Anfang immer ein »Liebe Bürgerinnen und liebe Bürger!« zu hören war und ist. Also hören tut man dabei meistens »Liebe Bürgerinnenundbürgerinnen«, weil es in aller Regel eher mäandernd vorgetragen wird.)

Eine so eine doch schon etwas länger bekannte Auswirkung dieser geschlechtsneutralisierenden Bemühungen ist dabei das »Binnen-I«. Dieses ist unlängst in Verruf geraten, hat sich doch das – mit der Pflege österreichischer Normen befasste und deswegen sich »Austrian Standards Institute« bezeichnende, ehemalige – »Österreichische Normungsinstitut« dafür ausgesprochen, das »Binnen-I« abzuschaffen. Potzblitz, pardauz! Und dann habe ich einfacher Mensch, der Ijoma Mangold würde sagen »Autodidakt«, mich versucht ein bisschen schlau zu machen, über all die Vorstellungen, die von »geschlechtsneutraler Sprache« zirkulieren. Und ich bin auf Gold gestoßen.

Es gibt eine Webseite, die nennt sich »Mädchenmannschaft«, einigen vielleicht durch die Nominierung für den Grimme-Preis im Jahr 2009 bekannt. Dort habe ich ausnehmend aufschlussreiche, weiterführende Informationen zum Thema finden dürfen. Zuvor schauen wir in die Wikipedia, und erfahren, dass »Die Mädchenmannschaft ein deutschsprachiges feministisches Blog des Vereins Mädchenmannschaft, das seit 2007 über Politik, Medien, Werbung und geschlechtersensible Projekte berichtet« ist. Und eben auf dieser Webseite fand ich dann interessante Auseinandersetzungen mit dem Thema »Pronomen« also Fürwörtern. Die wären nämlich auch viel zu sehr geschlechtlich belastet und bräuchten Veränderung. Die in etwa so aussieht:
»Esme Grünwald überlegt sich immer dann neue Pronomen, wenn sie* die für einen Text in ihrem* Blog benötigt. (…) Im Relativsatz wird di:er übrigens zu ki. Außerdem bleiben Lücken, wo Esme Grünwald eben die Pronomen noch nicht brauchte.«

Gut, hier ist auch für mich noch eindeutig, also beinahe eindeutig erkennbar, dass es sich um einen deutschsprachigen Text handelt. Oder handelte; irgendwann einmal zumindest. Die Sternderln (Asteriske) und der Doppelpunkt haben offenbar auch eine Bedeutung. Wie auch immer, es ging nämlich noch weiter:
»Rae Spoon ist Musik_erin, Schriftstell_erin und macht Workshops. Xier benutzt in xieser Muttersprache, Englisch, das geschlechtsneutrale Pronomen they. Ich mag xiese Musik und vor allem die Art, wie xier schreibt. Die Musikzeitschrift Visions schreibt über xien …«

Uff. Also da hab ich noch viel nachzuholen, bis ich dieses ganz gendergerechte wenigstens andeutungsweise verstehen werde können. Abschließend für uns alle noch eine kleine Übersicht der wichtigsten Pronomen in dieser wunderbaren und so gerechten Neusprachschöpfung:
»1. Fall: Wer schreibt? Xier schreibt. 2. Fall: Wessen schäme ich mich? Ich schäme mich xies. 3. Fall: Wem gehört das? Das gehört xiem. 4. Fall: Wen brauchst du? Du brauchst xien.«

Na, jetzt »macht« das alles ja fast schon ein bisschen Sinn, oder? Ergeben wird es trotzdem nie einen. Ich werde vielleicht doch weiterhin auch auf das Binnen-I verzichten. Ich hoffe, Sie hatten ein frohes Osterfest! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

*

Zur Lage #67, Fazit 102 (Mai 2014)

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