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Auf gutem Grund

| 30. November 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 168, Fazitportrait

Foto: Erwin Scheriau

Seit Beginn vorigen Jahres leiten die Brüder Hannes und Peter Schreiner die Geschicke des Technologieparks Raaba. Den Grundstein für das Familienunternehmen und Immobilienimperium legte Vater Johann Schreiner, als er im Jahr 1999 in Raaba ein großes Gewerbegrundstück kaufte und die Gebäude von Grund auf sanierte. Heute bietet der Standort Raum für rund 2.500 Arbeitnehmer, und das gepaart mit einer umfassenden Infrastruktur, die fast alle Lebensbereiche abdeckt.

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In diesen knapp zwei Jahrzehnten hat sich einiges getan. Ein umfassender Strukturwandel der Wirtschaft hat Platz gegriffen, völlig neue Wirtschaftszweige sind entstanden, gemeinsam mit zahlreichen Arbeitsplätzen. In Verbindung damit steht ein anhaltend starker Zuzug von Menschen, nicht zuletzt auch wegen der vielen höheren Ausbildungsmöglichkeiten. Aber nicht nur die Stadt Graz ist gewachsen, auch das südliche Umland hat sich inzwischen zu einer potenten Wirtschaftszone mit großer Anziehungskraft für Unternehmen und Konzerne aus allen Bereichen gemausert, nicht immer nur zur Freude der Stadt Graz selbst. Bis in die Neunzehnachtzigerjahre war Raaba wie viele andere Umlandgemeinden ein eher beschaulicher Ort, bekannt nur für seine Mühlenindustrie und das soeben neu errichtete Raiffeisen-Rechenzentrum.

Solide Fundamente
Der Vater, der Bauernsohn Johann Schreiner aus Zwaring, einem Ort nicht weit von Raaba, erkannte die Zeichen der Zeit. Er hatte seine beruflichen Erfahrungen im Baugewerbe gesammelt, wurde 1960 selbständig und hat schon 1968 sein eigenes Trockenbauunternehmen begründet, das er später an einen seiner Söhne aus erster Ehe übergab. Fast schon in einem Alter, wo andere an die Pension denken, mit rund sechzig Jahren, beschloss er, noch einmal völlig neue Wege zu beschreiten. Schritt für Schritt und mit der nötigen Ausdauer erweiterte er Stück für Stück sein Immobilienportfolio. Die Voraussetzungen waren günstig. Überzeugt vom Potenzial des Standortes, erwarb er Anfang 1999 ein über 20.000 Quadratmeter großes, zum Verkauf stehendes Grundstück von der Agrosserta und machte sich sogleich an die Revitalisierung der in den Neunzehnsiebzigerjahren errichteten Bürotürme. »Die gute Qualität der Bausubstanz hat ideale Voraussetzungen für eine grundlegende Modernisierung geboten, auch nach neuesten Kommunikations- und Energiestandards«, erzählt Johann Schreiner. Schon zwei Jahre später war ein völlig neues Gebäude mit 10.000 Quadratmetern Büroflächen und Tiefgaragen errichtet, als dessen Hauptmieter die Firmen Daimler Chrysler und Magna einzogen und das bis heute als Symbol einen mächtigen Mercedes-Stern trägt. Als Nächstes folgte ein Bürogebäude für die Sozialversicherung der Bauern, die im Jahr 2005 von Graz nach Raaba übersiedelte. Der frühere Standort der Sozialversicherung in der Rembrandtgasse in Graz Leonhard wurde von Schreiner saniert, aufgestockt und in eine Wohnanlage mit 100 Wohneinheiten umgewandelt. Hinzugekommen sind im Lauf der Jahre eine Reihe viel versprechender Gewerbeimmobilien, zunächst in Graz, dann in Leoben, Wien und weiteren Standorten. Trotz der Expansion ist das Team von 17 Personen − inklusive der Familie − für die umfassenden Aufgabenbereiche in Planung, Kundenbetreuung und Verwaltung äußerst schlank geblieben und die beiden Söhne Peter und Hannes wurden schon früh in die Mitwirkung von ihren Ferialjobs an in verschiedensten Positionen in das Unternehmen eingebunden, ebenso wie Ehefrau Gertrud, die bis heute die Hausverwaltung übernimmt. »Damit war stets klar, dass sich das Familienleben in weiten Teilen um das Unternehmen und seine Belange dreht«, erklärt Peter Schreiner, »bis hin zu Diskussionen bei den gemeinsamen Mittagessen. Das geht natürlich nicht immer ohne Friktionen ab, auf der anderen Seite ergeben die Gespräche eine solide Entscheidungsgrundlage, in einem familiären Konsens die jeweils beste Lösung zu suchen und umzusetzen.« Und privat, abseits von Unternehmen und Familie, bleibt wohl wenig Raum für Freizeitgestaltung? Beide Brüder winken lächelnd ab, sie sind begeisterte Bastler und finden an ihren Eigenheimen stets noch etwas zu verbessern oder zu ergänzen. Peter ist Fußballfan und reist gerne durch die Welt, Hannes restauriert Oldtimer und Puchmopeds. Erst kürzlich hat man im Tiefgeschoß einen Pokerkeller mit Bar installiert, der auch in Coronazeiten für Unterhaltung und Ausgehfeeling sorgen soll.

Foto: Erwin Scheriau

Anhaltendes Wachstum
In den letzten 20 Jahren ist die »Technopark Raaba Holding« mit ihren Tochtergesellschaften zum größten Player der Steiermark bei der Entwicklung und Betreuung gewerblicher Immobilien her-
angewachsen. Welche Bedeutung und Berechtigung dermaßen gigantische Bürostandorte in Zeiten der Pandemie und der damit verbundenen immer größeren Bedeutung von Home Office haben, lautet die zur aktuellen Situation durchaus logische Einstiegsfrage im Gespräch mit den beiden Brüdern Peter und Hannes Schreiner. Immerhin befindet sich auf dem Technoparkgelände mit »TPR VI« inzwischen ein weiteres großzügig dimensioniertes Gebäude gerade in Bau und soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden. »Von einer Stagnation oder gar einem Rückgang der Nachfrage kann ganz besonders im Raum Graz-Umgebung-Süd keine Rede sein«, erklärt Peter Schreiner und spricht von nachhaltigen Zuwachsraten von rund zehn Prozent jährlich. Das neue Bürogebäude soll dazu beitragen, die stetig und noch immer rasch wachsende Nachfrage an Büroflächen im Umfeld von Graz stillen zu helfen. Besonders in Coronazeiten haben am Technopark Raaba Sicherheit und Gesundheit der vielen Mitarbeiter hohe Priorität, erklärt Hannes Schreiner. Belüftungssysteme mit Hilfe moderner Fensterkonstruktionen sorgen für eine intensive Luftumwälzung und wirken  damit neben den zahlreichen Hygienestationen zur Vermeidung von Ansteckungsquellen.

Visionen von Arbeitswelten
Die Visionen der beiden Immobilienplaner weisen langfristige Perspektiven auf, so auch auf die Frage, wie werden die Arbeits- und Lebenswelten in zwanzig bis dreißig Jahren aussehen. Als Mitglied der Vereinigung österreichischer Projektentwickler sehen sich die Geschäftsführer der Technopark Raaba Holding mit innovativen Ideen am Puls der Zeit. Ein Element dabei ist das Konzept einer eigenen Stadt am Rande der Großstadt Graz, denn ergänzend zu den Gewerbeflächen widmen sich die Schreiners dem Ausbau von Wohnraum und Infrastruktur in der näheren Umgebung. Mit dem Wohnpark Raaba wurden nahe dem Bahnhof und Ortskern in einer ersten Ausbaustufe voriges Jahr 49 Wohnungen verschiedener Größe errichtet. Mit dem jüngst erfolgten Spatenstich wurde der zweite Abschnitt mit 118 weiteren Wohneinheiten in Angriff genommen. In Kombination mit dem breiten Angebot an öffentlichen Einrichtungen, Geschäften und umfangreichen Erholungsflächen wird hier das Konzept einer quasi autonomen Trabantenstadt konsequent umgesetzt. Die Attraktivität ist daher zweifellos vorhanden. »Mit der S-Bahn ist man in weniger als zehn Minuten am Hauptbahnhof Graz«, erklärt Hannes Schreiner und die geplante Unterführung am Bahnhof Raaba wird auch die Erreichbarkeit des Technopark selbst weiter verbessern. Weniger ideal sieht er die Situation bei der öffentlichen Anbindung des Stadtgebiets von Graz an den südlichen Teil des Bezirks Graz-Umgebung. »Es fehlt seit jeher ein übergreifendes Verkehrskonzept für den Zentralraum rund um Graz, das über Autobahn und Bahnverbindungen hinausgeht, vor allem was den lokalen Bereich betrifft. Seit Jahrzehnten wird von der Stadt Graz der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes hin zu den Gemeinden der Peripherie selbst eher stiefmütterlich behandelt«, betont Peter Schreiner, »neben Mangel an entsprechenden Finanzmitteln spielt hier die Konkurrenzsituation im geschäftlichen Bereich eine nicht zu übersehende Rolle. Wir würden uns auch von der Landespolitik mehr Initiative beim Ausbau der Infrastruktur im zentralen Wirtschaftsraum wünschen und hoffen auf eine bessere Unterstützung in der Zukunft.« Derzeit ist die Verkehrssituation beim Technopark Raaba dadurch geprägt, dass der weitaus überwiegende Anteil der hier Arbeitenden mit dem Pkw anreist, wozu auch die Lage direkt am Autobahnknoten beiträgt. Dass hier mit dem weiteren Ausbau des Standortes bessere und langfristig wirksame Lösungen gefunden werden müssen, ist den Projektentwicklern sehr wohl bewusst.

Foto: Erwin Scheriau

Ein grüner Trend
Aber entscheidende Veränderungen beginnen sich auch hier abzuzeichnen, betont Hannes Schreiner, »Elektromobilität spielt eine immer wichtigere Rolle, und wenn die Zahlen sich auch vorerst noch relativ bescheiden ausnehmen, so richten wir uns dennoch auf einen anhaltenden Megatrend ein.« In Kooperation mit der Energie Steiermark entsteht eine Reihe von E-Ladestationen und in der geplanten Tiefgarage am derzeitigen Hauptparkplatz ist für alle Plätze die Ausstattung mit Steckdosen vorgesehen. Auch das Pendeln per Fahrrad soll noch besser gefördert werden, es gibt Duschen für Radfahrer und das Angebot von überdachten E-Ladeboxen soll zukünftig die E-Mobilität auch auf diesem Gebiet fördern. Der ökologische Aspekt soll zu einem bestimmenden Markenzeichen des Technopark Raaba werden. »In Verbindung mit den bestehenden Photovoltaikanlagen auf den neueren Gebäuden setzen wir hier schon jetzt Schritte in Richtung Grüner Energiesysteme, das wollen wir in Zukunft weiter verstärken und auch die neuen Gebäude mit Solarenergieanlagen ausstatten«, ergänzt Peter Schreiner. Das Rechenzentrum von Mercedes in Raaba soll demnächst als erstes des Konzerns weltweit vollständig auf erneuerbare Energiequellenumgestellt werden.

Geplante Zukunft
Abseits von diesen langfristigen Visionen wollen wir wissen, wohin die Reise in den kommenden Jahren gehen soll. Beide Brüder sind sich einig: »Das Wachstum ist noch lange nicht vorbei, der Bedarf an hochqualitativen Gewerbeflächen in den Toplagen steigt weiter in gewaltigem Ausmaß, ebenso die Preise. Unser Vater hatte noch das Glück, hier in Raaba zu sehr günstigen Preisen einzusteigen, heute betragen die Quadratmeterpreise rund das Zehnfache gegenüber vor zwanzig Jahren.« Zudem verfügt das Unternehmen in unmittelbarem Anschluss an das jetzt bebaute Gelände noch über rund 100.000 Quadratmeter an freien Flächen, die langsam, aber konsequent weiter entwickelt werden sollen. »Unser nächstes Großprojekt ist der Garagenbau mit 13 Hoch- und zwei Tiefgeschoßen«, ergänzt Peter Schreiner, »mit der Fertigstellung des neuen Gebäudes im kommenden Jahr können wir neben anderen notwendigen Umstrukturierungen das Lokal Raabarrista dorthin umsiedeln und die Kantine auf das erforderliche Volumen erweitern.« Kurz gesagt, es gibt immer was zu tun in dem höchst lebendigen Familienunternehmen.

Technopark Raaba GmbH
8074 Raaba-Grambach, Dr.-Auner-Straße 22/3
Telefon +43 316 291024
technopark-raaba.com

Fazitportrait, Fazit 168 (Dezember 2020) – Fotos: Erwin Scheriau

 
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